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"So viel Zeit und Flexibilität hat man später nie mehr"

Legosteine
Doppelbelastung: Für's Studium lernen und Zeit mit dem Kind verbringen.
Foto: WillmyCC

Modell: Studierendenpaar mit Kind

"So viel Zeit und Flexibilität hat man später nie mehr"

Studieren, Kind und Arbeit — hört sich nach Stress an? Von wegen: Philipp Bayersdorfer (29) und Annalena Schmitt (26), die an der Georg-Simon-Ohm-Hochschule in Nürnberg "Soziale Arbeit" studieren, finden, dass ihr Leben mit Sohn Janis zurzeit super entspannt ist.

Um 9 Uhr morgens trudeln Philipp und sein Sohn Janis (4) im Kindergarten ein. Janis ist ausgeschlafen und gut gelaunt, während sich andere Kinder, die von ihren arbeitenden Eltern bereits um 7.45 Uhr gebracht wurden, noch den Schlaf aus den Augen reiben. „Wir haben uns einen gemütlichen Morgen gemacht“, sagt Papa Philipp Bayersdorfer. Seine erste Vorlesung an der Hochschule beginnt erst um 10 Uhr. Die Zeit vorher hat er mit Janis gespielt. Philipp Bayersdorfer verbringt so viel Zeit wie möglich mit seinem Sohn. Und das ist verdammt viel: „Meine Freundin und ich haben viel Freiheit in der Stundenplangestaltung und ein wunderbares Netzwerk an Betreuern. Für uns ist Studieren mit Kind absoluter Luxus“, sagt der Vater.

Nach dem Abitur hat er erst mal nicht studiert, sondern eine Schreinerlehre gemacht. Während der Lehre lernte er an Silvester 2005 Annalena Schmitt kennen. Vier Monate später war sie schon schwanger. „Wir hatten kein Kind geplant, wollten es aber auf jeden Fall behalten“, sagt Philipp Bayersdorfer. Annalena studierte zu diesem Zeitpunkt bereits. „Ich habe mich dann entschlossen auch zu studieren“, erklärt der Vater.

Ausgeklügelter Stundenplan

Da beide Eltern sich ihren Stundenplan relativ frei zusammenstellen können, haben sie sich so aufeinander abgestimmt, dass fast immer einer auf Janis aufpassen kann. „In seinen ersten drei Lebensjahren war Janis keine Minute in der Krippe. Im Miethaus der Familie wohnen außerdem Janis Oma, eine Tante und weitere Freunde. „Wenn wir keine Zeit haben, findet sich fast immer jemand, der Janis nimmt.“

Allerdings haben die Eltern gelernt, dass mit Kind nicht alles so spontan geht wie früher. „Wir mussten unseren Alltag genauer strukturieren“, sagt Annalena Schmitt. In der ersten Zeit nach der Elternzeit, als sie wieder angefangen hatte zu studieren, hat jeder seinen Stundenplan nach eigenen Vorlieben zusammengebastelt. „Bis wir gemerkt haben, dass sich die Dinge überschneiden“, sagt Philipp Bayersdorfer. „Wir mussten lernen, zurückzustecken. Es kommt vor, dass einer von uns beiden auf seine Wunschvorlesung verzichten muss, damit er für Janis da sein kann.“

Inzwischen haben sie gelernt, sich zu organisieren, jetzt knirscht es nur noch, wenn Lernzeit und Ferienzeit, in der der Kindergarten geschlossen ist, zusammenfallen. Denn wenn Janis zu Hause ist, funktioniert die Sache mit dem Lernen nicht: „Er kommt alle zehn Minuten ins Zimmer und will etwas wissen. Sich da zu konzentrieren ist unmöglich“, sagt Philipp Bayersdorfer. In solchen Fällen ist Absprache gefragt: Wer von beiden es sich am ehesten leisten kann, verzichtet auf das Lernen.

Guter Zeitpunkt

Oder auf die Arbeit. Weder Annalena Schmitt noch Philipp Bayersdorfer bekommen BAföG, mit dem Geld aus ihren Nebenjobs können sie trotzdem ihre Familie ernähren. Er betreut Behinderte, sie hat regelmäßig Nachtbereitschaft in einem Wohnheim. „Es passiert schon mal, dass wir uns in der Planung vertun, und unsere Dienste auf denselben Tag legen. In solchen Fällen muss dann wieder einer seine Arbeit verschieben“, erklärt Annalena. Doch trotz des ganzen Diskutieren und Abstimmens sind sich die beiden einig: „Das Studium ist die coolste Zeit, ein Kind zu bekommen. So viel Zeit und Flexibilität hat man später nie mehr.“

abi>> 18.07.2011