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Medizin studieren

Blockpraktikum

In diesen Ferien durfte ich nicht nur ein-, sondern gleich zweimal in die Klinik, um voller Elan das frisch Gelernte anzuwenden. Nach dem ersten miserablen Blockpraktikum (ich berichtete in „Der größte Mist auf Erden“) konnte es ja nur besser werden. Das Phänomen, das bei Statistikern als „Regression zum Mittelwert“, also die Rückkehr von einem Extremwert zu einem Durchschnittswert, bekannt ist, bescherte nun auch mir ein erträglicheres Praktikum: ein strukturierter Stundenplan, motivierte Fach- und Assistenzärzte und fürsorgliche Oberärzte, die ihren Job, sich um Studierende zu kümmern, auch tatsächlich ernst nahmen. Und wir dankten es ihnen mit entsprechender Motivation und Einsatzbereitschaft. Ich sage viel lieber kurz vor Dienstschluss: „Okay, den Patienten nehme ich noch mit auf“, wenn ich den bisherigen Tag über das Gefühl vermittelt bekommen habe, nicht irrelevant, sondern klinischer Nachwuchs zu sein.
Was man Patienten dabei manchmal „beibringen“ muss, ist aber nicht ohne: Viele kommen ins Uniklinikum und denken, sie werden nur von Professoren behandelt. Entsprechend groß sind dann meist die Augen, wenn sie zu hören bekommen: „Guten Tag, ich bin Medizinstudent im siebten Semester und werde Ihnen jetzt einen Zugang legen.“ Vielen ist das dann gar nicht recht, woraufhin man manchmal erklären muss, dass Unikliniken eben auch dafür da sind, neue Ärzte anzulernen. Und dass sie bei der Aufnahme in eine Uniklinik in aller Regel unterschreiben mussten, damit einverstanden zu sein, vom Nachwuchs behandelt zu werden, da sie sich in einem Lehrkrankenhaus befinden.
In der Regel sind solche verbalen Zeigefinger jedoch nicht nötig. Der Großteil der Patienten ist nämlich sehr hilfsbereit und freut sich darüber, dass der eigene Fall der künftigen Ärztegeneration helfen kann!

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  09.06.2017
Autor: Johannes
Rubrik: studium
09.06.2017

Medizin studieren

Tapetenwechsel

Nervös rutschen meine Mitbewohnerin und ich auf der Bank an unserem Küchentisch herum. Wir starren beide auf den Zettel vor uns, auf dem steht, was wir unserem Mitbewohner sagen wollen. Daneben liegt die handschriftliche Kündigung. Sie hat ihm bereits Bescheid gegeben, dass wir reden wollen. Er braucht noch zehn Minuten und wir warten voller Aufregung wegen des bevorstehenden Gesprächs. Wird er unsere Entscheidung akzeptieren? Wie wird er reagieren? Ausrasten? Diskutieren? Und machen wir hier gerade das Richtige?
Seit fast zwei Jahren wohnen wir zu viert in unserer schönen WG. Meine beiden Mitbewohnerinnen und ich verstehen uns blendend. Und dann ist da unser Mitbewohner, der leider immer außen vor blieb. Anfangs versuchten wir noch, zu viert Dinge zu unternehmen. Doch die Versuche nahmen ab, wir lebten uns auseinander. Es war, als lebte ein Unbekannter in unserer WG. Dazu kam, dass er trotz mehrfachen Hinweisen gemeinschaftliche Aufgaben wie Putzen und Co. nicht erfüllte. Uns wurde klar, dass es so nicht weitergehen kann und er ausziehen muss.
Meine Mitbewohnerin und ich können das recht einfach entscheiden, weil wir die Hauptmieter der Wohnung sind und er unser Untermieter. Es gilt eine dreimonatige Kündigungsfrist, dann erhält er seine Kaution zurück und der neue Nachmieter muss ihm einen Abschlag für die gemeinsam angeschafften Möbel bezahlen. Es ist hart, jemandem zu sagen, dass man nicht mehr mit ihm zusammen leben will. Wie hart muss es dann für denjenigen selbst sein? Doch es half nichts, wir mussten es ihm sagen.
Er setzt sich an den Tisch, schaut uns beide fragend an. Ich sage ihm, wozu wir uns entschieden haben und weshalb – stets auf der Suche nach einer zornigen Reaktion in seinem Gesicht. Doch ich finde nur Müdigkeit und Abgeschlagenheit. Er nickt und sagt, er könne es verstehen. Wir sind überrascht, erleichtert. Lediglich der Zeitpunkt mitten im Semester sei sehr ungünstig gewählt, kritisiert er, alles andere sei nachvollziehbar. Ich schiebe ihm die Kündigung hin, er unterschreibt und damit war das Thema bereits abgehakt. Keine großen Emotionen, keine Diskussionen.
Nun geht es für uns auf die Suche nach einem neuen Mitbewohner, mit der Sorge im Hinterkopf, wieder eine falsche Wahl zu treffen. Einige Anfragen haben wir auf unsere Wohnungsanzeige bereits bekommen. Voller Spannung haben wir die Einladungen zum ersten Casting verschickt …

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  08.06.2017
Autor: Thilo
Rubrik: studium
08.06.2017

Medizin studieren

Facebook löschen - Teil 2

Wie angekündigt, wollte ich ja vom Leben nach dem blauen Netzwerk berichten. Mittlerweile ist es gut acht Wochen her, seit mein soziales Leben komplett zum Erliegen kam, meine Freunde einen Bogen um mich machen und ich mir dauernd denke: „Scheiße, jetzt weiß ich gar nicht, was Martin gestern für ‘nen geilen Burger gegessen hat.“ Nein, mal im Ernst: Ich finde es weder gut, noch schlecht, meinen Facebook-Account gelöscht zu haben. Es ist, als hätte ich die Website nie besucht. Mir fehlt absolut nichts, ich treffe mich genauso regelmäßig mit meinen Freunden und habe auch zu weiter entfernt lebenden Bekannten nach wie vor Kontakt. Es ist aber auch nicht so, als würde ich dauernd denken: „Boah geil, jetzt habe ich ‘ne Stunde mehr Zeit am Tag, was fange ich damit an?“
Aber vielleicht ist ja auch gerade das gut: zu wissen, dass es doch keine so große Rolle in meinem Leben gespielt hat. Vor dem Löschen hatte ich das Gefühl, dass ich auf Facebook viel Zeit verplempere und einfach nur anderen Menschen beim Leben, fremden Firmen beim Werben und Katzen beim dumme Dinge tun zugesehen hatte. Da kam des Öfteren Ärger in mir hoch. Das ist jetzt vorbei.
Was hingegen fehlt sind Online-Communities wie die „Mitsurfbörse“, über die ich in den vergangenen Jahren immer Mitfahrer für meine Touren zur französischen Atlantikküste akquirierte. Eventuell werde ich mir einen inaktiven Account zulegen, mit dem ich ab und zu eine Nachricht in Gruppen verschicken kann. Aber andererseits glaube ich nicht, dass Facebook unersetzbar ist.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  02.06.2017
Autor: Johannes
Rubrik: studium
02.06.2017