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Auszeit vom Studium

Danjabat

Drei Monate arbeiteten wir für den Leprahilfeverein Shanti in Kathmandu – und kamen an unsere Grenzen. Oft mühten wir uns ewig mit einer Sache ab, nur um herauszufinden, dass es auch einfachere Wege gibt oder etwas schon erledigt wurde. Uns hat dieser Aufenthalt gezeigt, wie wichtig Kommunikation ist – und was passiert, wenn es keine gibt oder sie durch kulturelle und sprachliche Barrieren erschwert wird. Oft bekamen wir für unsere Mühen keinerlei Anerkennung und überlegten manches Mal, ob wir aufgeben sollten.
Doch dann haben wir uns aufgerafft, denn wir haben gemerkt, was wir schon mit Kleinigkeiten bewirken können. Wie schön war es, die Freude der Menschen zu sehen, als wir das Jubiläum für sie vorbereiteten und der Außenwelt ihre tollen Arbeiten präsentierten. Oder als wir mit den Kindern einen Ausflug in den Zoo machten, was einen riesigen logistischen Aufwand darstellte. Oder als der Fahrstuhl endlich wieder funktionierte, nachdem wir uns tagelang im Keller damit herumgeschlagen hatten. Selbst kleine Gesten halfen: jedes Lächeln zeigte den aus ihrer Gesellschaft verstoßenen Menschen, dass wir sie respektieren und mögen. In diesen Situationen wussten wir, dass das, was wir hier machen, wichtig ist. Zuletzt zeigten die Tränen, die bei unserem Abschied flossen, dass wir Teil des Lebens dieser Menschen geworden waren.
Ein Freiwilligendienst in einem Entwicklungsland ist hart, ohne Zweifel. Wir sind an den Herausforderungen gewachsen und durften viel über uns selbst und unsere Stärken und Schwächen lernen. Nun fliegen wir weg – um unzählig viele Erfahrungen reicher.
Danjabat ist ein nepalesisches Wort, das die Nepali benutzen, wenn ihnen jemand das Leben gerettet hat. Danjabat, dass dieser Mut aus mir herausgekitzelt wurde.

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  26.02.2018

Auszeit vom Studium

Und, was bleibt?

Es ist soweit: Julia und ich stehen am Flughafen Kathmandu und warten auf unseren Flug nach Bangkok. Zuvor hatten wir uns von allen Volontären, den Bewohnern von Shanti und unseren neu gewonnenen Freunden verabschiedet. Uns gehen unzählige Fragen durch den Kopf. Wir brechen mit gemischten Gefühlen auf – nicht sicher, ob wir eher glücklich oder traurig sind, ob unsere Erwartungen an diese Zeit erfüllt worden sind.
Eines steht fest: Die Zeit bei Shanti war eine der zermürbendsten, bereicherndsten, aufregendsten und zugleich erschütterndsten meines bisherigen Lebens. Diese knapp drei Monate haben uns an unsere Grenzen gebracht. Wir wurden jeden Tag aufs Neue herausgefordert, haben uns mit einer Kultur auseinandergesetzt, die von Grund auf verschieden zu der unsrigen ist. Ebenfalls nahmen wir stets eine Stunde Fußweg zwischen Müll, hupenden Autos, rauchenden Lastkraftwagen, bellenden Hunden, grasenden Kühen, brennenden Leichen und wehendem Staub auf uns, um zum Center zu kommen und unsere Projekte voranzutreiben.
Wir haben in dieser Zeit gelernt, was es heißt Verantwortung für Niederlagen und Erfolge gleichermaßen zu übernehmen und bei allen Aufgaben zu hinterfragen, ob sie tatsächlich mit Spenden finanziert werden sollten. Es war ein täglicher Kampf mit uns selbst. An vielen Abenden haben wir mit den anderen auf unserer Dachterrasse gesessen, über Kathmandus Häuser geschaut und uns gefragt, was wir hier eigentlich machen.

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  20.02.2018
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
20.02.2018

Auszeit vom Studium

Die Menschen geben den Inhalt – Teil 2

Kumars Geschichte wurde bei Shanti wohl am häufigsten erzählt. Wenn ich den Ring an meiner linken Hand anschaue, muss ich an diesen herzensguten, geduldigen Silberschmied denken. Fünf Jahre lang hat er bei einem Meister bei Shanti die Kunst des Schmiedens gelernt. Ich schätze Kumar auf Anfang 40. Er hat mittlerweile eine Frau gefunden, woran er lange Zeit nicht geglaubt hatte. Er ist ein gutaussehender Mann, humorvoll und klug, nur seine Beine funktionieren nicht. Treppen steigt er auf den Händen, an die er sich Flip-Flops zieht, ansonsten ist er im Rollstuhl unterwegs. Er ist vor allem für seinen starken Oberkörper bekannt, in dem mehr Kraft steckt als bei anderen in den Beinen. Soweit ich weiß, hat Kumar seine Familie verloren und kam als junger Mann ohne Perspektive zu Shanti. Seine Geschichte wird deshalb so oft erzählt, weil sie zeigt, was die Menschen mit Shantis Hilfe in ihrem Leben erreichen können.

Ein weiteres bewegendes Schicksal hat Rajib, ein vierjähriger Junge, durchlebt. Sein Vater ist Alkoholiker und schickte den Jungen oft los, um Nachschub zu besorgen. Rajib belastete der Zustand seines Vaters so sehr, dass er anfing, selbst vom Reisschnaps zu trinken. Glücklicherweise entdeckte Marianne Grosspietsch von Shanti das Kind und war spitzfindig genug, die Hintergründe sofort zu erkennen. Rajib wurde seiner Familie weggenommen, um ihm ein kindgerechtes Aufwachsen zu ermöglichen.

Es ließen sich viele weitere Geschichten der Menschen bei Shanti erzählen. Dabei fällt auf, dass es oft die Kleinsten sind, die in ihrer Hilflosigkeit und Abhängigkeit Opfer von Missbrauch wurden. Viele Frauen, insbesondere jene mit Behinderungen, wurden in ihrer Kindheit und Jugend Opfer sexueller Gewalt und leiden noch heute unter den Traumata.
Es geht mir sehr nahe, was wir tagtäglich um uns herum erlebt und gesehen haben. Aber wir sind nicht die Leidtragenden. Wir können aber dazu beitragen, das Leben dieser Menschen zu verbessern.

Autor: Thilo  |  Rubrik: orientieren  |  15.02.2018
Autor: Thilo
Rubrik: orientieren
15.02.2018