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Weit mehr als nur ein Seelendoktor

Ein Mann spricht mit einer Patientin.
In psychologischen Berufen sind Einfühlungsvermögen, eine stabile Persönlichkeit und Neugier auf die Verschiedenheit von Menschen sehr wichtig.
Foto: Oliver Dietze

Berufe rund um Psychologie

Weit mehr als nur ein Seelendoktor

Streng genommen gibt es den Psychologen oder die Psychologin gar nicht. Denn je nach Beschäftigungsfeld – und das ist sehr groß – konzentrieren sie sich auf eine bestimmte Klientel oder ein bestimmtes Gebiet der Psychologie. abi» gibt einen Überblick.

Mit Menschen, die aufgrund einer schweren psychischen Störung stationär in einer Klinik behandelt werden müssen, beschäftigt sich der Psychologe Sven Fierlings* seit gut einem Jahr. „Ich wollte schon immer verstehen, wie die menschliche Psyche funktioniert und mit bestimmten Krankheiten verknüpft ist“, erklärt der 36-Jährige. In diesem Sinne ist er beruflich in einer psychiatrischen Klinik gut aufgehoben, denn hier wird er mit der ganzen Bandbreite der psychischen Erkrankungen konfrontiert.

In seinem Beruf braucht es eine hohe Belastbarkeit und Frustrationstoleranz, eine stabile Persönlichkeit, Einfühlungsvermögen und Neugier auf die Verschiedenheit von Menschen. „Viele Patienten sind nicht freiwillig hier, sind suizidgefährdet oder können eine Bedrohung für andere darstellen. Ohne die Fähigkeit zur Abgrenzung und Strategien zur Stressreduktion geht man in diesem Beruf schnell unter“, weiß der Psychologe. Zudem müsse man wissen, dass die psychotherapeutischen Möglichkeiten aufgrund der Verfassung der Patienten begrenzt sein können.

Sven Fierlings Arbeitsalltag besteht daraus, Aufnahmegespräche zu führen, Anamnesen zu erheben, also medizinisch relevante Informationen zu erfragen, und in enger Zusammenarbeit mit den Behandlungsverläufen zu planen. Dazu kommt jede Menge Papierarbeit, etwa die Erstellung von Entlassungs- und Arztbriefen. „Wer sich für diesen anspruchsvollen Job gewappnet sieht, den wird es erfüllen, Menschen in derart seelischen Notlagen zu helfen“, meint Sven Fierling. Er selbst hat nach seinem Psychologiestudium die Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten absolviert und anschließend mehrere Jahre in der Psychosomatik einer Tagesklinik gearbeitet.

Vielseitige Beschäftigungsmöglichkeiten

Ein Porträt-Foto von Anne-Catrin Sasum

Anne-Catrin Sasum

Foto: privat

Im Gesundheitswesen arbeiten neben Psychotherapeuten zum Beispiel auch Psychoonkologen, die Krebspatienten bei der Krankheitsbewältigung unterstützen, oder Neuropsychologen, die neurologische Krankheiten diagnostizieren und therapieren. Ein weiteres Beschäftigungsfeld ist die Forschung sowie die psychosoziale Beratung – etwa in der Schule oder im Bereich Sucht-, Schulden- und Drogenberatung.

Selbst in der Justiz sind Psychologen gefragt, wo sie zum Beispiel die Schuldfähigkeit von Angeklagten beurteilen. Bewertungen nehmen auch Verkehrspsychologen vor – sie schätzen ein, ob Verkehrssünder wieder auf die Straße gelassen werden können. (Siehe auch die Berufsreportage „Verkehrssündern auf den Zahn fühlen“.) Selbst in der Wirtschaft – etwa im Bereich Personalwesen und Organisationsentwicklung ¬– und in der Marktforschung können Psychologen tätig werden. Wer sich für die Richtung Berufspsychologie interessiert, ist beim Berufspsychologischen Service der Bundesagentur für Arbeit bestens aufgehoben.
(Siehe auch die Berufsreportage „Berufseignung durch die psychologische Brille gesehen“.)

