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Medizin studieren

Lücke füllen

Auf sein Bauchgefühl zu hören, ist nicht immer der beste Rat. Der Bauch lässt sich schließlich gerne von einfachen Umwelteinflüssen erheblich in die eine oder andere Richtung lenken, beispielsweise wenn man Hunger hat, einem schlecht ist oder man vor Verliebtheit die sprichwörtlichen Schmetterlinge im Bauch hat. Aber in dieser Angelegenheit ist ganz viel Bauchgefühl gefragt: Wir suchen einen neuen Mitbewohner für unsere Vierer-WG.
Binnen weniger Stunden hatten wir bereits die ersten Anfragen auf unsere Online-Anzeige. Es ist interessant, wie unterschiedlich die investierte Mühe der Bewerberinnen und Bewerber ist. Manche erzählen bereits ihre gesamte Lebensgeschichte und andere geben lediglich ihre Nummer an. Darüber hinaus haben wir inseriert, einen Studenten zwischen 19 und 25 Jahren zu suchen, dennoch meldeten sich natürlich alle möglichen Menschen, um es zu versuchen.
Wir haben letztendlich sieben Leute eingeladen und für jeden mit einer Stunde relativ viel Zeit eingeplant. Wir sprachen mit ganz verschiedenen Menschen, die Philosophie und Arabistik, Soziale Arbeit, Bauingenieurwesen, Wirtschaftsinformatik, Wirtschaft und Recht, Geschichte oder Lehramt für Englisch und Sozialwissenschaften studieren. Es ist sehr erfrischend, mal aus seinem Kreis hinaus zu schauen. Nur zeigt es auch, wie unterschiedlich intensiv Studiengänge sein können. Der Geschichtsstudent beispielsweise hat nur einen Tag in der Woche Veranstaltungen, wir verbringen jeden Tag viele Stunden an der Uni. Das würde es erschweren, diese verschiedenen Formen des Alltages zusammenzubringen.
Am schlimmsten fand ich, wenn der Bewerber uninteressiert wirkte. Die fehlende Bereitschaft, Fragen zu stellen, sich unsere Wohnung anzuschauen und etwas über uns zu erfahren, bringt auf keinen Fall Sympathiepunkte ein. Nur selten kam jemand mit viel Energie zu uns und begeisterte uns, gewann uns für sich, während wir ihm die Wohnung zeigten, über die Miete und über das Leben in einer WG sprachen. So fiel die Entscheidung: Unser neuer Mitbewohner wird nach jetzigem Stand ein Lehramtsstudent im zweiten Semester. Wir hoffen, dass wir uns richtig entschieden haben – nicht nur gemeinsam wohnen, sondern gemeinsam leben.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  14.06.2017
Autor: Thilo
Rubrik: studium
14.06.2017

Medizin studieren

Blockpraktikum

In diesen Ferien durfte ich nicht nur ein-, sondern gleich zweimal in die Klinik, um voller Elan das frisch Gelernte anzuwenden. Nach dem ersten miserablen Blockpraktikum (ich berichtete in „Der größte Mist auf Erden“) konnte es ja nur besser werden. Das Phänomen, das bei Statistikern als „Regression zum Mittelwert“, also die Rückkehr von einem Extremwert zu einem Durchschnittswert, bekannt ist, bescherte nun auch mir ein erträglicheres Praktikum: ein strukturierter Stundenplan, motivierte Fach- und Assistenzärzte und fürsorgliche Oberärzte, die ihren Job, sich um Studierende zu kümmern, auch tatsächlich ernst nahmen. Und wir dankten es ihnen mit entsprechender Motivation und Einsatzbereitschaft. Ich sage viel lieber kurz vor Dienstschluss: „Okay, den Patienten nehme ich noch mit auf“, wenn ich den bisherigen Tag über das Gefühl vermittelt bekommen habe, nicht irrelevant, sondern klinischer Nachwuchs zu sein.
Was man Patienten dabei manchmal „beibringen“ muss, ist aber nicht ohne: Viele kommen ins Uniklinikum und denken, sie werden nur von Professoren behandelt. Entsprechend groß sind dann meist die Augen, wenn sie zu hören bekommen: „Guten Tag, ich bin Medizinstudent im siebten Semester und werde Ihnen jetzt einen Zugang legen.“ Vielen ist das dann gar nicht recht, woraufhin man manchmal erklären muss, dass Unikliniken eben auch dafür da sind, neue Ärzte anzulernen. Und dass sie bei der Aufnahme in eine Uniklinik in aller Regel unterschreiben mussten, damit einverstanden zu sein, vom Nachwuchs behandelt zu werden, da sie sich in einem Lehrkrankenhaus befinden.
In der Regel sind solche verbalen Zeigefinger jedoch nicht nötig. Der Großteil der Patienten ist nämlich sehr hilfsbereit und freut sich darüber, dass der eigene Fall der künftigen Ärztegeneration helfen kann!

