Nicht mehr eine von Tausend
Lernen in kleinen Gruppen und mehr Kontakt zu den Professoren: Jessica Faßler (24) entschied sich nach zwei Uni-Semestern in Münster für die Fachhochschule Aachen. Außerdem tauschte sie die Wirtschaftsinformatik gegen European Business Studies, einen Studiengang mit internationalem Bezug. Weil sich die Studentin zuvor ausführlich informierte, konnte sie sich zahlreiche Scheine anrechnen lassen.
Jessica Faßler hat die Hochschule gewechselt und ist rundum zufrieden mit ihrer Entscheidung.
Foto: Willmy CC
Jessica Faßler hat ihren Wechsel akribisch geplant: Sie bewarb sich zunächst an mehreren Fachhochschulen und bekam die Zusage für den Studiengang Bachelor of Arts „European Business Studies“ an der FH Aachen. Anschließend informierte sie sich beim Prüfungsamt ihrer künftigen Hochschule, im Internet und in der Prüfungsordnung über die Anrechnung ihrer Prüfungsleistungen. Die erbrachten Scheine in Rechnungslegung und Volkswirtschaft und einige Sprachkurse konnte sie sich nach dem Wechsel – wie zuvor abgesprochen – problemlos anrechnen lassen. „Außerdem hatte ich dadurch später nicht so viel Stress wie meine Kommilitonen, die sechs Klausuren pro Semester schreiben mussten.“
Bis sie damals von Münster nach Aachen wechseln konnte, musste sie aber erst noch ein knappes Jahr warten. „Den Studiengang konnte man nur zum Wintersemester anfangen“, erklärt die Studentin. „Daher habe ich das Sommersemester 2008, mein zweites Semester, noch an der Uni Münster gemacht, einige Sprachkurse besucht und die wirtschaftlichen Vorlesungen wie Rechnungslegung und Volkswirtschaft belegt.“
Mehr Bezug zum Professor
Zwar musste die Studentin in Aachen höhere Studiengebühren als in Münster bezahlen. Dafür bekam sie aber dort BAföG, weil sie nicht mehr zu Hause in Hamm wohnte und auch das FH-Studium selbst hatte für Jessica Faßler viele Vorteile. „Es gab einen Campus, kleinere Vorlesungsräume und weniger Studierende als an der Uni, so dass man sich nicht fühlt wie eine von Tausenden“, findet sie. „Man lernt die Kommilitonen besser kennen und trifft sich immer wieder auf den Fluren oder in der Mensa.“ Weil die Gruppen kleiner seien, habe man zudem einen besseren Bezug zum Professor. „Man kann der Vorlesung besser folgen und Fragen stellen.“
Die Entscheidung für den Bachelorstudiengang Wirtschaftsinformatik an der Universität Münster hatte Jessica Faßler nach dem Abitur nach intensiven Überlegungen getroffen. „Die Universität in Münster hat einen hervorragenden Ruf, Münster ist eine schöne Stadt und ich konnte von zu Hause, von Hamm aus, pendeln“, erzählt die 24-Jährige. Zudem hatte sie den Eindruck, dass ein Uni-Abschluss noch höher angesehen wird und mehr Möglichkeiten für den weiteren Lebensweg bietet.
Dennoch störten sie die großen Vorlesungssäle. „Der Prof war so weit weg, dass es mir oft schwer fiel, der Vorlesung aufmerksam zu folgen.“ Neben der Größe der Lehrveranstaltungen konnte sie sich auch mit ihrem Studiengang nicht anfreunden. Wirtschaftsinformatik, eine Kombination aus Wirtschaftswissenschaften und Informatik, sei einfach nicht das Richtige für sie gewesen: Jessica Faßler vermisste die Fremdsprachen im Studium. Deshalb suchte sie bereits zwei Monate nach Beginn der Vorlesungen nach einer Alternative. Es sollte ein Studiengang mit mehr internationalem Bezug sein, mit Sprachen und möglichst an einer Fachhochschule.
„Würde es wieder genauso machen“
In Aachen wurde sie fündig: Jessica Faßler verbrachte drei der sechs Semester ihres FH-Studiums im Ausland. Die Länder richten sich dabei nach der ersten und zweiten Fremdsprache, die man für das Studium belegt hat. In ihrem Fall waren das ein Semester an einer Hochschule in Frankreich und zwei Semester in Edinburgh, wo sie an der Napier University ihre Bachelor-Arbeit geschrieben hat und nun auch ihren Master macht.
Aus all diesen Gründen war der Wechsel von der Uni zur FH für die Studentin rückblickend die richtige Entscheidung – auch wenn das Studium anstrengend war. „Innerhalb von drei Jahren in drei Ländern zu leben war schließlich nicht immer einfach“, sagt sie. Es hat sich aber auf jeden Fall gelohnt und zum Schluss hat man sogar einen Doppelabschluss in der Tasche“, freut sich Jessica Faßler. „Ich würde es wieder genauso machen.“






