Nix für Papiertiger!

Ein Stapel Papier. Foto: Meramo Studios
Blatt für Blatt: Knapp 40.000 Beschäftigte kümmern sich in der deutschen Papierindustrie unter anderem um die Produktion von Schreibmaterialien.
Foto: Meramo Studios

Papierindustrie – Hintergrund

Nix für Papiertiger!

Ob als Verpackung für den Versand, bedruckt mit Text und Bild oder für den Einsatz auf der Toilette – Papier begegnet uns täglich in unterschiedlichen Formen. Dahinter steht eine vielfältige Branche mit interessanten beruflichen Möglichkeiten.

Die seidig schimmernden Seiten eines Romans oder die Hochglanzseiten einer Illustrierten umzublättern, macht für viele Menschen einen großen Teil ihres Lesegenusses aus. An riesigen Maschinen, mit denen Premiumpapier für solche und andere Zwecke hergestellt oder veredelt wird, ist Imad Louchiri im Einsatz. Bei der Kabel Premium Pulp & Paper GmbH in Hagen ist der 23-Jährige für die Instandhaltung der Anlagen zuständig. „Das bedeutet, durch Wartungsarbeiten dafür zu sorgen, dass die Maschinen intakt bleiben, genauso aber auch auftretende Fehler oder Störungen schnellstmöglich zu beheben“, erklärt der Industriemechaniker.

Wo versteckt sich der Fehler?

Ein Porträt-Foto von Imad Louchiri

Imad Louchiri

Foto: Kabel Premium Pulp & Paper GmbH

Sobald bei einer der Maschinen eine Warnleuchte aufleuchtet oder sich Fehler durch Schwankungen im Betriebsablauf bemerkbar machen, wird eine Meldekette in Gang gesetzt. Der zuständige Maschinenbauingenieur informiert die hauseigene Werkstatt. Dort entscheidet der Industriemechanikermeister, welche seiner Mitarbeiter er losschickt. „Wir werden je nach Aufgabengebiet eingeteilt und führen die Instandsetzungsarbeiten meist in Zweier- oder Dreierteams durch“, erklärt Imad Louchiri. Mit großer Geduld macht er sich zusammen mit den Kollegen auf die Fehlersuche, dabei helfen ihm Schaltpläne der Maschinen. „Manchmal dauert es eine Weile, bis man an so einer großen Maschine das Problem gelöst hat. Wir sprechen uns auch immer untereinander ab, denn jeder im Team hat seine eigenen Stärken oder besondere Berufserfahrungen.“ Wenn der Fehler gefunden wurde, wird er behoben – etwa indem eine defekte Pumpe oder ein Ventil ausgetauscht wird.

Bereits während seiner Ausbildung zum Industriemechaniker hatte sich Imad Louchiri für die Fachrichtung Instandhaltung entschieden. Nach dem Abschluss wurde er von seinem Betrieb übernommen. Inzwischen steuert er sein nächstes Ziel an: „Ich habe ein berufsbegleitendes Maschinenbaustudium im Verbund an der Fachhochschule Südwestfalen begonnen. Wenn ich damit fertig bin, wird sich mein Aufgabenbereich noch erweitern. Darauf freue ich mich schon.“

Nummer Eins in Europa

Ein Porträt-Foto von Gregor Andreas Geiger

Gregor Andreas Geiger

Foto: privat

Insgesamt bietet die Papierbranche derzeit gute berufliche Chancen. „Die deutsche Papierindustrie entwickelt sich mit kontinuierlich leichtem Wachstum“, sagt Gregor Andreas Geiger, Bereichsleiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Verband Deutscher Papierfabriken (VDP) e. V. „Sie ist die Nummer Eins in Europa und steht weltweit hinter China, den USA und Japan auf Platz 4. Neben oft seit mehreren Generationen inhabergeführten Unternehmen finden sich hier zahlreiche Töchter internationaler Papierkonzerne.“ Der Verbandssprecher nennt konkrete Zahlen, die diese Entwicklung widerspiegeln: „Die deutsche Papierindustrie hat 2016 an rund 160 Standorten mit knapp 40.000 Beschäftigten 21,6 Millionen Tonnen Papier, Karton und Pappe produziert. Der Umsatz betrug dabei 14,9 Milliarden Euro. Und: Die Papierindustrie ist eine der am intensivsten recycelnden Branchen. Die Altpapiereinsatzquote beträgt 74 Prozent.“

Die in der Papierindustrie hergestellten Produkte lassen sich in vier Hauptsortengruppen untergliedern: Papier, Karton und Pappe für Verpackungszwecke, grafische Papiere, Hygienepapiere sowie Papier und Pappe für technische und spezielle Verwendungszwecke. Bei den Transportverpackungen macht sich derzeit der rege Online-Versandhandel positiv bemerkbar.

