Wenn jemand Fabian Panter in der Kollegstufe gesagt hätte, dass er einen Teil seines Studiums in Frankreich absolvieren würde, hätte er verwundert den Kopf geschüttelt. Französisch hatte er schon in der zehnten Klasse abgewählt. „Mein Heimatort liegt zwar direkt an der Grenze zu Frankreich, aber mit der Landessprache konnte ich damals nicht viel anfangen. “ Ihm sei jedoch schon früh klar gewesen, dass er unbedingt Chemiker werden und Auslandserfahrung sammeln wollte. Für einen angehenden Naturwissenschaftler, dachte er, käme aber nur Englisch in Frage.
An der Universität des Saarlandes hatte er sich zunächst für den regulären Studiengang Chemie eingeschrieben, besuchte Lehrveranstaltungen zu Grundlagen der Chemie, Biochemie, Physik, Mathematik, Thermodynamik und Kinetik oder Makromolekularer Chemie. Im zweiten Bachelorsemester erfuhr Fabian Panter auf einer hochschulinternen Infoveranstaltung von der Möglichkeit, den deutsch-französischen Doppelabschluss zu erlangen. Die Vorstellung, einen Teil seines Studiums in Strasbourg (Straßburg) zu verbringen, gefiel ihm. „Auf diese Weise kann ich nicht nur einen Auslandsaufenthalt vorweisen, sondern sogar noch einen zweiten Hochschulabschluss.“
Um einen Platz an der kooperierenden Ecole Européenne de Chimie, Polymères et Matériaux (ECPM) zu bekommen, musste der Student einen handschriftlichen Lebenslauf und ein Motivationsschreiben einreichen. „Unser Studiengangskoordinator hat auch geprüft, ob alle vorgeschriebenen Module aus dem Bachelor zu diesem Zeitpunkt bestanden waren“, erklärt Fabian Panter, der nach dem vierten Semester nach Strasbourg gegangen und inzwischen im sechsten Semester angekommen ist. Zwei weitere Semester wird der 22-Jährige noch in Frankreich verbringen; danach stehen noch zwei Semester in Saarbrücken an, bevor er den Mastertitel und das französische Diplom in der Tasche hat.
Vorlesungen in drei Sprachen
Den Studienplatz an der ECPM bekam Fabian Panter ohne Probleme. „Die Zahl der Bewerber hält sich in Grenzen, weil die Kombination Chemie und Französisch für viele eher ungewöhnlich erscheint.“ Mit der französischen Sprache konnte er sich dann aber schnell anfreunden. „Die Lehrveranstaltungen sind teilweise auch in Englisch und Deutsch. Nach einem Eingangstest wird man entsprechend eingeteilt.“ Der 22-Jährige besucht darum auch viele Veranstaltungen in den anderen beiden Sprachen. Sein Französisch verbessert er jedoch in Sprachkursen. Außerdem stehen natürlich Vorlesungen und Labor-Seminare in Chemie auf dem Plan sowie betriebswirtschaftlich orientierte Fächer, in denen auf industrielle Prozesse und Zusammenhänge eingegangen wird.
Während seiner Zeit in Strasbourg lebt Fabian Panter in einem Studentenwohnheim. Weil das arbeitsintensive Chemiestudium kaum Raum für Nebenjobs lässt, wird er von seinen Eltern unterstützt, einen Teil decken Förderungen ab. Monatlich erhält er 150 Euro Mobilitätsbeihilfe von der deutsch-französischen Hochschule und 170 Euro Wohngeld (Caisse d’allocations familiales ‒ CAF) vom französischen Staat. Studiengebühren braucht er als ausländischer Student in Frankreich nicht zu bezahlen.
Nach dem erfolgreichen Abschluss seines Studiums kann Fabian Panter den Master in Chemie und das Diplôme d’Ingénieur vorweisen. Seine berufliche Zukunft sieht er eher in Deutschland. „Ich möchte in die analytische Chemie gehen und bin sicher, dass ich von meiner Auslandserfahrung auf jeden Fall profitieren werde.“






