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Seltene Studiengänge

"Kleine Fächer" in Zeiten von Bachelor und Master

Die Umstellung der Studiengänge auf das Bachelor- und Mastersystem hat in der deutschen Hochschullandschaft für große Veränderungen gesorgt - auch bei den seltenen Studiengängen. Die Zahl der eigenständigen Studiengänge in den "Kleinen Fächern" ist in den vergangenen Jahren zurückgegangen.

Auf dem Foto ist eine Frau zu sehen, die fremde Schriftzeichen auf eine Tafel schreibt.

Seltene Studiengänge sind auch von der Umstellung auf den Bachelor und Master betroffen.

Foto: WillmyCC

„Dies gilt vor allem für die alten und die außereuropäischen Sprachen und Kulturen sowie die kleinen naturwissenschaftlichen Grundlagenfächer wie Geophysik oder Mineralogie“, erklärt Dr. Katrin Berwanger von der Arbeitsstelle Kleine Fächer an der Universität Potsdam. „Mit der Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge sind sie in neue multidisziplinäre Verbundstudiengänge eingegangen.“

So besteht etwa der Bachelorstudiengang Orientwissenschaft an der Universität Marburg aus Arabistik, Islamwissenschaft, Iranistik, Altorientalistik und anderen Fachgebieten. „Die ‚Kleinen Fächer’ werden dort interdisziplinär in größeren historischen und kulturellen Zusammenhängen gelehrt.“ Mineralogie ist heute vielerorts Teil interdisziplinärer geo- oder materialwissenschaftlicher Studiengänge. An der Universität Aachen etwa wird das Fach im Bachelor- und Masterstudiengang „Angewandte Geowissenschaften“ gemeinsam mit der Paläontologie, Kristallographie und Geophysik studiert. „Die Verbünde haben den Vorteil, dass mehr Studierende als früher die ‚Kleinen Fächer’ kennenlernen, allerdings sind die Fächer in den Studiengangslisten der Universitäten seltener zu finden und die Fachprofile können unscharf werden.“

Es sind aber nicht nur seltene Studiengänge weggefallen oder in größeren aufgegangen – die Umstellung auf Bachelor und Master hat auch neue mit einer starken Spezialisierung hervorgebracht. Ein Beispiel ist der Masterstudiengang „Radioactive and Hazardous Waste Management“ (Management und Endlagerung gefährlicher Abfälle) an der Technischen Universität Clausthal, an dem unter anderem die Geophysik, die Geochemie und die Mineralogie beteiligt sind. Ein anderes Beispiel ist die Entwicklung im Fach „Tanzwissenschaft“. Wurde es früher nur im Verbund mit der Theaterwissenschaft, die selbst zu den „Kleinen Fächern“ zählt, angeboten, gibt es heute etwa die Masterstudiengänge „Tanzwissenschaft“ an der Freien Universität Berlin sowie an der Hochschule für Musik Köln.

Prognosen zur Entwicklung

Doch wie sieht die Zukunft seltener Studiengänge aus? „Tendenziell wird es auf der Bachelorstufe künftig noch mehr Verbundstudiengänge statt eigenständiger Studienangebote geben“, sagt Dr. Katrin Berwanger. Bei der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) ist man hingegen optimistisch: „Die Kleinen Fächer werden insgesamt eine gute Zukunft haben. Sie sind in ihrer starken Ausprägung ein spezifisches Merkmal der deutschen Universitätslandschaft und stellen für einige Universitäten ein Profilierungselement dar“, sagt HRK-Präsidentin Professor Dr. Margret Wintermantel. „Einzelne Fächer wie die Islamwissenschaften haben in den letzten Jahren durch unvorhergesehene gesellschaftliche Entwicklungen eine besondere Relevanz bekommen. Die ‚Kleinen Fächer’ sollten erhalten bleiben, da sie unser Wissen über andere Kulturen bewahren helfen und uns dabei unterstützen, die eigenen kulturellen Identitäten durch Auseinandersetzung mit anderen Kulturen ständig neu überprüfen zu können.“

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