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Medizin studieren

Tapetenwechsel

Nervös rutschen meine Mitbewohnerin und ich auf der Bank an unserem Küchentisch herum. Wir starren beide auf den Zettel vor uns, auf dem steht, was wir unserem Mitbewohner sagen wollen. Daneben liegt die handschriftliche Kündigung. Sie hat ihm bereits Bescheid gegeben, dass wir reden wollen. Er braucht noch zehn Minuten und wir warten voller Aufregung wegen des bevorstehenden Gesprächs. Wird er unsere Entscheidung akzeptieren? Wie wird er reagieren? Ausrasten? Diskutieren? Und machen wir hier gerade das Richtige?
Seit fast zwei Jahren wohnen wir zu viert in unserer schönen WG. Meine beiden Mitbewohnerinnen und ich verstehen uns blendend. Und dann ist da unser Mitbewohner, der leider immer außen vor blieb. Anfangs versuchten wir noch, zu viert Dinge zu unternehmen. Doch die Versuche nahmen ab, wir lebten uns auseinander. Es war, als lebte ein Unbekannter in unserer WG. Dazu kam, dass er trotz mehrfachen Hinweisen gemeinschaftliche Aufgaben wie Putzen und Co. nicht erfüllte. Uns wurde klar, dass es so nicht weitergehen kann und er ausziehen muss.
Meine Mitbewohnerin und ich können das recht einfach entscheiden, weil wir die Hauptmieter der Wohnung sind und er unser Untermieter. Es gilt eine dreimonatige Kündigungsfrist, dann erhält er seine Kaution zurück und der neue Nachmieter muss ihm einen Abschlag für die gemeinsam angeschafften Möbel bezahlen. Es ist hart, jemandem zu sagen, dass man nicht mehr mit ihm zusammen leben will. Wie hart muss es dann für denjenigen selbst sein? Doch es half nichts, wir mussten es ihm sagen.
Er setzt sich an den Tisch, schaut uns beide fragend an. Ich sage ihm, wozu wir uns entschieden haben und weshalb – stets auf der Suche nach einer zornigen Reaktion in seinem Gesicht. Doch ich finde nur Müdigkeit und Abgeschlagenheit. Er nickt und sagt, er könne es verstehen. Wir sind überrascht, erleichtert. Lediglich der Zeitpunkt mitten im Semester sei sehr ungünstig gewählt, kritisiert er, alles andere sei nachvollziehbar. Ich schiebe ihm die Kündigung hin, er unterschreibt und damit war das Thema bereits abgehakt. Keine großen Emotionen, keine Diskussionen.
Nun geht es für uns auf die Suche nach einem neuen Mitbewohner, mit der Sorge im Hinterkopf, wieder eine falsche Wahl zu treffen. Einige Anfragen haben wir auf unsere Wohnungsanzeige bereits bekommen. Voller Spannung haben wir die Einladungen zum ersten Casting verschickt …

