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Im Trend: Multimedia studieren

Programmierer und Gestalter

Medieninformatik und Kommunikationsdesign: Was so unterschiedlich klingt meint doch im Grunde das Gleiche. Die akademische Ausbildung im Bereich Multimedia vereint technische und gestalterische Inhalte, ist spannend, abwechslungsreich und verspricht auch gute Aussichten für den Berufsstart.

Verschiedene Steckkarten eines PC übereinandergelegt.

Nicht nur Design und Gestaltung ist wichtig. Je nach Einsatzgebiet muss man sich vor allem mit der Technik die hinter dem Design liegt, auskennen.

Foto: Limbach

Marian Sander arbeitet beim Film. Aber seine Helden sind nicht aus Fleisch und Blut. Der Film, an dem Marian Sander mitarbeiten darf, entsteht am Computer wie viele computeranimierte Streifen wie etwa „Shrek“ oder Zeichentrickfilme. Der 23-Jährige ist Student des Studiengangs Kommunikationsdesign mit Studienrichtung Multimedia an der Fachhochschule Hannover, und er darf seit seinem Praxissemester bei Ambient Entertainment, der deutschen Antwort auf die Pixar Trickfilmstudios, mitarbeiten. Er programmiert dort den Szenenhintergrund für eine 3-D-Inszenierung von Erich Kästners „Konferenz der Tiere“.

Beliebte Branche

Arbeiten für Film und Fernsehen sind bei jungen Menschen beliebt. „Wir merken, dass vor allem Abiturienten ein großes Interesse an sogenannten ,Multimedia-Studiengängen‘ haben“, berichtet Rüdiger Salomon, Studienberater der Agentur für Arbeit in Konstanz. „Für viele klingt das nach Freizeit, nach Handy, Computerspiel und Internet. Wir müssen dann den Leuten erst einmal die ungeheure Bandbreite an Berufen und deren Anforderungen hinter diesem Schlagwort klarmachen“.

Aber was bedeutet eigentlich Multimedia? „Der Begriff steht heute für die Nutzung und Arbeit mit elektronischen Medien aller Art: Ton und Bild, bewegt und unbewegt vom Großbildschirm bis zum Handydisplay“, sagt Stefan Pfisterer, Bereichsleiter Bildung und Personal beim Branchenverband BITKOM. Die Arbeitsfelder sind vielfältig, sie reichen von den klassischen Design-Disziplinen bis hin zur technischen Umsetzung und Verarbeitung in den informatischen Bereichen.

Diese Bandbreite spiegelt sich auch im Angebot an Studiengängen wider. Wer derzeit über den Hochschulkompass nach Multimedia-Studienplätzen sucht, erzielt etwas mehr als 60 Treffer – in einem erstaunlich breiten Spektrum. Die Klassiker sind Studiengänge mit Bezeichnungen wie Kommunikationsdesign oder Medieninformatik. Aber Elemente aus dem Bereich Multimedia sind auch in wirtschaftswissenschaftlichen oder journalistischen Studiengängen zu finden. Angeboten werden die Studiengänge etwa auch an Lehrstühlen für Kunstpädagogik.

Marian Sander

Marian Sander

Foto: Privat

Auch was die Zugangsvoraussetzungen anbelangt, gibt es viele Unterschiede: Zugangsfreie Studiengänge wie etwa „Informatik und Multimedia“ an der Uni Augsburg, Fächer, die über einen Numerus Clausus besetzt werden, wie etwa der Bachelor „Multimedia Production“ an der Fachhochschule Kiel. Es gibt aber auch mehrstufige Bewerbungsverfahren, die zur Auswahl der Studierenden in künstlerisch ausgerichteten Studiengängen wie etwa „Kunst und Multimedia“ an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München genutzt werden. So werden die gestalterischen Qualitäten der Studienbewerber getestet. In der Regel wird eine Mappe mit eigenen Werken eingereicht. In einer zweiten Runde steht häufig eine Prüfung an, in der man seine künstlerischen Fähigkeiten vor der Auswahljury der Hochschule unter Beweis stellen muss. Danach müssen die Bewerber häufig noch ein mündliches Vorstellungsgespräch meistern.

