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Human Factors

Nicht jeder Psychologe wird Therapeut

Lennart Weber weiß, was den Master "Human Factors" an der TU Berlin so einzigartig macht: "Den Ingenieuren und Psychologen in diesem Studiengang steht ein riesiges Angebot an Spezialisierungen offen — an ein und derselben Uni."

Eine Frau sitzt auf einer Couch an ihrem Laptop.

Der Studiengang "Human Factors" hat das Verhältnis Mensch-Maschine.

Foto: Getty Images

Im Oktober kommt Lennart Weber ins dritte Semester des 2005 eingerichteten interdisziplinären Masterstudiengangs, der Bachelorabsolventen der Psychologie ebenso wie der Ingenieurwissenschaften offen steht und – grob gesagt – das Verhältnis Mensch-Maschine zum Inhalt hat. Dass seine Kommilitonen, unter denen sich Frauen und Männer, Ingenieure und Psychologen die Waage halten – aus unterschiedlichen Bundesländern und Nationen sowie aus diversen Fachrichtungen kommen, habe einen besonderen Reiz, findet Lennart Weber. Vom Maschinenbauer und Informatiker bis zum Wirtschaftspsychologen und Kognitionswissenschaftler sei alles vertreten, erklärt der Hamburger, der selbst in Fribourg in der Schweiz seinen B.A. in Psychologie gemacht hat.

Interaktion von Mensch und Maschine

Foto von Lennart Weber.

Lennart Weber

Foto: Privat

Der in der deutschen Unilandschaft noch relativ einzigartige Studiengang ist vor allem der unaufhaltsamen Entwicklung geschuldet, dass Menschen im (Arbeits-) Alltag immer stärker gefordert sind, mit mehr oder weniger komplexen Maschinen zusammenzuarbeiten. Damit diese Interaktion gut funktioniert, muss der „Faktor Mensch“ in seinen psychischen, kognitiven und sozialen Zusammenhängen erforscht werden. Ziel ist es deshalb herauszufinden, wie die Technik gestaltet sein muss, um einerseits den Bedürfnissen und Fähigkeiten des Menschen gerecht zu werden und ihm im Bestfall sogar Spaß zu machen – und andererseits die sichere und effektive Nutzung technischer Systeme zu garantieren.

In Lennart Webers Augen handelt es sich beim Human Factors-Master in erster Linie um ein wissenschaftliches Studium, ein „Datenerhebungsstudium“, für das „ein gewisses technisches Grundverständnis“ absolut reiche. Die Einführung in die Ingenieurwissenschaften in den ersten zwei Semestern sei für ihn jedenfalls ausreichend gewesen. „Die Ingenieure, die ihrerseits die Grundlagen der Psychologie in sehr kurzer Zeit lernen müssen, tun sich sicher schwerer“, glaubt er. Die breiten Wahlmöglichkeiten ab dem dritten Semester, die von den anwendungsorientieren Schwerpunkten wie Fahrzeugtechnik, Luft- und Raumfahrt bis zu den forschungsorientierten Vertiefungen wie Neuroergonomie und Automationspsychologie reichen, dürften alle Interessen seiner Kommilitonen abdecken.

Gute Berufsaussichten

Was die Berufsaussichten angeht, hat Lennart Weber bereits gute Erfahrungen gemacht: „Sowohl bei zwei Usability Agenturen als auch bei EADS hätte ich die Möglichkeit, meine Masterarbeit zu schreiben“, erklärt er. „In den Usability Agenturen würde es darum gehen, Hard- und Software auf ihre Nutzerfreundlichkeit zu überprüfen, also beispielsweise Handys, Navigationsgeräte oder Webseiten.“ Entschieden hat er sich jedoch erst einmal für EADS: In der Konzernforschung „Innovation Works“ in Hamburg absolviert er in den Semesterferien gerade ein Praktikum, bei dem er, „die wahrgenommene Qualität von Flugkabinen“ testet – eigentlich eine wirtschaftspsychologische Fragestellung. Die Erkenntnisse würden als Optimierungsvorschläge in die nächste Flugzeugversion einfließen, erklärt der Praktikant.

Ob er sich später weiter in der Luftfahrtpsychologie spezialisieren und „Luftfahrtmarktforschung“ betreiben wird oder sich für sein zweites Steckenpferd, das Usability Engineering, also die Entwicklung benutzerfreundlicher Software, entscheiden wird, lässt Lennart Weber offen. „Wahrscheinlich promoviere ich erst. Das Gute an meinem Master ist, dass er das Vorurteil, jeder Psychologe müsse Therapeut werden, mit einer Vielfalt an beruflichen Perspektiven widerlegt.“

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