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Kleine, aber feine Studienheimat

Eine Dozentin erklärt vier Studenten ein Thema.
Kleine Lerngruppen, der direkte Kontakt zu den Dozenten und häufig spezialisierte, seltene Studiengänge: Hochschulen in ländlichen Gegenden bieten andere, aber nicht weniger interessante Vorzüge als solche in den Großstädten.
Foto: Socher

Stadtflucht: Studieren auf dem Land

Kleine, aber feine Studienheimat

Günstige Mieten, kurze Wege, guter Kontakt zu den Dozenten: Studierende finden an Hochschulen in ländlichen Regionen oft angenehmere Bedingungen vor als in den Metropolen. Zudem besetzen kleine Hochschulen meist interessante fachliche Nischen, um sich von der Masse abzuheben.

Knapp 22.000 Einwohner, keine zehn Kilometer bis zum Nordseestrand, dafür aber rund 80 Kilometer bis zur nächsten Großstadt: Das ist Heide in Schleswig-Holstein. Hier, im sehr ländlichen Umfeld, steht die Fachhochschule Westküste. Eine von nur rund 2.000 Studierenden der FH ist Laura Nissen.

Ein Porträt-Foto von Laura Nissen.

Laura Nissen

Foto: Bosse Wulff

Die 21-Jährige studiert im zweiten Semester „International Tourism Management“. Nach dem Abi durchlief sie ein viertägiges Schnupperstudium in Heide, was sie derart überzeugte, dass sie sich anschließend direkt dort einschrieb. „Ich komme aus Norderstedt nördlich von Hamburg, bin also die Nähe zur Großstadt gewohnt. Am Anfang war ich überrascht, wie klein Heide und die Hochschule tatsächlich sind“, räumt sie ein. „Aber das hat auch viele Vorteile: Es ist sehr familiär und bei Fragen findet man immer einen Ansprechpartner direkt auf dem Campus.“ Daneben bietet ihr Studiengang ein Praxissemester im Ausland und setzt Schwerpunkte wie Reiseveranstalter-, Destinations- und Hotelmanagement.

Hamburg wäre für Laura Nissen der näherliegende Studienort gewesen, doch Uni und Stadt sind ihr zu groß, zu voll, zu laut – „von der Wohnungssuche ganz zu schweigen!“ In Heide konnte sie nach kurzer Suche den Mietvertrag für ihr WG-Zimmer unterschreiben und sich auf ihr Wunschstudium konzentrieren.

Für jeden maximal 59 Kilometer zur nächsten Hochschule

Studieren kann man mittlerweile überall in Deutschland: Es gibt Fachhochschulen und Universitäten mit Blick aufs Meer, auf die Alpen oder auf Weinberge. Verantwortlich dafür sind insbesondere viele Neugründungen von Fachhochschulen: „Mehr als ein Drittel aller Standorte, die zwischen 1990 und 2016 entstanden sind, befinden sich in Kreisen oder kreisfreien Städten, in denen es zuvor kein Hochschulangebot gab“, erklärt Professor Frank Ziegele, Geschäftsführer des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE). Eine Analyse des CHE zeigt eine nahezu flächendeckende Versorgung mit akademischen Angeboten: In Deutschland finden Studieninteressierte in maximal 59 Kilometern Luftlinie zu ihrem Heimatort eine Hochschule vor.

Zwölf Prozent der Hochschulstandorte, die im CHE-Ranking erfasst werden, befinden sich in Kleinstädten mit weniger als 20.000 Einwohnern, mehr als 50 Prozent in mittelgroßen Städten mit bis zu 100.000 Einwohnern. Übrigens: Fast acht Prozent studieren in Städten mit weniger als 50.000 Einwohnern, betont Frank Ziegele.

Günstige Lebenshaltungskosten, spezialisiertes Studium

Die Dozenten persönlich kennen, statt Warteschlange bei der Wohnungsbesichtigung eine Bleibe für 220 Euro im Monat finden, mit dem Fahrrad alles erreichen können und auf dem Campus auf bekannte Gesichter treffen – trügt diese Idylle oder sind das handfeste Argumente für ein Studium in Kleinstädten?

Für Stefan Grob vom Deutschen Studentenwerk ist es definitiv Letzteres: „Kleinere Hochschulen auf dem Land sind überschaubar und es gibt kurze Wege. Außerdem sind die Lebenshaltungskosten meist niedriger.“ Der Lebensraum sei nicht nur günstiger – es gibt überhaupt ausreichend Wohnraum. „Wer nicht das Großstadtgefühl braucht, dem kann ich ein Studium auf dem Land oder in einer Kleinstadt nur empfehlen. Gerade diejenigen, die sich an einer Massenuni nicht wohlfühlen, finden attraktive Studienbedingungen vor“, meint er.

