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Gemeinsam an einem Meeresrätsel puzzeln

Wellen schlagen gegen Felsen am Meeresstrand.
Verborgene Schätze unter Wasser: Andrea Mentges untersucht im Rahmen ihrer Doktorarbeit die kleinsten organischen Verbindungen im Meer.
Foto: Andrè Deco

Promotion im Bereich Meeresforschung

Gemeinsam an einem Meeresrätsel puzzeln

Andrea Mentges schreibt ihre Doktorarbeit in der Forschungsgruppe für Marine Geochemie an der Universität Oldenburg. Die 28-jährige Umweltwissenschaftlerin weiß, wie wichtig ein gut eingespieltes Team und eine enge Betreuung für die Promotion sind.

Das gelöste organische Material des Meeres – eines der größten Rätsel in den Meereswissenschaften“, lautet der Titel des Forschungsberichts 2010 vom Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie. Mit einem Puzzleteil dieses Rätsels beschäftigt sich Andrea Mentges in ihrer Doktorarbeit. Seit März 2015 arbeitet sie in der Forschungsgruppe für Marine Geochemie, ein Projekt des Instituts für Chemie und Biologie des Meeres der Uni Oldenburg in Kooperation mit dem Max-Planck-Institut. „Wir beschäftigen uns mit den kleinsten organischen Verbindungen im Meer“, erklärt Andrea Mentges. Dieses Material enthält Kohlenstoff und ist ein entscheidender Grund dafür, weshalb die Ozeane zu den größten Kohlenstoffspeichern der Erde gehören – was wiederum essenziell für das Weltklima ist.

Kommunikation auf Englisch

Ein Porträt-Foto von Andrea Mentges

Andrea Mentges

Foto: Ariane Arndt-Jacobs

Aber warum ist das so? Wie funktioniert der Kreislauf von gelöstem organischen Material? Und was geschieht, wenn sich Parameter ändern? Solche Fragen stellt sich das internationale Team aus rund 20 Wissenschaftlern, dem die 28-Jährige angehört. Andrea Mentges, die bereits ihre Masterarbeit im Studiengang „Marine Umweltwissenschaften“ als Mitglied der Gruppe geschrieben hat, ist die Modelliererin des Teams: Mit ihren mathematischen Modellen werden komplexe Prozesse beschrieben und Prognosen dargestellt. Jeder ihrer Kollegen arbeitet an seinem eigenen Projekt und ergänzt die Forschung der anderen. So nutzt Andrea Mentges beispielsweise Daten von Wasserproben, die ihre Kollegen ermittelt haben.

„Die Stimmung im Team und der Austausch mit Forschern aus aller Welt ist sehr angenehm, die Hierarchien sind flach“, findet sie. Meist wird auf Englisch kommuniziert. „Schon während der Literaturrecherche für meine Bachelorarbeit habe ich mich in die Fachsprache eingearbeitet und während des Masters waren einige Vorlesungen auf Englisch.“ Die 28-Jährige verbringt viele Stunden am Computer, wertet Daten aus, programmiert, erstellt Grafiken und verfasst ihre Publikationen für Fachzeitschriften – ebenfalls auf Englisch.

Aus drei Manuskripten und einer zusammenfassenden Einleitung wird ihre Doktorarbeit bestehen. Thema ist die Diversität chemischer Komponenten in den Ozeanen. Die Promovendin hat sich hierfür ein Stipendium des Graduiertenkollegs „Interdisziplinärer Ansatz zur funktionellen Biodiversitätsforschung“ sichern können.

Hohe Frustrationstoleranz

„Sehr wichtig bei einer Promotion ist die Betreuung“, weiß Andrea Mentges aus eigener Erfahrung. „Ich habe in dieser Beziehung großes Glück, werde sehr gut und eng begleitet.“ Ihr Betreuerstab besteht aus drei Professoren des Instituts für Chemie und Biologie des Meeres, darunter ihr Doktorvater Prof. Dr. Thorsten Dittmar, der stets ansprechbar ist, wenn sie eine Frage hat. Einmal im Jahr gibt es ein Statusmeeting, bei dem sie einen Vortrag hält und die nächsten Schritte besprochen werden. Auch die Postdoktoranden des Teams sind für sie hilfsbereite Ansprechpartner.

Ebenfalls essenziell für die Arbeit in der Forschung ist es, eine hohe Frustrationstoleranz zu entwickeln. „Oft denkt man, man hat etwas Tolles herausgefunden, und dann ist es doch nur ein Relikt.“ Dennoch: „Es ist total spannend, etwas zu machen, was noch keiner gemacht hat. Es ist wie ein großes Puzzle, den ganzen Tag fügt man Teile zusammen. Das ist eine sehr fordernde, aber sinnvolle Arbeit.“

Trotzdem will Andreas Mentges nicht in der Forschung bleiben, unter anderem, da es dort kaum unbefristete Stellen gibt. Sie kann sich dagegen gut vorstellen, später als Expertin für Umweltfragen in der freien Wirtschaft zu arbeiten – „dafür ist ein Doktortitel auf jeden Fall hilfreich.“

abi>> 02.01.2018