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Spannender als im Kino – Teil 1

Portrait von Marie

Autor:
Marie

Rubrik:
studium

16.04.2024

Trigger-Warnung: In diesem Blog berichte ich über meine Erfahrungen im Labor und die Arbeit mit Hühnereiern.

Nach einer langen Zeit voll mit vielen Erlebnissen melde ich mich endlich wieder. In den letzten zwei Monaten ist viel passiert und ich fange einfach mal ganz von vorne an, euch davon zu erzählen …

Am 09. Februar endete unsere Vorlesungszeit. Hatten wir also endlich Ferien? Wenn die Definition von Ferien Spaß haben, viel Freizeit und einfach das machen, worauf man Lust hat, ist, dann na ja, so in etwa. Okay, eigentlich waren es für mich keine Ferien. Wenn ihr eine Naturwissenschaft studieren wollt, könnt ihr euch darauf gefasst machen, die ersten Semester erst mal gar keine Ferien abzubekommen. Während die anderen da Ski fahren gehen oder in die Sonne abgehauen sind, klebt man mit der Nase an Lehrbüchern und oder steht aufgrund eines zweiwöchigen Blockpraktikums im Labor.

Das erste Datum in der vorlesungsfreien Zeit (aka Ferien, die irgendwie keine Ferien sind) war die Abgabe des Online-Moduls zur Entwicklungsbiologie. Diese Disziplin erklärt, wie sich Lebewesen im Mutterleib oder Ei entwickeln und woher jedes Körperteil weiß, wohin es gehört. Wenn man ein paar von diesen Genen, die die Position bestimmen (auch Hox-Gene genannt) umdreht oder auf andere Positionen innerhalb des Chromosoms legt, kann man ganz krasse Sachen machen. Mein Lieblingsbeispiel für Nicht-Biologen ist Antennapedia. Das sieht man am besten bei der Taufliege: Die kleinen Fliegen, die man umgangssprachlich auch als Fruchtfliege kennt, haben am Mund kleine Antennen. Dreht man jetzt die zugehörigen Hox-Gene um und tauscht das Gen für „Antenne“ mit dem Gen von „Bein“ aus, so wachsen der Fliege da, wo ursprünglich Antennen sein sollten, einfach Beine. Sucht es am besten nicht bei Google, es sei denn, ihr interessiert euch für so etwas. Das Bild kriegt ihr nie wieder aus dem Kopf.

Der letzte Labortag war auch nichts für schwache Nerven. Ich bin schon recht gespannt, da ich mich mega für Entwicklungsbiologie (E-Bio) begeistern kann, als meine Dozentin einige Eier aus einem warmen Schrank holt. Und dann erklärte sie uns, wie genau man diese Eier aufmacht. Das war spannender als jeder Kinobesuch! Das Einzige, was einige gestört hat, die auf so etwas nicht vorbereitet waren: Da waren die Hühnerembryos noch drin und wir sollten sie aus ihrem schützenden Ei holen. Da diese Embryonen erst ein paar Tage alt waren, galt das noch nicht als Tierversuch, aber ich denke, es mussten einige Leute schlucken bei dem Gedanken. Das für mich Spannendste war das Aufmachen der Eischale: Es gibt eine kleine Luftkammer im Ei, und in diese Luftkammer mussten wir hineinbohren. Das war nicht weiter schlimm, man stellt das Ei mit dem spitzen Ende nach unten, und schon hat man die Luftkammer gefunden. Jetzt kommt der wirklich nervenaufreibende Teil: mit einer Pinzette die Eischale vorsichtig abbrechen. Und dabei durfte man auf keinen Fall die Membran berühren, die das Eiweiß und den Embryo umgibt. Da mein Laborpartner meinte, dass ich das ja so gut kann, hat er mich das machen lassen.

Wie die Geschichte weitergeht, lest ihr dann im nächsten Beitrag …