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Für das Wohl der Menschen

Flagge von Israel vor einer Häuserwand
Die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste entsendet Freiwillige in Länder, die besonders von der nationalsozialistischen Herrschaft betroffen waren.
Foto: Elizaveta Shlosberg

Friedensdienst

Für das Wohl der Menschen

Land und Leute kennenlernen und besondere Erfahrungen machen: Ninel Kuhl (20) war im Rahmen ihres internationalen Freiwilligendiensts für die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) in Israel.

Wenn Ninel Kuhl auf ihre Auszeit in Israel zurückblickt, spricht sie von der besten Entscheidung ihres Lebens. Es sei eine einmalige Chance gewesen, ein anderes Land, eine neue Kultur kennenzulernen und aus dem eigenen sozialen Umfeld auszubrechen. Dass es dazu kam, hatte sie mehr oder weniger dem Zufall zu verdanken: „Im Politik-Leistungskurs stellte uns ein Lehrer die Organisation ‚Aktion Sühnezeichen Friedensdienste‘ vor, die für ein Freiwilligenjahr in Israel freie Plätze ausgeschrieben hatte.“ Ninel Kuhl war sofort begeistert. „Das passte zu meinen Vorstellungen. Ich wollte im Anschluss an das Abitur nicht einfach für ein Work & Travel ins Ausland gehen, sondern etwas mit einem ‚höheren Sinn‘ machen, bei dem nicht das Reisen im Vordergrund steht.“

Zielführende Bewerbung

Seitenansicht von Nina Kuhl, die eine ältere Dame umarmt. Beide lachen.

Nina Kuhl

Foto: ASF

Kurzerhand bewarb sie sich mit ihrem Lebenslauf bei der Organisation. „Bei der Bewerbung ging es weniger um eine tabellarische Auflistung meines bisherigen Werdegangs, sondern vielmehr um mich prägende Erlebnisse. Wo bin ich groß geworden? Welche Ideen und Interessen habe ich?“ Neben der Beantwortung von verschiedenen persönlichen Fragen musste die 20-Jährige bereits in dieser Phase der Bewerbung Einsatzbereiche angeben, in denen sie sich die einjährige Auszeit vorstellen konnte.

Nach einem Auswahlseminar mit Einzelgesprächen und Gruppendiskussionen erhielt sie im April 2017 die Zusage für ihren Friedensdienst in Israel. „Von meinem Einsatz erwartete ich mir, einen Einblick in verschiedene Arbeitsbereiche zu bekommen und über Themen nachzudenken zu können, die in der Schule nicht behandelt werden“, erläutert Ninel Kuhl ihre Motivation und fügt hinzu: „Ich hoffte, dass mir diese Erfahrungen dabei helfen, mich für einen Studien- oder Ausbildungsberuf zu entscheiden. Zu diesem Zeitpunkt war ich dazu nämlich noch nicht bereit.“

Mit 20 weiteren Freiwilligen reiste die Abiturientin fünf Monate später schließlich nach Israel. „In Deutschland besuchten wir alle ein einwöchiges Vorbereitungsseminar, das nach der Ankunft in Jerusalem in Form von Sprachkursen, Diskussionsrunden und Vorträgen über das Leben und die Besonderheiten in Israel vertieft wurde. Anschließend ging es weiter in die jeweiligen Einsatzorte“ – für Ninel Kuhl nach Haifa.

Im Austausch mit Menschen vor Ort

Vor Ort arbeiteten alle Freiwilligen in zwei verschiedenen Projekten. „In Israel gibt es ausschließlich Kombi-Projekte. Immer dazu gehört die Arbeit mit älteren Menschen. Das hat den Hintergrund, dass das Land noch viele Überlebende der Schoah bewohnen. Jeder Freiwillige hat in seiner täglichen Arbeit mit ihnen Kontakt“, erzählt Ninel Kuhl, die zehn Stunden pro Woche in einem Seniorenzentrum arbeitete. Die Freiwilligen wurden sowohl in der Demenzabteilung als auch in der Arbeit mit körperlich Beeinträchtigten eingesetzt. So unterhielten sich die Freiwilligen mit den Bewohnern etwa über prägende Erlebnisse und darüber, wie das Leben in Deutschland heute ist. „Dabei hatten wir jederzeit die Möglichkeit, uns mit einem Sozialarbeiter auszutauschen. Einmal im Monat trafen wir uns in der Gruppe zudem mit einer Psychologin“, erklärt die 20-Jährige.

Die zweite Arbeitsstelle ihres Kombiprojekts führte Ninel Kuhl für 30 Stunden pro Woche in ein Förderzentrum für junge Menschen mit Behinderung. „Ich betreute eine Klasse mit sechs Schülern zwischen 14 und 21 Jahren. Ich unterstützte sie im Unterricht oder half bei Dingen wie Essen anreichen.“ Wenn genügend Zeit war, konnte sich die Freiwillige im Rahmen ihrer eigenen Fähigkeiten noch intensiver einbringen.

Sinnvolles tun

Besonders schön war es für die Abiturientin, das Lächeln der Kinder zu sehen. „In der Schule bekam man das Gefühl, dass das, was man gerade tut, einen Sinn hat. Das sind Momente, die man nie wieder vergisst.“

Letztendlich hat sie die Zeit in Israel wie erhofft in ihrer Studienwahl beeinflusst. „Ich bin schon öfter mit sozialer Arbeit in Berührung gekommen und habe auch während meiner Freiwilligenzeit in diesem Bereich gearbeitet. Wenn es für ein Jahr passt, warum nicht für ein ganzes Leben?“, erklärt die 20-Jährige, die ab Oktober ein Sonderpädagogikstudium in ihrer Heimatstadt Berlin aufnehmen möchte. Nebenbei ist sie weiter für ASF aktiv und erzählt beispielsweise auf verschiedenen Informationsveranstaltungen für potenzielle Freiwillige von ihren Erlebnissen. „Ich würde mich definitiv erneut für einen Friedensdienst entscheiden und möchte meine Erfahrungen an andere weitergeben.“

Aktion Sühnezeichen Friedensdienste

Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) e.V. ist eine deutsche Organisation der Friedensbewegung, die Jahr für Jahr Freiwillige in Länder entsendet, die besonders von der nationalsozialistischen Herrschaft betroffen waren. Hintergrund ist die Anerkennung der Schuld für die nationalsozialistischen Verbrechen und die Bitte um Vergebung und Frieden.

 

Um die Finanzierung der Freiwilligendienste zu gewährleisten, bittet ASF seine Freiwilligen um die Zahlung eines Solidaritätsbeitrags in Höhe von etwa 900 Euro sowie die Akquirierung eines Spenderkreises. Wenn dies von den Freiwilligen nicht geleistet werden kann, gibt es Einzelfallregelungen.

 

www.asf-ev.de

 

abi>> 16.08.2019