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Zwischen den Kulturen

Historische Sake-Fässer mit japanischen Schriftzeichen
In Japan fühlt sich Marie Andrejkovits aktuell pudelwohl.
Foto: Meramo Studios

Arbeiten in Japan

Zwischen den Kulturen

Marie Andrejkovits (27) arbeitet seit einem Jahr im Rathaus im japanischen Tottori. Sie nimmt am Austausch- und Unterrichtsprogramm JET der japanischen Botschaft teil. Als Assistentin für die Koordination internationaler Beziehungen vertritt sie Deutschland und bringt ein Stück deutsche Kultur ins Land der aufgehenden Sonne.

Bei Marie Andrejkovits ist kein Arbeitstag wie der andere: Sie übersetzt Tourismus-Unterlagen vom Japanischen ins Deutsche, dolmetscht für den Botschafter von Papua-Neuguinea, hält Frikadellen-Kochkurse, gibt deutschen Sprachunterricht und betreut die Städtepartnerschaft zwischen dem japanischen Tottori und dem hessischen Hanau. Die 27-Jährige arbeitet seit Ende Juli 2016 als sogenannte CIR – Assistentin für die Koordination internationaler Beziehungen im Rathaus der japanischen Großstadt im Süden der Hauptinsel Honshu. Die Stelle ist Teil des JET-Programms (Japan Exchange and Teaching Programme) der japanischen Botschaft. Das Austausch- und Unterrichtsprogramm will das gegenseitige Verständnis zwischen Japan und anderen Ländern fördern. Dafür wird jungen Hochschulabsolventen die Möglichkeit geboten, als CIR für einige Jahre in regionalen Regierungsbehörden oder als Assistenz-Deutschlehrer (ALT) oder Sportberater (SEA) an staatlichen oder privaten Schulen zu arbeiten. Aktuell gibt es 19 Stellen für deutsche CIR in japanischen Rathäusern.

Marie Andrejkovits

Marie Andrejkovits

Foto: privat

Für Marie Andrejkovits war nach einem Auslandsjahr an der Hokkaido-Universität klar, dass sie nach ihrem Japanologie-Studium einige Zeit in Japan leben möchte. Die Arbeit im Kulturbereich sowie die Vielseitigkeit des Jobs als CIR reizten sie. Bis sie dann aber tatsächlich eine der begehrten Stellen ergattern und ins Flugzeug steigen konnte, brauchte sie einen langen Atem: „Das erste Mal bewarb ich mich 2013, direkt nach meinem Studium. Ich wurde jedoch nicht angenommen und arbeitete daraufhin bei einem japanischen Automobilunternehmen in Stuttgart“, erinnert sie sich. Im Jahr darauf bewarb sie sich abermals und bekam wieder eine Absage. „Nach einem Praktikum beim Deutsch-Japanischen Wirtschaftskreis und einer Trainee-Zeit bei einem japanischen Lebensmittel-Unternehmen in Düsseldorf bewarb ich mich nochmals und wurde dieses Mal angenommen. Im Endeffekt habe ich also drei Jahre um diesen Arbeitsplatz gekämpft.“

Ein Sprung ins kalte Wasser

Ihr Start im Rathaus von Tottori fühlte sich ein bisschen so an, als werde sie ins kalte Wasser geworfen. „Alle CIR-Arbeitsstellen sind unterschiedlich. Es gibt zwar Vorbereitungsschulungen, aber dort kann man nur sehr allgemein auf das Arbeiten in Japan vorbereitet werden.“ Am meisten half ihr der Kontakt zu ihrem Vorgänger, der ihr bereits vor ihrer Anreise viel über die Arbeit direkt, die Kollegen und das Umfeld in Tottori erzählen konnte.
Einen typischen Arbeitstag hat Marie Andrejkovits nicht. „Im Endeffekt bin ich Mädchen für alles“, erklärt sie. „Als einzige im Rathaus, die Deutsch und Englisch spricht, werde ich für alles herangezogen, was diese Sprachen oder den westlichen Kulturkreis betrifft.“ Und das können eben neben Schulbesuchen, Dolmetscher- und Übersetzertätigkeiten auch Veranstaltungen wie Ostereiermalen oder Adventskranz-Basteln sein. Einmal monatlich unterstützt die CIR die Lernenden einer Deutsch-Konversationsgruppe an der Hochschule. „Arbeit am Wochenende ist ebenfalls keine Seltenheit – dafür kann man sich aber unter der Woche frei nehmen.“

Als CIR hat man mindestens zehn Tage bezahlten Urlaub – je nach Arbeitgeber auch mehr. Marie Andrejkovits hat sogar 20. „Man kann auch mal zwei Wochen am Stück freinehmen, da berücksichtigt wird, dass man vielleicht mal die Heimat besuchen möchte“, sagt sie. Sie verbringt ihre Freizeit aber lieber in Tottori, geht mit ihren japanischen Freunden auf Konzerte oder Veranstaltungen und engagiert sich in Vereinen. Außerdem hat sie ein neues Hobby für sich entdeckt: japanische Trommel spielen in einer lokalen Taiko-Gruppe.

An ihrem Arbeitsplatz und in Tottori fühlt sie sich im Moment „pudelwohl“. Ihr Arbeitsvertrag kann theoretisch vier Mal für jeweils ein Jahr verlängert werden, so dass sie höchstens fünf Jahre als CIR in Tottori arbeiten kann. „Ich habe mir kein Zeitlimit gesetzt und möchte hier bleiben, solange ich zufrieden bin und mein Vertrag verlängert wird.“

abi>> 13.09.2017