Überschaubare Nachfrage nach Arbeitskräften

Und wie sieht es mit den Beschäftigungschancen in der Branche aus? „In der Papierherstellung waren Mitte 2016 insgesamt 42.300 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt“, sagt Ilona Mirtschin von der Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit. „Während die Zahl der Beschäftigten in Deutschland insgesamt zunimmt, verzeichnet die Papierherstellung einen Rückgang: Gegenüber 2016 nahm die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Branche um 1.400 oder drei Prozent ab. Zum Vergleich: Bei den Beschäftigten aller Branchen waren es plus zwei Prozent.“

Der Rückgang in der Papierindustrie betraf nach ihrer Auskunft Beschäftigte aller Anforderungsniveaus, vom Helfer bis zum Experten. „Da die Branche klein und die Beschäftigung rückläufig ist, ist auch die Nachfrage nach Arbeitskräften relativ überschaubar“, ergänzt Ilona Mirtschin. „Im Zeitraum November 2016 bis Oktober 2017 gab es pro Monat durchschnittlich knapp 200 Stellenangebote aus der Papierindustrie. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum waren das plus 50 beziehungsweise plus 24 Prozent. Gesucht wurden überwiegend Fachkräfte mit Maschinenbau- und Betriebstechnik-Berufen – hierzu zählt auch der Industriemechaniker mit knapp 50 Stellenangeboten.“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort z. B. Papier).
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Suchwort z. B. Papier).
www.studienwahl.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

http://jobboerse.arbeitsagentur.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Ausbildungen suchen.
kursnet-finden.arbeitsagentur.de

Verband Deutscher Papierfabriken e. V.

www.vdp-online.de

Hauptverband Papier- und Kunststoffverarbeitung (HPV) e. V.

www.hpv-ev.org

 

Ingenieur für Papiertechnik

Projektleitung bei der Papierherstellung

Wenn alles reibungslos läuft, ist Eike Ulonska zufrieden: Der 36-Jährige arbeitet als Ingenieur für Papiertechnik in der Produktion bei der Drewsen Spezialpapiere GmbH & Co. KG im niedersächsischen Lachendorf.

Scheckpapiere mit Wasserzeichen, Verpackungspapiere für Lebensmittel oder technische Papiere wie Haftetiketten – in Lachendorf bei Celle rattern die Maschinen für besondere Papierprodukte. Bei der Drewsen Spezialpapiere GmbH & Co. KG werden mehr als 300 verschiedene Papiersorten hergestellt. Dafür, dass dabei alles rundläuft, ist unter anderem Eike Ulonska zuständig. In der Abteilung Technologie trägt er zur Optimierung der Prozesse bei und leitet dabei verschiedene Projekte.

Prozesse analysieren und optimieren

Ein Porträt-Foto von Eike Ulonska

Eike Ulonska

Foto: privat

„Ziel bei der Papierherstellung ist es, die Produktion effektiv und effizient zu gestalten. Die Reduktion von Kosten ist dabei auch immer ein wichtiges Thema. Deshalb werden die Prozesse laufend kontrolliert und analysiert. So entstehen Investitions- und Verbesserungsprojekte“, beschreibt der 36-Jährige.

Seine Aufgaben erledigt er zum größten Teil am Schreibtisch oder am PC. Dabei nutzt er firmeninterne Auswertungsprogramme. „Oft bin ich aber auch bei den Maschinen unterwegs, um mir die Arbeitsabläufe direkt vor Ort anzusehen, mit den Kollegen vor Ort zu sprechen oder mit externen Firmen Aufgabenstellungen zu diskutieren“, schildert er.