Durch eine klar erkennbare Profilierung heben sich kleine Hochschulstandorte von großen Unistädten ab. Beispiele sind die Hochschule Eberswalde in Brandenburg mit dem Schwerpunkt Nachhaltigkeit oder die Technische Universität Ilmenau in Thüringen mit dem Fokus auf Medien (Vom Studiengang Medientechnik an der TU Ilmenau erfährst du in „Von Köln in die thüringische Kleinstadt“, vom auf Sprachen spezialisierten Campus der Uni Mainz in Germersheim in „Großer Sprachenkosmos auf kleinem Raum“).

Das spiegelt sich auch bei den Studiengängen wider, denn neben generalistischen Angeboten besetzen kleine Hochschulen oft fachliche Nischen: „Wer etwa durch ein Praktikum eine klare Vorstellung von seinem Wunschstudium hat, für den kann die Entscheidung für ein spezialisiertes Angebot das Richtige sein“, sagt Stefan Grob. Deshalb gilt es, sich bei der Suche nach einem geeigneten Studium umfassend zu informieren – vielleicht wartet der passende, spezialisierte Studiengang auf dem Land. 

Fachkräfte für die regionale Wirtschaft

Hochschulgründungen folgen einer Strategie: „Sie sind Investitionen in die Zukunftsfähigkeit einer Region. Gerade Fachhochschulen kooperieren eng mit der lokalen Wirtschaft und sorgen für Nachwuchsfachkräfte. Durch die enge Vernetzung mit kleinen und mittelständischen Unternehmen vor Ort ergeben sich zudem angewandte Forschungsprojekte“, berichtet der Experte vom Deutschen Studentenwerk. Manchmal werden auch Hochschulstandorte geschaffen, um gezielt Impulse in strukturschwachen Regionen zu setzen.

Doch nicht immer wird eine Hochschule komplett neu gegründet: „Oft gibt es Außenstellen, die bestimmte Studiengänge anbieten“, erklärt Professor Frank Ziegele. Solche Modelle finden sich vor allem in Bayern. Die FH Rosenheim etwa bietet in Mühldorf, einer Kleinstadt mit weniger als 20.000 Einwohnern, die Studiengänge Pädagogik der Kindheit und Jugend, Pflege sowie Soziale Arbeit an (Vom Studium an einer Außenstelle der Hochschule Heilbronn liest du in „Wunschstudium lockt ins Provinz-Idyll“).

Stadt oder Land? Typfrage!

Neben Studienschwerpunkten ist es letztlich eine Typfrage, ob man ein überschaubares oder ein urbanes Umfeld möchte: „In großen Städten trifft man nicht unbedingt die Kommilitonen einfach zufällig in der Stadt. Das ist in kleineren Hochschulstädten anders, deren Stadtleben oft sehr von der Hochschule geprägt ist“, betont Studien- und Berufsberaterin Maria Altenbuchinger-Dick von der Agentur für Arbeit Freising. „Andere hingegen suchen die Anonymität und möchten lieber ständig neue Leute kennenlernen.“

Auch Faktoren wie Sympathie für eine Stadt, Wohnungssituation, Freizeit- und Kulturangebot der Region sowie Heimatnähe sind wichtige Entscheidungskriterien. Auf jeden Fall sollte man sich nicht an einer Hochschule einschreiben, ohne vor Ort gewesen zu sein, empfiehlt die Beraterin: „Einmal durch die Stadt laufen und mit Studierenden auf dem Campus sprechen, ist sicherlich hilfreich, um ein Gefühl dafür zu bekommen, ob man die kommenden Jahre hier verbringen möchte.“

Du möchtest die deutsche Hochschullandschaft besser kennenlernen? Mehr Informationen bietet dir das abi>> Hochschulpanorama.

Info

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
www.berufenet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

CHE-Hochschulranking

Deutschlands größtest Hochschulranking informiert über Qualität von und Fakten zu Hochschulen, Studiengängen sowie Hochschulstädten; Kooperation mit der Wochenzeitung Die Zeit
www.ranking.zeit.de

Deutsches Studentenwerk (DSW)

Allgemeine Infos für Studierende zum Thema Wohnen, zu Versicherungen, Ausbildungsförderung etc.
www.studentenwerke.de

abi>> 16.04.2018