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Medizin studieren

Probe waschen

Die erste Woche im Labor verging wie im Flug. Am Montag hatte ich noch Schonfrist. Ich wurde durch die Räumlichkeiten geführt und gefühlt 50 Leuten vorgestellt. Danach besprach ich mit meiner Betreuerin den Plan für die nächsten zwei Wochen, in denen eine intensive Einarbeitung stattfinden sollte. Der Dienstag ging dafür mit einem ordentlichen Knall los: Ich war tatsächlich neuneinhalb Stunden lang im Labor! Dadurch, dass ich aus dem Studium wenig bis keine Kenntnisse mitbringe, dauern gewisse Abläufe teils doppelt so lang, wie bei den erfahrenen Laboranten.
Ganz gravierend ist der Unterschied, wenn es um das Abarbeiten von Protokollen geht. Steht da beispielsweise „Probe waschen“, blinken in meinen Augen Fragezeichen, während meine Kollegen selbstverständlich wissen, dass das Zentrifugation, Überstand absaugen, resuspendieren und Auffüllen auf zehn Millimeter bedeutet. Daher bin ich momentan noch damit beschäftigt, mir die Protokolle „für Dumme“ zusammenzuschreiben, sodass ich, wenn ich es dann das nächste Mal alleine mache, weiß, welche Schritten beim Waschen von Milzzellen von Mäusen nötig sind. Klar, das alles kommt nach einiger Zeit von alleine. Aber momentan muss ich mich eben noch einarbeiten. Entsprechend geschlaucht war ich nach sieben Stunden im Labor und ein bis drei Stunden Protokolle schreiben jeden Tag.
Da kam das Wochenende wie gerufen, um sich nochmal zu sammeln, auszuruhen – und die Paper zu lesen, damit mir die Abläufe im Labor langsam aber sicher in Fleisch und Blut übergehen. Aber alles in allem hatte ich trotz intensiven Starts eine tolle Zeit. Das Team ist nett und das selbstverantwortliche Arbeiten könnte auch sehr toll werden – ich bin gespannt!

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  13.10.2016
Autor: Johannes
Rubrik: studium
13.10.2016

Medizin studieren

Alles außer Chirurgie

Die Ahnung, dass Chirurgie nichts für mich sein würde, hatte ich bereits seit meiner Anästhesie-Famulatur (ein viermonatiges Praktikum) vor einem Jahr. Dass sie sich nun derart festigen würde, hätte ich nicht vermutet. Aber mir persönlich bereitet das Herumstehen tatsächlich eine Menge Schmerzen, vor allem im Rücken. Für mich kommt die Arbeit in der Chirurgie, und da lege ich mich jetzt fest, deshalb niemals in Frage. Zum Glück gibt es noch 30 andere Fächer in der Medizin, die ohne minutenlanges Händewaschen und -desinfizieren und anschließendes Stehen ohne Aussicht auf Mittagspause auskommen.
Nichtsdestotrotz nehme ich eine Menge aus den zwei Wochen Blockpraktikum in der Thoraxchirurgie mit. Zum Beispiel den Respekt für die Disziplin der Chirurgen, denn unter zehn Stunden täglich war in meiner Zeit keiner von ihnen im Krankenhaus. Ein Arbeitstag von elf bis vierzehn Stunden ist nichts Außergewöhnliches. Handwerkliche Fertigkeiten wurden mir auch beigebracht, vor allem das Nähen. Was ich etwas schade finde, ist, dass man, wenn man nur operiert, recht wenig Patientenkontakt hat. Man kommt in den Saal, wenn der Patient schon schläft und verlässt den Saal, wenn er noch narkotisiert ist. Gut, in den Folgetagen hat man viel Gelegenheit, den Patienten bei Visiten, Nahtkontrolle und so weiter zu besuchen, aber letztlich überprüft man immer nur sein eigenes Werk, die weitere Therapieplanung liegt in anderer Hand.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  07.10.2016
Autor: Johannes
Rubrik: studium
07.10.2016

Medizin studieren

Mangelnder Anspruch

Ein Blick in die Vergangenheit: Vor etwas mehr als zwei Jahren ging ich noch zur Schule, machte gerade Abitur und kannte es zwölf Jahre lang nicht anders, als mit aller Kraft auf Klausuren, Tests und Arbeiten zu lernen, weil es mir wichtig war, auch gute Ergebnisse zu erzielen. Im ersten Semester habe ich bereits erfahren müssen, dass ich diese guten Ergebnisse im Studium nicht mehr erzielen kann. Es war wirklich schwer, inmitten all dieser klugen Köpfe herauszustechen und ebenso gute Klausuren zu schreiben. Auch war die Menge an Stoff, die es zu lernen galt, immens gewachsen. Es griff meinen Ehrgeiz und meinen Stolz an, dass die sehr guten Noten ausblieben.
Mittlerweile bleibt selbst dieses Gefühl aus. Ich bin nicht mehr nur nicht gut, sondern lege es nicht einmal mehr darauf an, gut zu sein. Ich habe mich schlichtweg damit abgefunden, nicht zu den Besten zu gehören. Das gilt auch für Biochemie. Nachdem ich mich anfangs mit langer, anspruchsvoller Literatur gequält habe, wählte ich eine Woche vor der Klausur doch den leichteren Weg: Ich griff zu Zusammenfassungen, arbeitete Altklausuren nach und wiederholte den Stoff in angenehmem Maße, ohne die Vorlesungsfolien durchgehen zu müssen.
Selbstverständlich rächte sich dieses Verhalten schon, als ich in der Klausur die ersten Fragen sah. Es wurde nach Inhalten gefragt, von denen ich nie gehört hatte, sodass ich manchmal nur raten konnte. Doch es reichte knapp. Mit 33 richtigen Antworten bei 50 Fragen hatte ich bestanden. 66 Prozent entsprechen zwar einer schlechten drei, aber immerhin. Wieder beschleicht mich dieser Gedanke: Mit einer drei hast du dich damals nie zufrieden gegeben. Nein, aber ich habe erkannt, dass man kein schlechterer Mensch ist wegen vermeintlich schlechteren Ergebnissen.

Autor: Thilo  |  Rubrik: studium  |  05.10.2016