Auf eine funktionierende Teamarbeit kommt es dabei besonders an. „In den Projekten arbeite ich immer mit unterschiedlichen Kollegen zusammen“, erklärt Eike Ulonska. „Teils also mit anderen Ingenieuren und Produktionsleitern, genauso aber auch beispielsweise mit Elektronikern oder Industriemechanikern und Metallbauern.“ Weil er selbst die Projekte leitet, ist es seine Aufgabe, darauf zu achten, dass die Ziele erreicht und Zeitpläne eingehalten werden. Er lädt die eingebundenen Kollegen zu Projektbesprechungen ein, informiert über die Ziele, die erreicht werden sollen, und führt sogenannte ROI-Berechnungen durch. Die Abkürzung steht für „Return on Investment“ und meint die prozentuale Relation zwischen Investition und Gewinn. „Man muss gut organisiert und teamfähig sein, und es wird erwartet, dass die unternehmensinternen Vorgaben zum Projektmanagement eingehalten werden. Schlussendlich müssen die Ergebnisse aller Projekte vor der Geschäftsführung präsentiert werden“, bringt er wesentliche Anforderungen auf den Punkt.

Vom Papiermacher zum Ingenieur

In der Papierfabrik laufen die Maschinen rund um die Uhr. „In Zukunft wird auch Bereitschaftsdienst zu meinen Aufgaben gehören“, sagt Eike Ulonska. „Denn es muss immer ein Verantwortlicher abrufbereit sein, falls es abends, nachts oder am Wochenende mal ein Problem an einer Maschine gibt.“ Schichtarbeit hingegen ist für ihn in seinem heutigen Aufgabenbereich kein Thema mehr. „Das war früher einmal anders, als ich noch Papiermacher war und somit immer direkt an den Maschinen gearbeitet habe.“ Bereits diesen Ausbildungsberuf – er heißt heute Papiertechnologe/-in – erlernte der Ingenieur bei seinem heutigen Arbeitgeber. „Weil ich die Papierherstellung so interessant fand und meine Aufgaben und Aufstiegschancen erweitern wollte, habe ich mich dann entschieden, noch die fachgebundene Hochschulreife nachzuholen und in diesem Bereich zu studieren.“

An der Hochschule für angewandte Wissenschaften München absolvierte Eike Ulonska den Studiengang „Papier- und Verpackungstechnik“, den er damals als Diplom Ingenieur (FH) abschloss. Inzwischen handelt es sich dabei um einen Bachelor- und Masterstudiengang. Nach dem damaligen Grundstudium der Verfahrenstechnik wählte Eike Ulonska den Schwerpunkt Papiertechnik im Hauptstudium. Anschließend sammelte er Auslandserfahrung bei anderen Papierfabriken in der Schweiz und in England. „Als ich dann das Angebot bekam, wieder zurück zu Drewsen zu kommen, habe ich sofort zugesagt“, berichtet der Ingenieur. „Zukünftig könnte ich mir gut vorstellen, hier noch mehr Verantwortung zu übernehmen.“

 

Betriebswirtin

Alle Produkte im Blick

Mit ihrem kaufmännischen Know-how trägt Julia Berberich zur Entwicklung und Vermarktung von Hygienepapieren bei. Die 30-Jährige arbeitet als Account-& Produktmanagerin bei der Fripa Papierfabrik Albert Friedrich KG im unterfränkischen Miltenberg.

Im Hauptwerk des Unternehmens werden verschiedene Hygienepapiere hergestellt „Zu meinem Aufgabenbereich gehört die direkte Kundenbetreuung“, erklärt Julia Berberich. „Ich stehe in regelmäßigem Kontakt mit meinen Ansprechpartnern aus dem Fachhandel und betreue beziehungsweise berate sie zum Beispiel bei der Auswahl neuer Produkte für Kataloge oder Online-Shops. Dies geschieht bevorzugt in persönlichen Gesprächen bei Besuchsterminen vor Ort. Darüber hinaus bin ich Ansprechpartnerin bei Fragen zu Preisen oder Lieferkonditionen, die sowohl telefonisch als auch per E-Mail an mich herangetragen werden.“