Sich gezielt qualifizieren

Wer Interesse am Psychologiestudium hat und die notwendigen Voraussetzungen mitbringt, dem stehen viele Möglichkeiten zur Auswahl. Neben dem klassischen Psychologiestudium kann man sich bereits im Bachelor auf eine fachliche Richtung spezialisieren und zum Beispiel Sportpsychologie oder Rechtspsychologie studieren.

Doch was tun, wenn man noch keine klare Vorstellung vor Augen hat? „Ich empfehle dann immer ein Bachelorstudium mit einem Modul in klinischer Psychologie“, sagt Anne-Catrin Sasum, Berufsberaterin für akademische Berufe bei der Agentur für Arbeit in Rostock. „Hier wird den Studierenden, auch durch die Wahlpflichtfächer, klarer, in welche berufliche Richtung es gehen soll. Dementsprechend können sie dann einen speziellen Masterstudiengang wählen.“

Psychologie ist seit Jahren eines der beliebtesten Studienfächer in Deutschland. Da die hohe Nachfrage eine strenge Zulassungsbeschränkung zur Folge hat, sollte man sich über Alternativen Gedanken machen. Artverwandte Studiengänge, die sich mit dem Verhalten von Menschen beschäftigen, sind zum Beispiel die Soziologie und die Sozialpädagogik. Auch BWL mit einem psychologischen Schwerpunktfach kann eine weitere Option sein. Aber auch Ausbildungsberufe kommen infrage, zum Beispiel Musik- oder Ergotherapeut, Gesundheits- und Krankenpfleger oder Logopäde.

Auf dem Prüfstand: Psychotherapeutenausbildung

Wer wie Sven Fierlings Psychotherapeut werden will, muss allerdings Psychologie studieren und nach dem Masterabschluss zusätzlich eine Ausbildung absolvieren, an deren Ende die Approbation (Erlaubnis zur Behandlung) erteilt wird. (Siehe auch die Weiterbildungsreportage „Wer andere therapieren will, muss selbst auf die Couch“.) Der Haken: Die mehrjährige Ausbildung kann mehr als 20.000 Euro kosten. Experten kritisieren, dass viele Absolventen die Ausbildung deswegen nicht antreten können, obwohl in Deutschland mehr Psychotherapeuten gebraucht werden. Aus diesem Grund soll die Ausbildung reformiert werden. Heißt: einheitlicher Zugang zum Beruf über ein fünfjähriges Direktstudium, automatische Approbation bei bestandener Prüfung und anschließend mehrjährige stationäre und ambulante Weiterbildung zum vertiefenden Kompetenzerwerb. Die Deutsche Psychotherapeuten Vereinigung (DPtV) begrüßt dies: „Diese Struktur ermöglicht eine umfassende Qualifizierung, die dem Patienten zugutekommen wird“, sagt die Bundesvorsitzende Barbara Lubisch.

Gute Arbeitsmarktchancen

Doch nicht nur für Psychotherapeuten sehen die Jobaussichten gut aus. „Der Arbeitsmarkt für Psychologen entwickelte sich in den vergangenen Jahren positiv. So ist die Erwerbstätigkeit kräftig gewachsen, gleichzeitig fällt die Arbeitslosigkeit gering aus“, stellt Claudia Suttner vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit fest. Im Gesundheitswesen gab es im Jahr 2018 die meisten Stellenangebote. Aber auch im Bildungs- und Sozialwesen, in der öffentlichen Verwaltung, bei kirchlichen Vereinigungen, Bildungs- und Jugendorganisationen sowie in Unternehmensführungen und -beratungen wurden Psychologen und Psychotherapeuten gesucht.

*Name von der Redaktion geändert

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort z.B. Psychologe)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

berufsfeld-info.de

Auf diesem Portal der Bundesagentur für Arbeit findest du unter dem Suchwort Psychologie Reportagen, u. a. über Wirtschafts-, Neuro- und Verkehrspsychologen.
berufsfeld-info.de/search/abi?q=Psychologe

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen. (Suchwort z.B. Psychologie)
www.studienwahl.de

Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen

www.bdp-verband.de

Deutsche Gesellschaft für Psychologie

www.dgps.de

DPtV Deutsche Psychotherapeuten Vereinigung

www.deutschepsychotherapeutenvereinigung.de/der-verband.de

abi>> 24.06.2019

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