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  09.06.2017
Autor: Johannes
Rubrik: studium
09.06.2017

Medizin studieren

Tapetenwechsel

Nervös rutschen meine Mitbewohnerin und ich auf der Bank an unserem Küchentisch herum. Wir starren beide auf den Zettel vor uns, auf dem steht, was wir unserem Mitbewohner sagen wollen. Daneben liegt die handschriftliche Kündigung. Sie hat ihm bereits Bescheid gegeben, dass wir reden wollen. Er braucht noch zehn Minuten und wir warten voller Aufregung wegen des bevorstehenden Gesprächs. Wird er unsere Entscheidung akzeptieren? Wie wird er reagieren? Ausrasten? Diskutieren? Und machen wir hier gerade das Richtige?
Seit fast zwei Jahren wohnen wir zu viert in unserer schönen WG. Meine beiden Mitbewohnerinnen und ich verstehen uns blendend. Und dann ist da unser Mitbewohner, der leider immer außen vor blieb. Anfangs versuchten wir noch, zu viert Dinge zu unternehmen. Doch die Versuche nahmen ab, wir lebten uns auseinander. Es war, als lebte ein Unbekannter in unserer WG. Dazu kam, dass er trotz mehrfachen Hinweisen gemeinschaftliche Aufgaben wie Putzen und Co. nicht erfüllte. Uns wurde klar, dass es so nicht weitergehen kann und er ausziehen muss.
Meine Mitbewohnerin und ich können das recht einfach entscheiden, weil wir die Hauptmieter der Wohnung sind und er unser Untermieter. Es gilt eine dreimonatige Kündigungsfrist, dann erhält er seine Kaution zurück und der neue Nachmieter muss ihm einen Abschlag für die gemeinsam angeschafften Möbel bezahlen. Es ist hart, jemandem zu sagen, dass man nicht mehr mit ihm zusammen leben will. Wie hart muss es dann für denjenigen selbst sein? Doch es half nichts, wir mussten es ihm sagen.
Er setzt sich an den Tisch, schaut uns beide fragend an. Ich sage ihm, wozu wir uns entschieden haben und weshalb – stets auf der Suche nach einer zornigen Reaktion in seinem Gesicht. Doch ich finde nur Müdigkeit und Abgeschlagenheit. Er nickt und sagt, er könne es verstehen. Wir sind überrascht, erleichtert. Lediglich der Zeitpunkt mitten im Semester sei sehr ungünstig gewählt, kritisiert er, alles andere sei nachvollziehbar. Ich schiebe ihm die Kündigung hin, er unterschreibt und damit war das Thema bereits abgehakt. Keine großen Emotionen, keine Diskussionen.
Nun geht es für uns auf die Suche nach einem neuen Mitbewohner, mit der Sorge im Hinterkopf, wieder eine falsche Wahl zu treffen. Einige Anfragen haben wir auf unsere Wohnungsanzeige bereits bekommen. Voller Spannung haben wir die Einladungen zum ersten Casting verschickt …