Zartes Toilettenpapier, saugstarke Küchentücher

Ein Porträt-Foto von Julia Berberich

Julia Berberich

Foto: privat

Außerdem ist die Betriebswirtin für die Begleitung und Koordination neuer Produkte beziehungsweise für Produktmodifikationen zuständig – vom Kundenwunsch bis zur Auslieferung. Auch das sogenannte „Fade-out“ der Produkte zählt zu ihrem Aufgabengebiet. Darunter versteht man das Ende des Produktlebenszyklus, wenn Produkte vom Markt genommen werden und ihre Produktion eingestellt wird. „Hier agiere ich unter anderem als interne Ansprechpartnerin für verschiedene Abteilungen wie den Einkauf und die Papierverarbeitung, um Entwicklungs- und Umsetzungsprozesse zu koordinieren und voranzubringen. Als Produktmanager ‚managt‘ man den Entstehungsprozess eines Produkts, kommuniziert mit den Beteiligten, ist für Dokumentation und Informationsfluss zuständig, kontrolliert das Einhalten von Zeitplänen, und vieles mehr.“

Die Produktanforderungen sind hoch: Toilettenpapier sollte zart sein, Papierhandtücher und Küchentücher saugstark. Diese Eigenschaften gilt es wiederum an die Kunden zu kommunizieren. „Ich stehe daher zum Beispiel auch in engem Kontakt mit Agenturen, die für die Gestaltung neuer Verpackungen zuständig sind und berate sie bei Fragen. Zu meinen Aufgaben gehören außerdem Marktbeobachtung und Marktrecherche sowie markenrechtliche Angelegenheiten“, schildert sie.

Die Basis für ihre kaufmännischen Aufgaben legte Julia Berberich mit dem Studium „International Business – Intercultural Management“, das sie an der dualen Hochschule Baden-Württemberg, Standort Bad Mergentheim, mit dem Titel Bachelor of Arts abschloss. Für die Papierindustrie entschied sie sich dann aus guten Gründen. „Nach ersten Berufserfahrungen war ich auf der Suche nach einem abwechslungsreichen, vielseitigen und kreativen Job.“ Während der Recherche nach Stellenausschreibungen im Bereich Produktmanagement stieß sie auf ihre heutige Stelle, die sofort ihr Interesse weckte. „Da mir die Papierfabrik Fripa als namhaftes Unternehmen meiner Heimatregion bekannt war, habe ich mich gleich beworben.“

Praxisnähe schon im Studium

Inzwischen ist Julia Berberich seit fast fünf Jahren in der Papierindustrie tätig. Die Anforderungen der Branche sind nach ihrer Einschätzung so vielfältig wie die Berufsbilder. „Es ist von Vorteil, wenn man wissbegierig, zielstrebig und zuverlässig ist. Selbstständiges sorgfältiges Arbeiten sowie Teamfähigkeit und großes Engagement runden ein starkes Bewerber-Profil ab. Zudem ist es hilfreich, wenn man ein grundsätzliches Verständnis für technische Zusammenhänge mitbringt.“ Ihr Studium hat sie auf diese Herausforderungen vorbereitet. „Durch ein duales Studium, in dem sich Theoriephasen an der Hochschule mit Praxisphasen im Ausbildungsunternehmen abwechseln, lernt man bereits sehr schnell, was es heißt, sich immer wieder in neue Aufgabenbereiche einzuarbeiten und gemeinsam mit Arbeitskollegen Projekte voranzutreiben. Außerdem eignet man sich in jedem Theoriesemester neue betriebswirtschaftliche und andere Themen an. So hat mich mein Studium ganz allgemein bereits gut auf den Arbeitsalltag in einem Wirtschaftsunternehmen vorbereitet, in meinem Fall die Papierindustrie.“

 

 

Papierindustrie – Interview

„Flache Hierarchien und gute Aufstiegsmöglichkeiten“

Inwieweit verändert sich die Papierbranche und welche beruflichen Chancen bietet sie? abi>> sprach mit Gregor Andreas Geiger, Bereichsleiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Verband Deutscher Papierfabriken e. V.

abi>> Welche Trends zeichnen sich derzeit in der Papierindustrie ab?

Gregor Andreas Geiger: Seit einigen Jahren verschieben sich die Gewichte zwischen den Hauptsortengruppen. Während die grafischen Papiere – bedingt durch den Zuwachs der Online-Medien – schrumpfen, wächst der Verpackungsmarkt deutlich. Dabei spielt der erhöhte Bedarf durch den E-Commerce eine wichtige Rolle. Hygiene- und Spezialpapiere verzeichnen ein eher gleichmäßiges Wachstum.

abi>> Wo steht die Branche vor besonderen Herausforderungen?

