Wäre ich eine gute Lehrerin?
Wer wie Stefanie Keuerleber Gymnasiallehrerin werden möchte, muss in Baden-Württemberg seit dem Wintersemester 2010/11 neben einem zweiwöchigen Orientierungspraktikum auch einen Orientierungstest ablegen. Die 20-Jährige aus Mannheim konnte im Juli 2010 auf diese Weise feststellen, ob sie für den Lehrerberuf geeignet ist, bevor sie ihr Studium an der Universität Heidelberg aufnahm.
'Gibt es die ideale Lehrerpersönlichkeit?' - Antworten auf diese und andere Fragen versucht der Lehrertest herauszufinden.
Foto: Friso Gentsch
Der Orientierungstest erfolgt als Selbsteinschätzungstest, bei dem man nicht durchfallen kann, und dient vor allem den Studierenden. Er hilft dabei herauszufinden, ob sie mit den richtigen Erwartungen ins Studium starten. Der Test erfolgt online und dauert, sofern er gewissenhaft durchgeführt wird, mindestens 30 Minuten. „Im ersten Teil konnte ich herausfinden, ob die typischen Tätigkeiten eines Lehrers, wie den Unterricht zu gestalten oder soziale Beziehungen zu fördern, attraktiv für mich sind“, erläutert die Lehramtsstudierende. „Wie stehe ich zum Beispiel dazu, mir selbst Übungsaufgaben auszudenken? Mache ich das ‚sehr ungern’, ‚ungern’, ‚weder noch’, ‚gern’ oder ‚sehr gern’?“ Ihre Antwort lautete klar: ‚sehr gern’.
Seit der Schulzeit arbeitet sie bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft in Mannheim mit Kindern und Jugendlichen. „Ich denke mir immer wieder neue Übungen aus, um den Kindern nicht nur das Schwimmen beizubringen, sondern sie auch bei Laune zu halten.“ Diese Erfahrungen und der Wunsch, Jugendlichen fachliches und soziales Wissen zu vermitteln, waren ausschlaggebend für ihren Berufswunsch. Bei ihrem späteren Unterricht will sich die Mannheimerin mit ihren Schülern austauschen und dabei ihre pädagogischen Fähigkeiten vertiefen. Um mehr pädagogische Anteile schon im Studium zu haben, hat sie sich dafür entschieden, zu ihrem Hauptfach Chemie erst einmal die Erziehungswissenschaften zu studieren und das zweite Fach, vermutlich Biologie oder Sport, erst im vierten Semester zu beginnen.
Ideale Eigenschaften
‚Gibt es die ideale Lehrerpersönlichkeit?’ Darum geht es im zweiten Teil des Lehrertests. „Belegt ist nämlich, dass einige Persönlichkeitsmerkmale den Lehrerberuf deutlich begünstigen“, weiß die 20-Jährige. „Hier fiel es mir deutlich schwerer, mich zwischen zwei Eigenschaftspolen wie psychisch widerstandsfähig oder wenig belastbar, diszipliniert oder unbeherrscht einzuordnen.“
In der letzten Etappe wurde sie nach ihren pädagogischen Erfahrungen gefragt. „Habe ich schon Kinder bzw. Jugendliche trainiert oder unterrichtet? Hatte ich dabei Erfolg und hat es mir Spaß gemacht? All die Fragen konnte ich klar bejahen. Ohne praktische Erfahrung hätte ich all die Fragen mit nein beantworten müssen, was sich natürlich auch eher negativ auf das Endergebnis ausgewirkt hätte. „Nach jeder Etappe gibt es eine Auswertung und zum Schluss ein Gesamturteil. Für Stefanie Keuerleber fiel dieses durchaus positiv aus: „Mir wurde bescheinigt, dass ich kontaktfreudig, psychisch stabil und selbstkontrolliert bin. Alles in allem müsste mir der Lehrerberuf liegen und das Studium eine bereichernde persönliche Erfahrung sein.“ Per Mausklick erhielt sie eine Teilnahmebestätigung als pdf-Datei, die sie spätestens zum dritten Semester bei der Hochschule vorlegen muss. Die Studentin hält den Test für sinnvoll, zumal es sich um kein Auswahlverfahren handelt. „Ein Grund mehr, ihn offen und ehrlich zu beantworten. Allerdings muss ich zugeben, dass mich ein negatives Testergebnis nicht von meinem Berufsziel abgebracht hätte.“
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Online-Fragebogen für angehende Lehramtsstudierende in Baden-Württemberg