Hang zur Technik

Eines ist klar: Wer in Studium und Beruf Erfolg haben will, der muss großes Interesse an Technik haben. „Vor allem Leute die sich mit Technik, Programmierung und den Anforderungen des Internets auskennen, werden heute stark gesucht“, weiß Dierk Ladendorff, bildungspolitischer Sprecher des Bundesverbandes Digitale Wirtschaft (BVDW). Ein Bereich, der gute Wachstumsraten verspricht, ist das Gamedesign. „Dort sehen wir derzeit enorme Wachstumsraten. Das Programmieren von erfolgreichen Spielen, die den heutigen Ansprüchen genügen, in ihrer Animation, in der Komplexität ihrer Abläufe, in ihrer grafischen Gestaltung, verlangt eine Menge talentierter und versierter Programmierer“, sagt Stefan Pfisterer von BITKOM. Deshalb werde hier einiges auch in Personal investiert. Daneben registriert der Verband auch ein gesteigertes Interesse an Spezialisten, die Applikationen für mobile Geräte – Handys etwa – entwickeln können. „An solchen professionell gemachten Anwendungen gibt es ein steigendes kommerzielles Interesse, mit entsprechenden Chancen für Leute, die sich damit auskennen“, sagt Stefan Pfisterer.

Ist denn ein Schüler, der hauptsächlich an kreativer Arbeit interessiert ist, überhaupt richtig in einem “Multimedia”-Studiengang? „Multimedia hat auch immer etwas mit Kreativität zu tun. Reine ,Zeichner‘ sind hier aber nicht angesprochen“, weiß Stefan Pfisterer. Wer mit Hilfe von technischen Systemen Entwürfe anfertigen, weiterentwickeln und realisieren wolle, der sei hier richtig. Und der BITKOM-Vertreter hat ein Beispiel zur Hand: Wer eine neue Figur für ein Computerspiel „erfinden“ will, muss kein Multimedia-Spezialist sein, wer mit dieser Figur digitale Welten bevölkern will, muss es in jedem Fall sein. „Für alle Multimedia-Fächer gilt, man muss vor allem logisch strukturiert denken können, ein gutes mathematisches Verständnis mitbringen und sich für Computer und Technik begeistern“, bringt es Pfisterer auf den Punkt.

„Die Hochschulen“, sagt Stephan Pfisterer, der die Interessen der digitalen Wirtschaft vertritt, „haben den Bedarf nach diesen Fachkräften zum Glück erkannt.“ Dass heißt, sie bilden weniger in einzelnen Medien spezialisierte Kräfte aus, sondern Generalisten, die verschiedene Mediensparten bedienen können, computererprobt sind und vor modernster Technik nicht zurückschrecken. Apropos Generalist: Um sich möglichst breit aufzustellen, ist es sinnvoll, sich etwa für ein Bachelorstudium im Bereich Informatik zu entscheiden und dann einen Multimedia-Master draufzusatteln.

Passende Hochschule finden

Multimedia kann nicht nur an staatlichen Hochschulen belegt werden. Auch einige private Hochschulen machen hier Angebote – mit teilweise erheblichen monatlichen Studiengebühren. Interessierte sollten hier unbedingt darauf achten, dass die Abschlüsse staatlich anerkannt sind. Wer den passenden Studiengang an der richtigen Hochschule finden will, kann sich etwa an folgenden Kriterien orientieren: „Schauen Sie in die Modulhandbücher. Sind die Lernziele dort verständlich beschrieben? Wird darin klar, was Sie dort erwartet? Diffuse Kursbeschreibungen bedeuten oft auch unstrukturierte Inhalte“, erklärt Stefan Pfisterer.

Ein zweites Merkmal für eine gute Hochschule seien die Dozenten. Wichtige Fragen sind hier etwa: Sind unter diesen genügend Leute aus der Praxis? Können sie Agenturerfahrung vorweisen, oder haben sie bei großen Unternehmen der Branche gearbeitet? „Das ist ein Qualitätsmerkmal“, sagt der BITKOM-Vertreter, denn zum einen brauche das Geschäft den Praxisbezug und zum anderen sicherten Dozenten aus der Praxis auch den Kontakt der Hochschule mit der Unternehmenswirklichkeit. Ein weiterer Pluspunkt: Diese Bezüge und Netzwerke können den Studierenden den Berufseinstieg erleichtern.

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