Ein Porträt-Foto von Gregor Andreas Geiger

Gregor Andreas Geiger

Foto: privat

Gregor Andreas Geiger: Die große Herausforderung für die Unternehmen besteht darin, der Entwicklung der Märkte zu folgen und ein High-Tech-Produkt herzustellen, das den stetig wachsenden Anforderungen nachkommt.

abi>> Wie könnte sich diese Entwicklung auswirken?

Gregor Andreas Geiger: Es bedeutet im Einzelfall unter anderem, dass die Produktion auf andere Papiersorten umgestellt werden muss. Dann müssen bestehende Anlagen umgebaut oder es muss in neue investiert werden. Da jede Papiermaschine maßgeschneidert ist, sind Ingenieure und Kaufleute gleichermaßen gefordert. Gerade für Ingenieure ist die Neukonstellation einer Papiermaschine eine große Herausforderung. Tausende von Parametern müssen beachtet werden, damit am Ende das Produkt herauskommt, mit dem sich das Unternehmen am Markt platzieren möchte. Werden Altpapier oder Frischfasern eingesetzt? Welche Grammatur soll das Papier haben? Die Überlegungen beginnen bei der Rohstoffzuführung und gehen bis zur Konfektionierung oder gegebenenfalls Veredelung des Produkts. Eine spannende Aufgabe.

abi>> Eine Herausforderung ist sicherlich auch die Zunahme der Onlinemedien?

Gregor Andreas Geiger: Die Digitalisierung hat zwei sehr unterschiedliche Effekte auf die Papierindustrie. Zum einen verändern sich die Mediennutzung und das Leseverhalten, was sich negativ auf die Printmedien auswirkt. Auf der anderen Seite benötigt der boomende E-Commerce eine Vielzahl von Verpackungen aus Papier und Karton. Diese Nachfrage muss bedient werden.

abi>> Digitalisierung bedeutet aber auch, dass sich Arbeitsprozesse verändert haben. Wie sieht es damit in der Papierbranche aus?

Gregor Andreas Geiger: Die Papierfabrikation ist schon lange durchdigitalisiert. Eine moderne Papiermaschine hat mehr Regelkreise als ein Jumbo-Jet. Die müssen nonstop überwacht, Wartungsintervalle eingeplant und Störungen beseitigt werden. Papiermacher stehen heute nicht mehr an Bütten mit aufgelöstem Zellstoff sondern „fahren“ hochkomplexe Anlagen von ihren Leitständen aus. Sie tragen dann Verantwortung für bis zu 120 Meter lange und Hunderte von Millionen Euro teure Anlagen.

abi>> Welche beruflichen Möglichkeiten bietet die Papierbranche für Abiturienten und Hochschulabsolventen?

Gregor Andreas Geiger: Neben Absolventen im kaufmännischen Bereich werden vor allem Techniker gesucht. Abiturienten mit mathematischem und technischem Interesse sind hochgehandelte Kandidaten bei der Ausbildung zum Papiertechnologen. Wer ein Ingenieurstudium anstrebt, hat nach dem Grundstudium der Verfahrenstechnik oder des Maschinenbaus die Möglichkeit, den Master als Papieringenieur abzuschließen. Es gibt auch gut organisierte duale Studiengänge.

abi>> Welche besonderen Chancen sehen Sie in der Branche?

Gregor Andreas Geiger: Die Branche ist geprägt durch flache Hierarchien und gute Aufstiegsmöglichkeiten. Während sich zum Beispiel in der Automobilindustrie junge Ingenieure lange mit einem kleinen Detail beschäftigen, übernehmen Ingenieure in der Papierindustrie sehr schnell Verantwortung für den gesamten Produktionsprozess. Durch die Vernetzung und oft internationale Struktur der Unternehmen bieten sich zudem interessante Fortbildungs- und Einsatzmöglichkeiten im Ausland.

 

Papierindustrie – Berufs- und Arbeitsfelder

Arbeiten mit Papier

Vom Betriebswirt bis zum Papiertechnologen – die Papierindustrie bietet vielfältige Berufsmöglichkeiten. abi>> stellt einige vor.

