Zeichnen, designen, forschen oder unterrichten?
Malen, Webseiten gestalten, Kunstwerke nach Epochen klassifizieren können? Wer sich für Kunst interessiert und sein Hobby zum Beruf machen will, der kann zwischen vielen verschiedenen Studiengängen und Bereichen wählen.
Im Kunstbereich gibt es sehr viele verschiedene Berufe und Bereiche.
Foto: WillmyCC
Für Sebastian Thieme (23) stand schon immer fest, dass er „irgendwas mit Kunst“ machen will. „Ich habe schon als Kind angefangen zu zeichnen. Seitdem war mir klar, dass ich in den kreativen Bereich gehen werde“, erzählt er. „Weil ich aber wusste, dass es schwer ist, von der Freien Kunst leben zu können, habe ich mich nach anderen gestalterischen Möglichkeiten umgeschaut.“
Schnell war ihm klar, dass er ein Designstudium an einer deutschen Kunsthochschule aufgreifen will. „Ich bin zwei Monate durch Deutschland gereist und habe mir die verschiedenen Hochschulen angeschaut und mit vielen Professoren geredet.“ Seine erste Wahl fiel auf die Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig. Dort bekam er auf Anhieb einen Studienplatz.
Erste Hürde
Um an der Kunsthochschule angenommen zu werden, musste Sebastian Thieme zunächst eine Mappe mit eigenen Arbeiten einreichen. Das ist für alle künstlerisch-gestalterischen Studiengänge in Deutschland üblich. Die Zusammenstellung der Mappe ist ein schwieriges Thema. Entweder können Werke speziell angefertigt werden oder man stellt sich eine Auswahl der bisherigen künstlerischen Arbeiten zusammen. Aber Vorsicht: Wer direkt nach der Schule anfangen will zu studieren, muss die Mappe schon während der Oberstufe fertigstellen (siehe Kasten „Die Mappe“).
Doch nicht jeder junge Mensch, der Spaß an Kunst hat, weiß gleich, dass es ein Designstudium werden soll. Das Spektrum ist breit. Gibt man Kunst als Suchbegriff etwa bei www.studienwahl.de ein, bekommt man über 300 Treffer. Deshalb ist es wichtig, sich über die Möglichkeiten zu informieren, die die Kunst bietet. „Zunächst gibt es natürlich die Bildende Kunst mit Malerei, Fotografie und Bildhauerei aber auch Medienkunst. Eine weitere Gruppe bilden im Bereich der Angewandten Kunst die vielen Designstudiengänge. „Davon gibt es, neben den Klassikern Kommunikations-, Mode- und Industriedesign, mittlerweile auch sehr spezielle“, weiß Harald Janze, Berufsberater in der Kölner Agentur für Arbeit, „wie etwa das Game-Design.“
Wer sich für die Kunst im engeren Sinne interessiert, dem kann folgende Frage bei der Suche nach dem passenden Studiengang helfen: Will man zwei- oder dreidimensional arbeiten? Wenn man lieber bildlich oder grafisch arbeitet, dann ist Malerei, Fotografie oder Kommunikationsdesign vielleicht die richtige Richtung. Wer gerne Objekte bearbeitet oder Produkte erstellt, der kann sich über Bühnenbild, Produkt- oder Industriedesign oder auch Bildhauerei informieren.
Wissenschaftlich arbeiten
Kunstgeschichte ist für diejenigen ein spannendes Fach, die mehr über Kunstwerke und deren Entstehung wissen wollen. Aber eines ist klar: Hier wird zwar mit Kunst gearbeitet, aber es werden keine Werke geschaffen. Das Studium ist wissenschaftlich und nicht gestalterisch und wird in der Regel an Universitäten gelehrt. Auch die Bewerbung ist nicht so aufwändig wie bei einem Studium im Bereich Bildende Künste oder angewandte Kunst. In einigen Fällen ist der Zugang zum Studium beschränkt, die Bewerber müssen dann beispielsweise einen bestimmten Notendurchschnitt vorweisen können. Kunsthistoriker arbeiten in Museen, Kunstverlagen, als Autoren oder Wissenschaftler.
Eine besondere Rolle spielt das Lehramtstudium Kunst, das in der Regel mit einem weiteren Fach kombiniert werden muss. Da es mit der Aussicht auf eine Verbeamtung gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt verspricht, wählen viele diesen Studiengang als einen Kompromiss zwischen freier Kunst und sicherer Zukunft. „Wer Kunst auf Lehramt studieren will, sollte das aber nicht nur aus dem Wunsch nach Sicherheit heraus tun. Dazu gehört auch, Kunst vermitteln zu können“, meint Harald Janze.
Beruf oder Berufung?
Doch wie findet man heraus, ob man für ein Studium der Freien Kunst geeignet ist? „Wer von sich selbst sagt, er habe eine künstlerische Botschaft, die gehört werden muss, egal welche Hindernisse sich in den Weg stellen, der ist ein Kandidat für die Freie Kunst“, erklärt Harald Janze. In diesem Fall sollte man mit möglichst vielen Leuten sprechen und Mappenberatungen an den Hochschulen in Anspruch nehmen. „So erfährt man einiges darüber, ob man für einen Studiengang geeignet ist“, erklärt Harald Janze. Fast alle Kunsthochschulen bieten Rundgänge an. Das sind Tage der offenen Tür, an denen sich Interessierte anschauen können, was dort gemacht wird. Auch Klaus Heinrich, stellvertretender Kanzler der Kunstakademie Düsseldorf, meint: „Kunst zu studieren, ist eine Berufung. Wer sich nicht berufen fühlt, sollte lieber nach Alternativen schauen.“
Aber das uneingeschränkte Ja zur Kunst ist noch kein Garant für einen Studienplatz: Denn selbst wenn die Mappe angenommen wurde, wartet bei den meisten künstlerischen Hochschulen eine weitere Bewerbungsrunde mit Eignungsprüfungen und Gesprächen. Auch darauf kann man sich vorbereiten. „Man sollte ins Museum gehen und die alten Meister kennen“, rät Klaus Heinrich. „Darauf legen die Professoren viel Wert.“ Eine weitere Voraussetzung für ein künstlerisches Studium ist häufig ein vorhergehendes mehrmonatiges Praktikum. „Einige Abiturienten machen dann direkt eine Ausbildung, zum Beispiel als Tischler oder Fotograf“, erzählt Harald Janze. „Das gibt eine zusätzliche berufliche Sicherheit und mehr Zeit für die Fertigstellung der Mappe.“

