"Eine Geistesnaturwissenschaft"
In München haben sich im Wintersemester 2010/2011 auf 144 Studienplätze im Fach Psychologie 1.737 Studienwillige beworben. Mit diesen Zahlenverhältnissen bildet die Ludwig-Maximilians-Uni jedoch keine Ausnahme. Psychologie zu studieren ist der Wunsch so vieler, dass Studienplätze überall in Deutschland hart umkämpft sind.
Der Numerus clausus für ein Psychologie-Studium ist hoch.
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Auch Christina Minaew aus Hagen hat das erlebt: Mit einem Abischnitt von 1,5 hatte sie den Numerus Clausus zum Wintersemester 2008/2009 exakt erfüllt, mit dem die Uni Potsdam das Diplomstudium Psychologie belegt hatte. „Da habe ich mich natürlich wahnsinnig gefreut. Denn der NC liegt jedes Jahr so bei dem Dreh“ sagt die 23-Jährige, die bereits ihr Vordiplom gemacht hat und jetzt ins fünfte Semester kommt. Bei der Auswahl der Studierenden ist die Uni Potsdam kein Einzelfall. Hochschulen wählen ihre Psychologiestudierenden in der Regel nach dem Abischnitt aus und dabei werden gelegentlich auch Einzelnoten, wie etwa in Mathe, stärker bewertet. Einige Hochschulen wie etwa die RWTH Aachen bieten ein freiwilliges Selfassessment an, mit dem Interessenten ihre Eignung feststellen können.
Gute Prognose
Trotz der Schwierigkeiten, zu einem Studium der Psychologie zugelassen zu
werden, steigt die Zahl der Absolventen seit Jahren rapide. Zählte das Bundesamt für Statistik 1993 in Deutschland 2.292 Diplomabsolventen, hatten 15 Jahre später bereits 3.602 Studierende ein universitäres Psychologiestudium nach der alten Studienordnung erfolgreich beendet. Inklusive der Bachelor-, Master- und FH-Abschlüsse sowie der Promotionen machten 2008 insgesamt 4.835 Studenten einen Abschluss in Psychologie.
„Insgesamt entwickelte sich der Arbeitsmarkt für Psychologen in den letzten Jahren durchaus positiv“, sagt Ralf Beckmann vom Team Arbeitsmarktberichterstattung bei der Bundesagentur für Arbeit (BA). So geht die Arbeitslosigkeit seit 2006 zurück. Im Jahresdurchschnitt 2009 waren zehn Prozent weniger arbeitslose Psychologen zu verzeichnen als 2008. Die Arbeitslosigkeit über alle Berufe stieg im gleichen Zeitraum um knapp sechs Prozent. In den vergangenen fünf Jahren wurden bei der Bundesagentur für Arbeit kontinuierlich mehr Stellenangebote für Psychologen registriert. 2009 waren es gut 1.900 Stellen für Psychologen sowie rund 180 Stellenangebote für nichtärztliche Psychotherapeuten.
„Da nicht alle Stellen in Deutschland den Arbeitsagenturen gemeldet werden und Arbeitgeber auch auf anderen Wegen wie beispielsweise Stelleninseraten in Zeitungen beziehungsweise im Internet suchen, liegt die tatsächliche Nachfrage nach Psychologen um einiges darüber“, weiß Arbeitsmarktexperte Beckmann. Die meisten Vakanzen waren in Krankenhäusern und Rehakliniken zu besetzen. Aber auch von Universitäten, Einrichtungen der Erwachsenenbildung, der Öffentlichen Verwaltung, den Sozialversicherungsträgern, der Rechtspflege sowie Pflegeheimen und sozialen Betreuungs- und Beratungseinrichtungen wurden Psychologen gesucht.
Das Klischee vom Seelenklempner
Somit wird deutlich, dass sich nur ein Teil der Psychologen mit der Behandlung psychisch Kranker befasst. „Viele Studienanfänger machen den Fehler zu glauben, alle würden später als Psychologischer Psychotherapeut arbeiten. Der Seelenklempner entspricht eben dem Klischeepsychologen. Was nicht heißt, dass ich diesen Weg nicht einschlagen würde. Das werde ich aber erst nach der Spezialisierung im Hauptstudium entscheiden“, sagt Christina Minaew. Sollte die 23-Jährige tatsächlich diesen Weg wählen, müsste sie ans Studium noch eine Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten anschließen, die in Vollzeit drei und berufsbegleitend fünf Jahre dauern und sich in theoretische Blöcke an Unis oder Akademien sowie in praktische Phasen in Kliniken oder Praxen gliedern würde. Aspekte wie Finanzierung und Stofffülle setzen Durchhaltevermögen und Selbstdisziplin voraus.
Doch bereits das Psychologiestudium habe es in sich, findet Christina Minaew: „Fürs ganze Abi habe ich weniger gelernt als jetzt für eine Klausur.“ Gern bezeichnet sie ihr Fach als eine „Geistesnaturwissenschaft“, da die Lehre vom menschlichen Erleben und Verhalten mit Fächern wie Neurowissenschaften, Biologischer Psychologie und Statistik starke naturwissenschaftliche Komponenten habe. Heiner Deubel, Professor für Psychologie und Studienfachberater an der LMU, stimmt zu: „Die Psychologie ist ein anspruchsvolles, naturwissenschaftlich geprägtes Studium.“
Der Trend zur Spezialisierung
Nicht zu übersehen ist, dass die Hochschulen immer stärker darauf reagieren, in welch unterschiedlichen Gesellschaftsbereichen Psychologen gebraucht werden. Während interdisziplinäre Studiengänge wie die Wirtschaftspsychologie schon seit längerem etabliert sind, werden an immer mehr Unis und vor allem Fachhochschulen sehr spezialisierte Studiengänge angeboten, wie etwa Sport- oder Rehabilitationspsychologie oder auch der Bachelor Gesundheitspsychologie etwa an der FH Gera.