Studienberufe:

Betriebswirt/in (Hochschule)

Aufgaben: Überwachen, Planen und Organisieren der Geschäftsaktivitäten von privatwirtschaftlichen Unternehmen

Mögliche Arbeitgeber: Unternehmen verschiedener Größen, dabei verschiedene Bereiche wie Vertrieb, Marketing oder Personal

Ingenieur/in – Elektrotechnik

Aufgaben: Entwicklung und Konstruktion elektrotechnischer Produkte; leitende Funktionen in der Fertigung oder im Vertrieb

Mögliche Arbeitgeber: Betriebe des Maschinenbaus oder der Produktion; Hochschulen und Forschungsinstitute

Ingenieur/in – Verfahrenstechnik

Aufgaben: Entwicklung, Realisierung und Betrieb von Prozessen, in denen Papier aus Rohstoffen gefertigt wird; Planung, Bau und Optimierung von Apparaten und Anlagen, die diese Verfahren umsetzen
Mögliche Arbeitgeber: Betriebe der Papierindustrie

Ingenieur/in – Papiertechnik

Aufgaben: Leitung und Überwachung der Herstellung und Verarbeitung von Papier und ähnlichen Produkten; Qualitätssicherung; Kundenservice und -beratung sowie Vertrieb

Mögliche Arbeitgeber: Betriebe der Zellstoff- und Papierindustrie sowie der Papierverarbeitung, Unternehmen der Zulieferindustrie (Papiermaschinenbau, chemische Industrie), Betriebe des Papierrecyclings, Materialprüfstellen, Forschungsinstitute

Ausbildungsberufe:

Elektroniker/in – Betriebstechnik

Aufgaben: Installation, Wartung und Reparatur elektrischer Betriebs-, Produktions- und Verfahrensanlagen

Mögliche Arbeitgeber: Unternehmen, in denen Produktions- und Betriebsanlagen eingesetzt und instandgehalten werden

Industriekaufmann/-frau

Aufgaben: Kaufmännisch-betriebswirtschaftliche Aufgabenbereiche wie Materialwirtschaft, Vertrieb und Marketing, Personal- sowie Finanz- und Rechnungswesen
Mögliche Arbeitgeber: Unternehmen nahezu aller Wirtschaftsbereiche – also auch in der Papierindustrie

Industriemechaniker/in

Aufgaben: Herstellung, Einrichtung und Umbau von Geräteteilen und Baugruppen für Maschinen und Produktionsanlagen, Überwachung/Optimierung von Fertigungsprozessen, Reparatur- und Wartungsaufgaben

Mögliche Arbeitgeber: Unternehmen nahezu aller industriellen Wirtschaftsbereiche – also auch in der Papierindustrie

Mechatroniker/in

Aufgaben: Mechanische, elektrische und elektronische Komponenten bauen und zu komplexen Systemen montieren, Installation von Steuerungssoftware, Instandhaltung von Systemen

Mögliche Arbeitgeber: Maschinen- und Anlagenbau sowie Produktion – also auch in der Papierindustrie

Papiertechnologe/-technologin

Aufgaben: Bedienung und Überwachung von Maschinen oder Anlagen – bei der Herstellung von unterschiedlichen Papierarten, Karton, Pappe und Zellstoff; Instandhaltung von Maschinen und Prüfung der Qualität der Papierprodukte

Mögliche Arbeitgeber: Papier-, Karton- und Pappefabriken, Zellstofffabriken, Tapetenfabriken, Hersteller von Maschinen für die Papiererzeugung und -verarbeitung

 

Papierindustrie - Einstellungspraxis

Branchenumfrage

Folgende Firmen haben sich an unserer Branchenumfrage beteiligt und zu ihrer Einstellungspraxis Angaben gemacht:

Papierfabrik August Koehler SE

Kontakt

www.koehlerpaper.com

Mitarbeiter / davon mit Hochschulabschluss
Ca. 1.800 / k. A.

