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„Wer andere therapieren will, muss selbst auf die Couch“

Junge Frau unterhält sich mit einer Patientin während einer Therapiesitzung.
Menschen dabei zu helfen, Ängste oder andere psychische Probleme zu überwinden, kann eine sehr erfüllende Aufgabe sein.
Foto: Julien Fertl

Psychotherapeut

„Wer andere therapieren will, muss selbst auf die Couch“

Depressionen, Angstzustände oder Zwangshandlungen: Dr. Dominik Meißner behandelt in seiner Praxis in München Menschen, die unter psychischen Störungen leiden. Seine Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten war langwierig – doch der 33-Jährige ist froh, diesen Schritt gewagt zu haben.

Mit zwei Kollegen teilt sich Dominik Meißner seine Praxis in der bayerischen Landeshauptstadt, wo er 20 Stunden in der Woche Erwachsene therapiert. Zudem arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Neuropsychologischen Abteilung am Klinikum der Ludwig-Maximilian-Universität München (LMU). Seine Praxis jedoch, macht ihm die meiste Freude: „Es ist schön, wenn sich ein Patient nach der Therapie wieder ohne Unterstützung dem Leben stellen kann“, beschreibt der 33-Jährige, der sich auf Tiefenpsychologie und Psychoanalyse spezialisiert hat.

Viele, die zu ihm kommen, leiden unter Schlafstörungen, fühlen sich niedergeschlagen und können sich nur schwer aufraffen, jeden Morgen zur Arbeit zu gehen. Im Gespräch mit ihnen klärt der Psychotherapeut, welcher Grundkonflikt sie beschäftigt: „Dahinter steckt die Idee, dass das, woran der Patient leidet, in irgendeiner Form eine Wiederholung einer frühen Erfahrung ist, die nun an die Oberfläche kommt und ihm das Leben schwermacht.“ Eine solche Therapie erfordert vor allem Zeit und kann durchaus mehrere Jahre dauern.

Sich in den Patienten hineindenken

Ein Porträt-Foto von Dominik Meißner

Dominik Meißner

Foto: privat

Bis Dominik Meißner eigene Patienten therapieren durfte, war es ein langer Weg: Nach seinem zehnsemestrigen Psychologiestudium in Konstanz und Zürich hat er in Teilzeit eine fünfjährige Weiterbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten absolviert. (Mehr zur Weiterbildung erfährst du in „Menschen mit psychischen Problemen helfen“). An sein Studium denkt er gerne zurück, betont aber: „Gerade am Anfang braucht man etwas Zeit, bis man sich die Denkweise des Faches angeeignet hat. Außerdem muss man sehr viel Fachliteratur lesen, zum Beispiel die Thesen von Sigmund Freud.“

Für Dominik Meißner stand schon früh fest, dass er im Anschluss an sein Studium die Weiterbildung zum Psychotherapeuten machen möchte. Seine Ausbildung an der Akademie für Psychoanalyse und Psychotherapie München e.V. bestand aus Seminaren, einem Praktikum in einer Psychiatrie und einer Selbsterfahrung. Durch Letztere erlebte er in der Rolle des Patienten selbst therapeutische Methoden und Wirkungen. „Dadurch bekommt man einen Eindruck davon, wie es ist, in einer Zweiersituation über sich zu sprechen“, erklärt der 33-Jährige. Knapp 600 Stunden waren es, die er im Rahmen der Selbsterfahrung bei einem Analytiker selbst „auf der Couch“ verbrachte.

Hoher Kosten- und Zeitaufwand

20.000 Euro hat der Psychotherapeut in etwa für seine Weiterbildung gezahlt. Die größte Herausforderung auf seinem Weg zur eigenen Praxis: „Ganz klar die zeitliche Belastung! Ich hatte eine halbe Stelle an der LMU, absolvierte die Weiterbildung, hatte schon eigene Patienten und musste noch meine Fallberichte schreiben. Das ist schon eine ganze Menge, was man unter einen Hut bringen muss.“

Doch die Mühe hat sich aus seiner Sicht gelohnt und Dominik Meißner schmiedet bereits weitere Pläne für die Zukunft: „Demnächst möchte ich meine Stelle in der Klinik aufgeben und mich ganz meiner Praxis widmen. Mittelfristig plane ich, eine Gruppentherapie-Ausbildung zu absolvieren. Und langfristig würde ich gerne noch Supervisor und Lehranalytiker werden.“ Als Supervisor kann er dann selbst Psychotherapeuten während ihrer Ausbildung anleiten und als Lehranalytiker die Analyse bei ihrer Selbsterfahrung durchführen.

abi>> 07.09.2018