Medizin studieren

Facebook löschen - Teil 2

Wie angekündigt, wollte ich ja vom Leben nach dem blauen Netzwerk berichten. Mittlerweile ist es gut acht Wochen her, seit mein soziales Leben komplett zum Erliegen kam, meine Freunde einen Bogen um mich machen und ich mir dauernd denke: „Scheiße, jetzt weiß ich gar nicht, was Martin gestern für ‘nen geilen Burger gegessen hat.“ Nein, mal im Ernst: Ich finde es weder gut, noch schlecht, meinen Facebook-Account gelöscht zu haben. Es ist, als hätte ich die Website nie besucht. Mir fehlt absolut nichts, ich treffe mich genauso regelmäßig mit meinen Freunden und habe auch zu weiter entfernt lebenden Bekannten nach wie vor Kontakt. Es ist aber auch nicht so, als würde ich dauernd denken: „Boah geil, jetzt habe ich ‘ne Stunde mehr Zeit am Tag, was fange ich damit an?“
Aber vielleicht ist ja auch gerade das gut: zu wissen, dass es doch keine so große Rolle in meinem Leben gespielt hat. Vor dem Löschen hatte ich das Gefühl, dass ich auf Facebook viel Zeit verplempere und einfach nur anderen Menschen beim Leben, fremden Firmen beim Werben und Katzen beim dumme Dinge tun zugesehen hatte. Da kam des Öfteren Ärger in mir hoch. Das ist jetzt vorbei.
Was hingegen fehlt sind Online-Communities wie die „Mitsurfbörse“, über die ich in den vergangenen Jahren immer Mitfahrer für meine Touren zur französischen Atlantikküste akquirierte. Eventuell werde ich mir einen inaktiven Account zulegen, mit dem ich ab und zu eine Nachricht in Gruppen verschicken kann. Aber andererseits glaube ich nicht, dass Facebook unersetzbar ist.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  02.06.2017
Autor: Johannes
Rubrik: studium
02.06.2017

Medizin studieren

Spendensammeln auf Deutschlands Straßen - 2

Einfach alle ansprechen, die hier vorbeikommen – jeden, ausnahmslos – und so viele Gespräche führen wie möglich. Auf diese Art lerne ich, mit welchen Menschen ich am besten reden kann, wer am wahrscheinlichsten einer Kinderhilfsorganisation wie World Vision helfen würde oder ihr eher missbilligend gegenübersteht. Nach dem ersten Tag als Fundraiser fühle ich vor allem Frust. Frust wegen der ganzen Ablehnung, des eigenen Misserfolges, während die Erfahreneren im Team allesamt Leute überzeugen wie die Weltmeister.
Mein Team setzt sich in der ersten Station in München zusammen aus einer Afrikanistikstudentin aus Leipzig, die jedes Jahr für drei Monate in Uganda ihrer Familie in deren privaten Hilfseinrichtungen aushilft, einer Psychologiestudentin aus Tübingen, die an Herzlichkeit und Wärme nicht zu übertreffen ist, einem Soziologiestudenten aus Mainz, der mir in den nächsten vier Tagen zu einem guten Freund werden sollte, und einer Studentin der chemischen Biologie aus Dortmund, die uns leider nach drei Tagen bereits wieder verlassen musste. Diese Mischung war wahnsinnig bereichernd.
Die ersten Tage waren vollgepackt mit Informationen, Schulungen, Weiterbildungen, mit Kritik und eigener Entwicklung. Abends gab es jeweils eine Schulung, in der uns die Teamleiter erzählten, wie man gewisse Einwände behandelt, Beiträge neu verhandelt und wie wichtig eine gute persönliche Ebene beim Fundraising ist. Weiterhin erfuhren wir von einigen Kniffen, wie man Ruhe in ein Gespräch bringt. Der eigene Pavillon wird dabei zur Wohlfühloase, in der sich die angesprochene Person ein paar Minuten entspannen kann, um zu helfen und ein gutes Gefühl zu verspüren.
Natürlich gibt es einen gewissen Erfolgsdruck, weshalb von einem gefordert wird, sich in den ersten Tagen sichtlich zu verbessern. Die Zahlen, die man am Tag erbringt, sind nachrangig. Wichtig ist den Teamleiter und Coaches, dass man Kritik annimmt und dazulernt. Ich habe aber schnell gemerkt, dass für mich Erfolg der Schlüssel dazu ist, diesen belastenden Job auszuhalten.
Meine erste Woche lief sehr durchwachsen. Ich entwickelte mich zwar, doch merkte ich auch, dass es schwer ist, alle Anforderungen unter einen Hut zu bekommen. Ich lernte, mich ständig aufzuraffen, Druck in absolute Motivation umzuwandeln und aus jedem guten Gespräch Kraft zu schöpfen. Und sie lehrte mich, dass ein gutes Team unbezahlbar ist.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  31.05.2017