(Noch) keinen Plan?
Die Studienplatzzusage ist da — und nun? Es gibt vieles, was auf angehende Studierende zukommt: Organisatorisches genauso wie die Eingewöhnung in einen neuen Lebensabschnitt. Für alle Bereiche gilt: Wer strukturiert vorgeht, behält leichter den Überblick.
Wer bei Wohnungssuche, Stundenplan und Einschreibung strukturiert vorgeht, behält den Überblick.
Foto: WillmyCC
Der 20-jährige Philipp Freymann, Erstsemestler im Bachelorstudiengang Elektrotechnik an der Technischen Universität München, pendelt täglich von Augsburg nach München. So spart er sich zwar die teure Münchner Miete, dafür muss er sich aber anderen Unwägbarkeiten stellen. „Zu den jeweiligen Vorlesungen werden Tutorien angeboten. Nicht alle Termine stehen zu Semesterbeginn fest. Leider gibt es keine Plattform, auf der alle Termine bekanntgegeben werden. Hat man diese zusammengesucht und weiß, wann die Onlinebuchungen für die Tutorien freigeschaltet werden, sind die Plätze mit den besten Zeiten innerhalb weniger Minuten vergeben“, erzählt Philipp Freymann.
Als wertvoller Ansprechpartner für Fragen und Probleme beim Studienstart hat sich für den Elektrotechnikstudenten gleich in den ersten Tagen die Fachschaft erwiesen. „Die organisieren zum Beispiel Orientierungstage.“ Wo was auf dem Campus zu finden ist, hat er wiederum im dreiwöchigen Mathevorkurs mitbekommen: „Der Kurs ist zwar nicht verpflichtend, aber ich würde das jedem raten. Man weiß, welches Niveau auf einen zukommt und lernt zudem Leute kennen.“
Das Studium von Anfang an ernst nehmen
Durch eine gute Organisation vor Studienstart lässt sich viel Stress vermeiden. Wichtig ist es, die Fristen und Termine einzuhalten, sowohl was Bewerbung und Einschreibung angeht, als auch was den Beginn der Lehrveranstaltungen betrifft. Gerade in ingenieurwissenschaftlichen Fächern werden häufig mehrwöchige Vorpraktika verlangt: „Manche Studierende übersehen das und stehen dann bei der Einschreibung ohne einen Beleg da“, sagt Jessica Voß. Auch über die Zulassungsvoraussetzungen – wie mögliche Eignungstests –, über angebotene Einführungsveranstaltungen oder Vorkurse sollte man sich rechtzeitig informieren. Darum lohnt es sich, bereits vor dem Abitur einen Blick auf die Internetseite der jeweiligen Wunschhochschule zu werfen.
Nicht jedem fällt es leicht, den von Elternhaus und Schule vorstrukturierten Alltag gegen die Freiheiten des Studiums zu tauschen, weiß Judith Maier, Leiterin der Studentenverwaltung der Hochschule Landshut, die seit über zehn Jahren Studierende betreut. Die Studienberaterin empfiehlt darum jedem Anfänger, die freiwilligen Orientierungs- oder Einführungsveranstaltungen zu besuchen, die an den meisten Hochschulen kurz vor Studienbeginn angeboten werden. „Zum einen organisieren das die Fakultäten selbst“, erklärt sie. „Da lernen die Studierenden dann ihre Ansprechpartner kennen, etwa den Studienfachberater, erfahren das wichtigste zum Studienablauf, und wo sie was auf dem Campus beziehungsweise an der Fakultät finden.“ Daneben halten auch die Fachschaften Infoveranstaltungen ab. „Da geben dann Studenten Hilfestellungen aus erster Hand, beispielsweise bei der Stundenplangestaltung.“
Judith Maiers wichtigster Tipp: „Das Studium von Anfang an ernst nehmen. Gut ist es, sich möglichst schnell eine Lern- oder Arbeitsgruppe zu suchen. So lernt man nicht nur neue Leute kennen, sondern kann sich gegenseitig motivieren, wenn man mal keine Lust hat.“ Anders als in der Schule gibt es in vielen Veranstaltungen erst am Semesterende eine Prüfung. „Wenn man etwa Vorlesungen, in denen keine Anwesenheitspflicht herrscht, nicht besucht, läuft man schnell Gefahr, den Anschluss zu verpassen. Natürlich kann man eine Prüfung schieben, aber wer gleich im ersten Semester damit anfängt, schiebt irgendwann einen Berg vor sich her, der schwer zu bewältigen ist“, warnt die Studienberaterin. Für Fächer mit hohen Durchfallquoten bieten Hochschulen entsprechende Unterstützungsangebote wie etwa Tutorien an: „Die sollte man unbedingt nutzen.“
Wichtige Anlaufstellen
Die Zentrale Studienberatung ist erste Anlaufstelle bei Fragen rund ums Studium. Die Experten vor Ort beraten bei Unsicherheiten in der Studiengangswahl, zu Maßnahmen bei fehlenden Vorkenntnissen, bei Orientierungsschwierigkeiten zu Studienbeginn oder auch, wenn Zweifel am gewählten Fach aufkommen. Bei Prüfungsangst oder anderen psychischen Problemen stehen Experten des Psychologischen Dienstes zur Verfügung. Hilfestellung leistet auch die Fachschaft des jeweiligen Fachbereichs. Sie verfügt beispielsweise über Skripte, Altklausuren oder Prüfungs- und Praktikumsprotokolle.
Zu den studienbezogenen Belangen kommen jedoch noch wirtschaftliche und soziale Fragestellungen hinzu: Meist müssen Studienanfänger in eine neue Stadt umziehen und brauchen dort eine Unterkunft. Wer das einmal hinter sich hat, ist auch auf spätere berufsbedingte Umzüge besser vorbereitet. Außerdem muss die Studienfinanzierung geklärt werden. Da die meist straff durchorganisierten Studiengänge im Grunde wenig Spielraum für Nebenjobs lassen, sollte man bereits bei der Wahl des Studienortes die Lebenshaltungskosten im Blick haben. Während München etwa zu den teureren Pflastern gehört, gibt es zahlreiche Studienorte in den neuen Bundesländern, wo die Lebenshaltungskosten günstiger sind.
Wenn es etwa um Unterkunft oder Studienfinanzierung geht, können sich Studienanfänger an das zuständige Studentenwerk oder auch an den allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) wenden, die höchste von den Studierenden gewählte Vertretung innerhalb der Hochschule. Beide Einrichtungen bieten Dienstleistungen wie Rechts- oder Sozialberatung an und helfen unter Umständen bei der Wohnungssuche. Besonders die Studentenwerke haben meist auch eine eigene Beratungsstelle für BAföG und für Studierende mit Kind.
Studieren – eine Gebrauchsanweisung
"Studieren in Fernost", die Dachkampagne der 44 ostdeutschen Hochschulen, schickt ab April 2012 Bestseller-Autor Eduard Augustin und Regisseur Matthias Edlinger auf die Reise, um eine "Gebrauchsanweisung zum Studieren" zu verfassen. Für ihre Recherche besuchen die beiden zehn ostdeutsche Hochschulen, setzen sich mit unterschiedlichen Studi-Themen auseinander und drehen dabei auch das ein oder andere unterhaltsame Video, nachzuverfolgen unter http://www.studieren-in-fernost.de/de/gebrauchsanweisung.html.






