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Darf's noch ein Master sein?

Modellzeichnung, vermutlich ein Bauplan für einen Motorradanhänger.
Du willst wissen, welche Chancen du mit einem Master in Ingenieurwissenschaften auf dem Arbeitsmarkt hast? abi>> fragt bei den Experten nach!
Foto: Martina Striegl

Personalerstatements

Darf's noch ein Master sein?

Sollte man nach dem Bachelor auf jeden Fall noch einen Master dranhängen? Das wollte abi>> von Personalern unterschiedlicher Unternehmen wissen. Eines wurde dabei klar: Bei der Frage nach dem "richtigen" Abschluss geht es nicht um Bezeichnungen, sondern um Studieninhalte. Denn die sind aus Sicht der Unternehmen ausschlaggebend, ob jemand auf eine Position passt oder nicht.

Dr. Christoph Anz, Personalentwicklung bei BMW in München

„Es geht um Inhalte und Qualität der Studiengänge, nicht um die Abschlussbezeichnung. Daher sprechen wir in unseren Stellenausschreibungen bewusst vom Hochschulabschluss als Eingangsvoraussetzung und nicht explizit von Bachelor oder Master. Natürlich gibt es Tätigkeiten wie zum Beispiel Kernaufgaben im Forschungsumfeld und vor allem in der Grundlagenforschung, für die ein Bachelor nicht ausreicht. Aber das betrifft nicht die Mehrheit der Stellen. Diese Grundhaltung spiegelt sich auch in unseren Nachwuchsprogrammen wieder. Auch die Rechnung ‚je leuchtender die Abschlussbezeichnung, umso steiler der weitere Karriereverlauf‘ kann man zumindest für BMW nicht aufmachen: Unabhängig von Bachelor oder Master stehen unseren Mitarbeitern die gleichen Karrierewege offen. Bachelorstudierende sollten also die Möglichkeit nutzen, nach dem Abschluss ins Berufsleben einzusteigen. Später, wenn sie eine Vorstellung davon haben, in welche Richtung sie sich entwickeln möchten, können sie dann immer noch einen Master anstreben.“

Dieter Berndt, Leiter der Abteilung Personalentwicklung der Honsel AG in Meschede

„Ob und wann ein Masterprogramm für Ingenieure Sinn macht, hängt von der Zielsetzung ab: Um ins Topmanagement zu kommen, ist ein ingenieurwissenschaftlicher Master ebenso hilfreich wie ein Master of Business Administration oder eine Promotion. Wer in produktions- und konstruktionsnahe Bereiche einsteigen will, sollte sich hingegen gut überlegen, welchen Master er wählt. Denn ob Universität oder Fachhochschule – viele Bachelorstudiengänge sind sehr allgemein gehalten, während für unser Unternehmen eine Spezialisierung zum Beispiel in Richtung Gießereitechnik sinnvoll ist. Wenn ein Masterprogramm lediglich Themen aus dem Bachelor wiederholt, bringt das also keine Vorteile. Es kommt auf die Studieninhalte an. Für Studierende, die frisch nach dem Abitur ins Studium eingestiegen sind und wenig Praxiserfahrung mitbringen, ist sicherlich der Berufseinstieg nach dem Bachelor ratsam. Mit etwas Praxiserfahrung kann man dann immer noch entscheiden, in welche Richtung man sich weiterentwickeln will.“

Dr. Sarah Ulmschneider-Renner vom Personalmarketing der BASF AG in Ludwigshafen

Porträt von Frau Ulmschneider-Renner.Sie hat schulterlanges rotbraunes Haar, trägt silberne Creolen, eine lilafarbene Bluse und einen dunklen Blazer.

Weiß, für wen ein Master in Frage kommt: Dr. Sarah Ulmschneider-Renner.

Foto: privat

„2011 stellen wir deutschlandweit rund 450 Hochschulabsolventen ein, sowohl Bachelor-, Master- und Diplomabsolventen als auch Bewerber mit Promotion. Ungefähr ein Drittel davon wird in den technischen und ingenieurwissenschaftlichen Bereichen der BASF eingesetzt. Master-Absolventen haben gute Chancen in vielen kaufmännischen Funktionen, in Entwicklung, Produktion und Technik, in der Öffentlichkeitsarbeit und im Umweltschutz, im Anlagenbau oder der Instandhaltung. Je größer das Interesse an einer wissenschaftlichen Aufgabe ist, desto eher sollte man sich für ein Masterstudium oder sogar eine Promotion entscheiden. Möchte man dagegen stark praxisorientiert arbeiten, ist im Normalfall der Bachelor-Abschluss ausreichend.

Bei Hochschulabsolventen ist das Gesamtbild des Kandidaten entscheidend, nicht nur der Abschluss oder ob man an einer Fachhochschule oder einer Universität studiert hat. Neben der fachlichen Spezialisierung sind wir vor allem an der Persönlichkeit des Bewerbers interessiert. Dazu zählen wir Eigenschaften wie etwa Zielstrebigkeit, unternehmerisches Handeln, interkulturelle Orientierung und Kommunikationsfähigkeit. Eine allgemein gültige „Passform“ gibt es da nicht: Wir sehen die Vielfalt unterschiedlicher Charaktere in unserem Unternehmen als willkommene Bereicherung. Praktika, Auslandserfahrungen und gute Noten sind aber von Vorteil.“

abi>> 19.07.2011