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Wie wird in Argentinien gelehrt?

Eine Lehrerin spricht mit einer Schülerin.
Wie arbeiten Lehrer in Argentinien? Das erfuhr Tashina Nicolin, die sonst an der Uni Bielefeld Deutsch und Spanisch auf Lehramt studiert, in einem Auslandssemester in La Plata.
Foto: Martin Rehm

Studieren in Argentinien – Erfahrungsbericht

Wie wird in Argentinien gelehrt?

Tashina Nicolin studiert Deutsch und Spanisch auf Lehramt an der Universität Bielefeld und verbrachte ihr fünftes Semester an der Universidad Nacional de La Plata in Argentinien. abi>> berichtet die 22-Jährige von ihren bereichernden Erfahrungen in Südamerika.

Als ich im Seminarraum an meiner Uni in La Plata zum ersten Mal einen Mate-Tee angeboten bekam, war ich wirklich angekommen. Diesen Tee zu trinken, ist mehr als eine argentinische Tradition – es ist ein verbindendes Element. Man trinkt ihn nicht allein, man teilt ihn. Fast immer hatte einer in der Gruppe einen Mate-Becher, Tee und eine Thermoskanne mit heißem Wasser dabei.

So in die lateinamerikanische Kultur einzutauchen, hat mich schon lange gereizt. In Kolumbien hatte ich direkt nach dem Abi einen Freiwilligendienst absolviert, aber Argentinien ist noch einmal ganz anders. Klima, Natur und Menschen sind unglaublich facettenreich. Es ist ein riesiges Land, wobei es auch viele Parallelen zu Europa gibt.

Kooperation mit Uni in La Plata

Ein Porträtbild von Tashina Nicolin

Tashina Nicolin in La Plata

Foto: privat

La Plata ist die Hauptstadt der Provinz Buenos Aires, in der fast die Hälfte der Bevölkerung Argentiniens lebt. Dank der Kooperation zwischen meiner Fakultät in Bielefeld und der Universidad Nacional de La Plata gab es einen gut organisierten Rahmen. Diese Kooperation ist Teil des Programms „Internationale Studien- und Ausbildungspartnerschaften“ (ISAP), das der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) ins Leben gerufen hat. Ein Ziel von ISAP ist es, dass die Leistungspunkte aus dem Ausland an der Heimatuni angerechnet werden.

Ich habe in La Plata mehrere Kurse belegt, die vergleichbar sind mit Vorlesungen und Seminaren in Deutschland. Zum Kurs „Leistungsbewertung in der Schule“ gehörten ein theoretischer und ein praktischer Teil, in dem wir eine Lehrerin an einer Schule besuchten und mit ihr über verschiedene Arten der Notenvergabe sprachen. In „Pädagogik der Diversität“ haben wir uns mit den Rechten von Menschen mit Behinderungen auseinandergesetzt und wie sie in der Gesellschaft diskriminiert werden. Des Weiteren habe ich den Kurs „Literatur und Kino“ belegt, in dem wir die Figur der Diva anhand verschiedener älterer Filme analysiert haben. Außerdem war ich als Sprachassistentin bei den Leseverständniskursen in Deutsch tätig.

Sprechen und schreiben üben

Spanisch zu lernen, hatte ich bereits in meinem Freiwilligendienst in Kolumbien und meinem Studium in Deutschland begonnen. In La Plata konnte ich meine Kenntnisse dann teilweise in einem Sprachkurs verbessern, vor allem aber dadurch, dass ich fachspezifische Literatur las und Hausarbeiten auf Spanisch verfasste. Als Prüfungsleistungen musste ich größtenteils Hausarbeiten schreiben, außerdem zwei Klausuren und ein seminarbegleitendes Portfolio. Anders als an meiner Heimatuni finden die Klausuren nicht nur am Semesterende, sondern auch während des Semesters statt. Insgesamt konnte ich in meinem Auslandssemester 30 ECTS für mein Studium in Deutschland sammeln.

An meiner Austausch-Uni sind viele ausländische Studierende, hauptsächlich aus Kolumbien und Ecuador. Die Uni ist keine Campusuni wie in Bielefeld, stattdessen sind die vielen Fakultäten über das Stadtzentrum verteilt. Mein Institut für Bildungswissenschaften lag etwas außerhalb. Das Verhältnis zu den Dozenten war sehr vertraut – in unseren Kursen waren alle per Du.

Finanzierung dank Stipendium

Finanzieren konnte ich meinen Aufenthalt über ein DAAD-Vollstipendium. Um dieses zu bekommen, musste ich unter anderem einen Nachweis über Kenntnisse des Spanischen mindestens auf Niveaustufe B2 vorweisen.
Das Stipendium war wichtig, denn Argentinien ist kein günstiges Land. Die Lebenshaltungskosten variieren sehr stark: Bis auf Obst und Gemüse ist alles etwas teurer als bei uns. Monatsmieten sind ähnlich hoch wie in Deutschland, wobei ich das Glück hatte, ein Zimmer in einer Zehner-WG für 200 Euro zu finden. Mein Stipendium deckte zum Glück die Reisekosten und eine Aufenthaltspauschale ab; mit den rund 865 Euro im Monat bin ich sehr gut klargekommen.

Auch Sicherheit ist in Südamerika ein Thema: Bereits zur Vorbereitung meines Freiwilligendienstes in Kolumbien hatte ich viele Tipps dazu mit auf den Weg bekommen, an die ich mich auch gehalten habe. Man sollte etwa nicht mit schicken Taschen auf der Straße flanieren. Am besten hat man nur wenig Bargeld bei sich. Mein Handy habe ich prinzipiell zu Hause gelassen. Und wenn ich Freunde besuchte, bin ich nach Einbruch der Dunkelheit immer mit einem Taxi heimgefahren. Dennoch habe ich mich nicht unsicher gefühlt.

Grillfeste und Ausflüge nach Buenos Aires

Apropos Freunde: In meiner Freizeit habe ich mit Kommilitonen gegrillt – das sogenannte Asado hat in Argentinien einen hohen Stellenwert. Außerdem habe ich einen Tangokurs besucht. Weil La Plata nur eine Busstunde von Buenos Aires entfernt liegt, sind wir öfters dorthin gefahren – das kulturelle Angebot in der Hauptstadt ist schier grenzenlos!

Mittlerweile bin ich zurück in Deutschland und im siebten Semester meines Lehramtsstudiums. Meine Zeit in Argentinien war für mich insgesamt eine wundervolle und einzigartige Möglichkeit, die Kultur, die Menschen und ihre Gewohnheiten kennen und lieben zu lernen. Es war eine Erfahrung, die mein Leben bereichert.

abi>> 02.11.2018