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Ein Studium für Leseratten

Goethes Werke Buch
Goethes Werke oder auch die Dramen von Ludwig Tieck: Im Germanistikstudium spielt Literatur eine zentrale Rolle.
Foto: Martin Rehm

Germanistik

Ein Studium für Leseratten

Seite für Seite, Band für Band: In ihrem Germanistikstudium an der Universität zu Köln musste Laura Ritter (24) zwei bis drei Bücher pro Woche lesen.

Schon in der Schule hatte Laura Ritter viel Spaß am Lesen. Und da sie auch den Deutsch-Leistungskurs gut fand, entschied sie sich nach dem Abi für ein Germanistik-Studium. An der Universität zu Köln heißt der entsprechende Studiengang „Deutsche Sprache und Literatur“. Im Grundstudium des 2-Fach-Bachelors belegte Laura Ritter, die inzwischen im zehnten Semester studiert, Veranstaltungen in den drei großen Bereichen: Ältere Deutsche Literatur, Neuere Deutsche Literatur und Sprachwissenschaften, also Linguistik. „In der Linguistik untersucht man alle Bereiche der Sprache – von der Phonetik, also den Lauten, über die Syntax, also die Satzstrukturen, bis hin zur Semantik, der Bedeutung der Zeichen“, erklärt Laura Ritter.

Ein Porträt-Foto von Laura Ritter

Laura Ritter

Foto: Janna Degener

In der Älteren Deutschen Literatur geht es darum, dass die Studierenden das Mittelhochdeutsche richtig aussprechen und übersetzen können. Außerdem sollen sie verstehen, wie die Gesellschaft damals funktionierte, um auf dieser Basis deren Literatur zu interpretieren. Spannend war für Laura Ritter, dass sie über historische Reflexionen einen neuen Blick auf die deutsche Sprache gewinnen konnte: „Manche der mittelhochdeutschen Wörter waren mir noch nie begegnet. Aber einige Kommilitonen kannten sie, weil sie aus anderen Ecken stammten und Dialekt sprachen. Das fand ich faszinierend.“

Gut gefallen hat Laura Ritter auch, dass sie in der Neueren Deutschen Literatur relativ große Wahlfreiheiten hatte und auch modernere Werke behandelt wurden. So hat sie zum Beispiel ein Seminar zur Kriminalfallgeschichte des letzten Jahrhunderts besucht und eines, in dem deutsche mit amerikanischen Comics verglichen wurden.

Vom Nibelungenlied bis zum Roman „Die Wolke“

Im Aufbaustudium vertiefte Laura Ritter vor allem ihre Kenntnisse in der Literatur. „Man weiß ja, dass man in der Germanistik viel lesen muss, aber ich war von dem Pensum trotzdem überrascht“, sagt die 24-Jährige. So musste sie nicht selten zwei bis drei Bücher pro Woche lesen. Auch die Analyse und Interpretation der Werke war deutlich anspruchsvoller, als sie es aus dem Deutschunterricht an der Schule kannte.

So beschäftigte sie sich beispielsweise intensiv mit den Dramen des deutschen Dichters und Schriftstellers Ludwig Tieck sowie verschiedenen Werken, in denen das Schiffbruchszenario eine Rolle spielt. „Ich war in einem Seminar zu Technikkatastrophen auf das Thema gestoßen, in dem es auch um Atomunfälle ging. Da haben wir zum Beispiel Christa Wolfs ‚Störfall‘ gelesen. Das Thema spielt auch in der Kinder- und Jugendliteratur eine Rolle, etwa in ‚Die Wolke‘ von Gudrun Pausewang“, erklärt Laura Ritter. Eine wichtige Hausarbeit widmete sie einer Figur, die im deutschen Nibelungenlied sowie in skandinavischen Texten auftaucht.

Praxisluft oder Master?

Als zweites Fach neben der Germanistik entschied sich Laura Ritter in ihrem Bachelorstudiengang, der zwei Fächer kombiniert, für Skandinavistik. „Es gibt da nur eine kleine Auswahl an Lehrveranstaltungen, weil es ein kleines Institut ist. Im Vergleich dazu hat man in einem großen Fach wie Germanistik ein sehr umfangreiches Angebot an Lehrveranstaltungen“, erklärt sie.

Dennoch schreibt die 24-Jährige derzeit ihre Bachelorarbeit nicht in Germanistik, sondern in Skandinavistik. Sie überlegt, im Anschluss daran ein Jahr auszusetzen und in Praktika Praxisluft zu schnuppern. Spannend findet Laura Ritter beispielsweise den Journalismus. Sie würde aber auch sehr gerne etwa als Lektorin in einem Verlag arbeiten. Alternativ kommt eventuell auch noch ein Master im Bereich Germanistik für sie infrage.

abi>> 03.08.2015