Wo geht's zum Doktortitel?
Ob mit einem Masterabschluss einer Uni oder Fachhochschule oder - für besonders Begabte - nach einem Bachelorabschluss: Es führen viele Wege in die Promotion. Aber manche sind etwas steiniger als andere.
Er gehörte zu den Glücklichen, die Professor Steffen (rechts) für eine Promotionsstelle auswählte: Thomas Kemmerich (links).
Foto: Privat
Geschäftsführer des Programms ist Professor Eckhard Steffen. Aus den etwa 100 Bewerbungen wählen er und seine Kollegen aus den beteiligten Fakultäten Elektrotechnik, Informatik und Mathematik, Wirtschaftswissenschaften und Maschinenbau jedes Jahr um die 15 Kandidaten aus: „Voraussetzung ist zum einen ein sehr guter Abschluss. Darüber hinaus klären wir in Interviews die Motivation der Bewerber und sprechen über das geplante Forschungsthema.“ Die Anforderungen sind hoch: „Wenn ich meinen Master nicht mit einer Eins vor dem Komma abgeschlossen hätte, hätte ich mich gar nicht erst beworben“, sagt Thomas Kemmerich, der sowohl seinen Bachelor als auch seinen Master an der Uni Paderborn absolviert hat.
Zugang flexibler
Ob die Bewerber an einer Fachhochschule oder einer Universität studiert haben, spielt für die Auswahl dagegen keine Rolle. Mit der Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen sind die Zulassungsvoraussetzungen zur Promotion nämlich flexibler geworden. Während vor der Einführung der gestuften Studienstruktur Uni-Absolventen zwar auch schon promovieren durften, galt dies nur für besonders qualifizierte Fachhochschulabsolventen mit Diplom. Und für diese wurde in einem so genannten Eignungsfeststellungsverfahren ermittelt, welche Zusatzprüfungen erforderlich sind. Die Auflagen reichten von verpflichtender Seminarteilnahme über Prüfungen, die mehrere Semester dauern konnten. Das ist inzwischen deutlich einfacher geworden: Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat im Jahr 2000 festgelegt, dass Masterabschlüsse an Universitäten oder Fachhochschulen grundsätzlich zur Promotion berechtigen. In den jeweiligen Promotionsordnungen der Universitäten sind die Rahmenbedingungen hierzu festgehalten.
Ob jemand tatsächlich zur Promotion zugelassen wird, ist allerdings immer eine Einzelfallentscheidung und hängt von den Promotionsordnungen der einzelnen Fakultäten ab. Laut Hochschulrektorenkonferenz (HRK) wurden zwischen 2006 und 2008 insgesamt 155 Masterabsolventen von Fachhochschulen direkt zur Promotion zugelassen. Weitere 109 wurden zugelassen, mussten aber fehlende Qualifikationen nachholen. „FH-Absolventen mit einem Masterabschluss sind grundsätzlich Universitätsabsolventen gleichgestellt“, erklärt Jan Rathjen von der HRK. Je nach akademischer Vorgeschichte kann es jedoch zu Auflagen wie dem Absolvieren einer Prüfung kommen.
Einfacher haben es FH-Absolventen, deren Hochschulen mit Universitäten zusammenarbeiten. Mit solchen kooperativen Verfahren haben sowohl Professor Walter Roth von der Fachhochschule Südwestfalen als auch Professor Bernd Schinke von der Fachhochschule Mannheim gute Erfahrungen gemacht: „In der Regel ist einer unserer Professoren Zweitbetreuer. Leider gibt es erst wenige solcher Kooperationen mit der Folge, dass die Anzahl der promovierenden FH-Absolventen zwar steigt, aber ihre absolute Zahl noch sehr gering ist.“
Chancen für Überflieger
Nicht nur für Fachhochschulabsolventen ist der Zugang zur Promotion etwas einfacher geworden. „Inhaber eines Bachelorgrades können auch ohne Erwerb eines weiteren Grades im Wege eines Eignungsfeststellungsverfahrens unmittelbar zur Promotion zugelassen werden“, so hat es die Kultusministerkonferenz festgelegt. Überflieger können also rein theoretisch nach einem sechssemestrigen Bachelorstudium gleich die Promotion anschließen. Elitestudiengänge wie beispielsweise TopMath der Technischen Universität München und der Universität Augsburg richten sich gezielt an solche Studierende, die innerhalb von sechs Studienjahren den Bachelorabschluss und eine anschließende Promotion absolvieren wollen – und können.
Ob man nach seinem Fachhochschul- oder Uni-Abschluss noch promovieren möchte, hängt von jedem einzelnen ab – aber auch vom gewählten Studienfach und den beruflichen Plänen: In vielen naturwissenschaftlichen Bereichen und in der Medizin wird die Promotion weiterhin als Standard vorausgesetzt. „Insbesondere wer im Bereich Forschung sowie im Wissenschaftsbetrieb seine berufliche Zukunft sieht, kommt an der Promotion nicht vorbei. Auch in der Industrie, im öffentlichen Dienst, im Bereich der Lobby-Arbeit oder etwa im kulturellen Bereich kann die Promotion hilfreich sein“, sagt Judith Wüllerich, Arbeitsmarktexpertin der Bundesagentur für Arbeit. Aber das Kürzel „Dr.“ ist nicht nur ein Türöffner für manche Stellen und Funktionen, sondern kann auch das Erklimmen der Karriereleiter erleichtern.