Einstellungsbedarf an Mitarbeitern / Hochschulabsolventen pro Jahr
Grundsätzlich ca. 20 Mitarbeiter, davon ein Drittel mit Hochschulabschluss; in 2018 aufgrund der Investition Koehlers zusätzlich 100 Mitarbeiter mehr (hauptsächlich gewerblich)

Geschäftsfelder mit dem größten Einstellungsbedarf
Aufgrund der Investitionen in 2018: größter Bedarf im gewerblichen Bereich, ansonsten über alle Bereiche hinweg ähnlich verteilt

Gesuchte Absolventen (Berufsausbildung, Studienfachrichtungen)

Hoher Bedarf insbesondere an gewerblich-technischen Auszubildenden und Absolventen von Ingenieursstudiengängen (Papiertechnik, Verfahrenstechnik, Chemieingenieurwesen)

Einstellungskriterien / geforderte Spezialkenntnisse 

Stellenbezogen, grundsätzlich ist technischer Hintergrund von Vorteil

Angebotene Ausbildungen für Abiturienten / Duale Studiengänge / andere Einstiegsmöglichkeiten für Abiturienten 

Duales Studium:
- Bachelor of Engineering – Papiertechnik
- Bachelor of Science – Wirtschaftsinformatik
- Integriertes Studium Papiertechnik & Papiertechnologie (Ausbildungs- und Studienabschluss in 4,5 Jahren)

Ausbildung:
- Elektroniker/in für Betriebstechnik
- Industriemechaniker/in
- Mechatroniker/in
- Papiertechnologe/-in
- Industriekaufmann/-frau
- Industriekaufmann/-frau mit Zusatzqualifikation „Internationales Wirtschaftsmanagement mit Fremdsprachen”

Abschlussarbeiten möglich?
Grundsätzlich in allen Bereichen möglich

>> nach oben

Kabel Premium Pulp & Paper GmbH

Kontakt

www.kabelpaper.de/karriere

lars.post@kabelpaper.de

Mitarbeiter / davon mit Hochschulabschluss 
570 / ca. 40

Einstellungsbedarf an Mitarbeitern / Hochschulabsolventen pro Jahr
Gezielter Bedarf / Ersatzbedarf

Geschäftsfelder mit dem größten Einstellungsbedarf
Produktion, Automatisierung

Gesuchte Absolventen (Berufsausbildung, Studienfachrichtungen)
Gezielter Bedarf / Ersatzbedarf

Einstellungskriterien / geforderte Spezialkenntnisse
Motivation, Lernbereitschaft, Engagement, Teamfähigkeit und offenes Auftreten, Kreativität für innovative Ideen, Flexibilität und Einsatzbereitschaft

Angebotene Ausbildungen für Abiturienten / Duale Studiengänge / andere Einstiegsmöglichkeiten für Abiturienten
- Industriekaufmann/-frau EU
- Fachinformatiker Fachrichtung Anwendungsentwicklung
- Industriemechaniker mit Verbundstudium Maschinenbau
- Elektroniker mit Verbundstudium Elektrotechnik

Abschlussarbeiten möglich?
Ja, Bachelor- und Masterarbeiten

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Fripa Papierfabrik Albert Friedrich KG

Kontakt
www.fripa.de

personal@fripa.de

Mitarbeiter / davon mit Hochschulabschluss
400 / 26

Einstellungsbedarf an Mitarbeitern / Hochschulabsolventen pro Jahr
Zwischen drei und fünf Hochschulabsolventen pro Jahr

Geschäftsfelder mit dem größten Einstellungsbedarf
Allgemein: Ingenieure aus den Bereichen Elektrotechnik, Maschinenbau und Papiertechnik

Gesuchte Absolventen (Berufsausbildung, Studienfachrichtungen)
Absolventen einer Hochschule / dualen Hochschule mit Bachelor- oder Masterabschluss

Einstellungskriterien / geforderte Spezialkenntnisse
k.A.

Angebotene Ausbildungen für Abiturienten / Duale Studiengänge / andere Einstiegsmöglichkeiten für Abiturienten

verkürzte Ausbildung, duales Studium

Abschlussarbeiten möglich?
Ja

>> nach oben

 

abi>> Animation

Baum, Brei … Papier!

Rund 250 Kilogramm Papier verbraucht jeder von uns pro Jahr. Das kostet nicht nur Geld, sondern auch wertvolle Ressourcen: Etwa jeder fünfte Baum wird für die Herstellung von Notizzettel, Taschentuch und Co. gefällt. Deutlich besser sieht die Ökobilanz bei Recyclingpapier aus. Aber wie wird Papier eigentlich hergestellt? Und wie unterscheiden sich die Prozesse bei „frischem“ und recycletem Papier?

 


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Stand: 19.04.2018