"Vielfältiger als wahrgenommen"
Andrea Frank ist Programmleiterin für Forschung und Wissenschaftsdialog beim Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft. abi>> sprach mit ihr über die Unterschiede zwischen staatlichen und privaten Hochschulen.
Private Hochschulen wie die Universität Witten/Herdecke boomen immer mehr. Foto: Universität Witten/Herdecke
abi>>: Warum boomen private Hochschulen?
Andrea Frank: Die Nachfrage nach Bildungsangeboten wächst und wird vielfältiger. Private Hochschulen greifen eine Vielzahl dieser unterschiedlichen Bedürfnisse auf. Ein Teil der Studienangebote wendet sich an den Studienanfänger, der schnell in den Arbeitsmarkt möchte. Andere private Hochschulen bieten berufsbegleitende Studiengänge an, teilweise auch als Fernstudium. Andere wiederum haben sich auf die Akademisierung früherer Ausbildungsberufe spezialisiert, etwa im Gesundheitsbereich.
abi>>: Wie unterscheiden sich private und staatliche Hochschulen?
Andrea Frank: Eine aktuelle Studie, die wir derzeit gemeinsam mit McKinsey erstellen, zeigt: Private Hochschulen sind im Durchschnitt deutlich kleiner als staatliche und das Fächerangebot ist enger. Die Privaten haben den Anspruch, dass sie ihre Studierenden besser betreuen, überdurchschnittlich gute Lehrbedingungen schaffen, praxisnäher ausbilden und – insbesondere in den BWL-Studiengängen – sehr gute Kontakte zur Wirtschaft anbieten. Dieser Anspruch wird unterschiedlich gut eingelöst.
abi>>: Wie ist das Studienangebot der Privaten strukturiert?
Andrea Frank: Der Großteil der privaten Hochschulen sind Fachhochschulen mit einem Fokus auf praxisnahe Ausbildung. Nur knapp zehn Prozent aller privat Studierenden sind an privaten Hochschulen mit Promotionsrecht und einem expliziten Forschungsanspruch eingeschrieben.
abi>>: Gibt es Unterschiede im Studienverlauf?
Andrea Frank: An privaten Hochschulen ist es aufgrund kleinerer Gruppen und einer guten Betreuung leichter, die akademische Ausbildung im Rahmen der Regelstudienzeit abzuschließen. Auch obligatorische Auslandsaufenthalte sind nicht selten Teil des Studiengangs.
abi>>: Ist es richtig, dass an Privaten hauptsächlich „Überflieger“ oder „Töchter aus gutem Haus“ studieren?
Andrea Frank: Nein, private Hochschulen sind vielfältiger als sie allgemein wahrgenommen werden. Nur ein kleiner Anteil der Hochschulen wendet sich an Spitzen-Studierende und ist hochselektiv. Die Bucerius Law School in Hamburg, die Jacobs University in Bremen, die WHU in Vallendar oder auch die Handelshochschule Leipzig sind einige Beispiele dafür. Bei diesen sind die Studiengebühren auch besonders hoch. Die Privaten sind daher gefordert, Stipendien anzubieten, damit es nicht zur sozialen Auslese kommt. Viele tun dies aber auch schon jetzt.






