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„Die eine Zukunft gibt es nicht“

Ein Mann sitzt am Schreibtisch und denkt nach. Auf dem Tisch sind zwei Bücherstapel zu sehen.
Du willst die Zukunft mitgestalten? Da könnte der Masterstudiengang "Zukunftsforschung" der Freien Universität Berlin das Richtige sein!
Foto: Christof Stache
Thema der Woche

Zukunftsforschung

„Die eine Zukunft gibt es nicht“

Nicht passiv der Zukunft entgegentaumeln, sondern sie aktiv vorantreiben: Das möchte Aileen Moeck. Die 27-Jährige studiert im weiterbildenden Masterstudiengang „Zukunftsforschung“ an der Freien Universität Berlin im vierten Semester. Dort erlernt sie Methoden zur Erforschung, Konstruktion und Reflexion von Zukunftsvorstellungen in Gesellschaft, Technik, Politik und Wirtschaft.

2015, das ist das Jahr, in dem der Hollywood-Kultfilm „Zurück in die Zukunft II“ spielt – und das Jahr, in dem sich Aileen Moeck überlegte, was sie nach ihrem BWL-Bachelor im brandenburgischen Wildau machen möchte. „Der selbstschnürende Turnschuh, der in dem Film aus den 1980er Jahren vorkommt, wurde von Nike tatsächlich entwickelt. Das hat mich fasziniert und ich habe angefangen darüber nachzudenken, warum manche fiktionalen Ideen Wirklichkeit werden und andere pure Fantasie bleiben“, erinnert sich die heute 27-Jährige.

Schon während des Bachelors hatte sie sich mit der Entwicklung neuer Geschäftsideen, mit Trendanalysen und Innovationstreibern beschäftigt. Anschließend jobbte sie bei einem E-Commerce-Unternehmen. „Der rein wirtschaftliche Blickwinkel mit der Betrachtung von Kunden- und Marktbedürfnissen war mir aber nicht genug. Ich wollte ein umfassenderes Bild bekommen: Woher kommt das Neue? Was hat mein Handeln von heute für Auswirkungen auf die Zukunft? Welche politischen Weichen haben welche Auswirkungen auf die Gesellschaft? Mit solchen Fragen wollte ich mich intensiver beschäftigen.“

Interdisziplinärer Studiengang

Ein Porträt-Foto von Aileen Moeck

Aileen Moeck

Foto: privat

Sie recherchierte im Internet und entdeckte den zweijährigen Masterstudiengang „Zukunftsforschung“ an der Freien Universität Berlin. Er setzt ein berufsqualifizierendes Studium und mindestens ein Jahr Berufserfahrung voraus, egal in welchem Bereich. Der Minijob nach dem Studium wurde angerechnet. „Die Lehre ist interdisziplinär ausgerichtet. Es gibt Professoren aus ganz unterschiedlichen Bereichen, auch wenn der Studiengang organisatorisch bei den Erziehungswissenschaften beheimatet ist“, erklärt die angehende Zukunftsforscherin. Sie bewarb sich mit einem leidenschaftlichen Motivationsschreiben und berappte 2.600 Euro bei der Einschreibung. Insgesamt kostet das Studium 5.200 Euro.

„Das ist und war es mir wert. In meinem Semester sind Ingenieure, Mediziner, Geisteswissenschaftler und ein paar wenige BWLer. Alt und Jung, ganz bunt, aus allen Ecken, aber alle total engagiert, diskussionsfreudig, kritisch, zielstrebig“, schildert sie ihre ersten Eindrücke. „Am Anfang war ich relativ schockiert, wie unterschiedlich die Disziplinen ticken, zum Beispiel, dass es den Geisteswissenschaftlern gar nicht darum geht, ein eindeutiges Ergebnis zu erzielen. Für sie ist klar, dass es die eine Wahrheit nicht gibt.“

Zwischen Erkenntnistheorie und Kreativtechnik

Zunächst lernen die Studierenden die zentralen Einsatzfelder der Zukunftsforschung in Wirtschaft, Technik, Politik und Gesellschaft kennen und bekommen einen Einblick in verschiedene Konzepte, Erkenntnis-Theorien, Berechnungsmodelle, Evaluationsmethoden und Befragungstechniken. Als Fachhochschulabsolventin war Aileen Moeck das universitäre, wissenschaftliche Arbeiten nicht vertraut. „Vieles war völlig neu, in anderen praxisorientierten Sachen hatte ich aber Vorteile“, sagt sie. Besonders fasziniert ist sie von den Kreativ- und Denktechniken, die helfen sollen, Experten zum Sinnieren über unterschiedliche Zukunftsmodelle zu animieren. „Die eine Zukunft gibt es ja nicht. Es ist ja nichts vorherbestimmt. Alles ist möglich. Man schaut sich aber an, was passieren könnte, wenn man in der Gegenwart an einer bestimmten Stellschraube dreht“, erläutert sie das Prinzip der Zukunftsforschung, das sie in ihrem weiteren Studium auch praktisch anwendet – mithilfe von Simulationssoftware.

„Man modelliert am Rechner verschiedene Szenarien und versucht herauszufinden, was man tun muss, damit die Zukunft eintritt, die ich mir wünsche“, ergänzt sie. Dass starke Interessengruppen auch konträre Wunschvorstellungen haben können, macht ihr keine Angst. „Wenn ich weiß, dass man die Zukunft beliebig jeden Tag umschreiben kann, dann macht mir das Mut – auch in unsicheren Zeiten“, sagt sie.

Eigene Zukunft im Consulting

Ihre Masterarbeit schreibt die 27-Jährige über ein Schulprojekt, das Zukunftsdenken und -orientierung im Unterricht zu vermitteln versucht. Die Weichen für ihre eigene, persönliche Zukunft hat sie auch schon gestellt. Sie arbeite derzeit schon nebenberuflich für eine Consultingfirma, die Behörden und Unternehmen in strategischen Entscheidungen unterstützt und in deren Auftrag Vorschauen für Fokusthemen erstellt. „Hier möchte ich erstmal bleiben und meine Ideen, Impulse und Denkanstöße einbringen.“

abi>> 05.06.2018