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Computerlinguistik

Von Codes und Quellen

Wer Computerlinguistik studieren will, braucht Leidenschaft fürs Formale und für Sprache gleichermaßen - wie Britta Zeller (26), die dieses zukunftsträchtige Fach in Heidelberg studiert.

Eine Frau mit langen langen dunkelbloneden Haaren sitzt vor einem PC.

Sie bringt dem Computer Sprachfeinheiten bei: Britta Zeller.

Foto: Privat

Ruprecht-Karls-Uni Heidelberg, Neuphilologische Fakultät. Hier tagt gerade die „Fs-Coli“.  Gemeint ist kein Bakterienstamm, vielmehr trifft sich hier die Fachschaft der Computerlinguistik. Damit ist man eigentlich schon mittendrin in dieser Wissenschaft, die sich mit Sprache und ihren Besonderheiten, also auch mit  Abkürzungen wie „Coli“ beschäftigt.

„Wir arbeiten an der Vereinbarkeit von natürlicher Sprache und Computersprache“, erklärt Britta Zeller. Das Ergebnis begegnet einem überall: Ob bei Internet-Suchmaschinen, automatischer Übersetzung oder Sprachcomputern in Hotlines – in allen Fällen müssen Maschinen natürliche Sprache verstehen oder basieren auf ihren Codes.

„Insgesamt sind wir rund 300 Coli-Studierende“, erzählt Britta Zeller, die im sechsten Semester ist und als Zweitfach Portugiesische Literatur gewählt hat. „Viele von uns können als Hilfskräfte arbeiten. Netzwerken geht einfach gut, wenn die Strukturen so überschaubar sind“, ist sie überzeugt. Außerdem schätzt sie Heidelberg: „Hier gibt es Forschungseinrichtungen wie das European Media Laboratory, SAP hat seinen Hauptsitz um die Ecke – und das Institut hat drei Professoren, die in ihrer Studienzeit selbst schon für Computerlinguisten spezialisierte Lehrveranstaltungen besuchten.“ Etwa zu Algorithmischer Linguistik und Datenstrukturen. Als eigenständige Disziplin gibt es das Fach erst rund 15 bis 20 Jahre.“

Sprache, Struktur – und Experimentierfreude

Was sollte ein Coli-Studi mitbringen? „Zukünftige Studierende sollten Begabung für analytisches und strukturiertes Denken mitbringen – und ebenso Interesse an Mathematik, Informatik und natürlichen Sprachen“, sagt Prof. Dr. Anette Frank, Computerlinguistin in Heidelberg. „Das Fach zu studieren, bedeutet, Sprachen ganz praktisch zu untersuchen, ihre Strukturen theoretisch zu verallgemeinern und diese Theorien dann ingenieurmäßig in effizienten Softwareprogrammen umzusetzen.“ Genau das fließe auch im Studium an allen Stellen zusammen.

„Für die Orientierungsprüfung belegt man zum Beispiel ECL, die Einführung in die Computerlinguistik, und P1, den ersten Programmierkurs“, sagt Britta Zeller. Die ECL gibt eine Übersicht zur formalen Erfassung von Sprache: zu Syntax, Semantik, Pragmatik, zu mathematischen Ansätzen von deren Bearbeitung und ihren typischen Einsatzbereichen. „Ein Beispiel ist POS-Tagging, das Klassifizieren von Wortarten wie Nomen oder Verben in einem Text“, erklärt Britta Zeller. Der Kurs sei ein Gradmesser: „Wer die ECL nicht mag, ist hier falsch.“

Das Programmieren hingegen sei eine Frage der Übung: „Irgendwann macht es ‚klick’“, meint die 26-Jährige, die dank ihres Bachelor-Erststudiums der Wirtschaftsinformatik an der Berufsakademie Ravensburg (heute: Duale Hochschule) programmier-fit war: „Nach Heidelberg kam ich 2006, weil ich mich gern tiefer in Forschungsthemen einarbeiten wollte. Außerdem kann ich hier meinen Entdeckungs- und Experimentiertrieb ausleben.“

Neulingen der Computerlinguistik helfe es, die oft verteilten Übungsblätter durchzuackern, die abstrakte Grundlagen anwendbar machen. „Bei uns muss wenig auswendig gelernt, dafür Transferwissen angewendet werden“, sagt Britta Zeller. In den höheren Semestern folgt mehr Forschungstheorie. „Man bearbeitet wissenschaftliche Artikel und programmiert auch einige Sachen nach.“ Theorieinhalte aus dem Grundstudium tauchen jetzt in praktischer Verwendung wieder auf: „Etwa, wenn wir Textauszüge aus Wikipedia in ein Format packen sollen, mit dem wir dann komplexere Beobachtungen machen oder Berechnungen durchführen können.“

Ein Navi, das mitdenkt

Hinzu kommen Vorträge von Praktikern aus der Wirtschaft und Projekte, die während des Semesters absolviert werden. „Einige meiner Kommilitonen arbeiten beispielsweise als Hilfskräfte an einem Navigationssystem, das eine intuitivere Wegbeschreibung als die übliche liefert“, erzählt die 26-Jährige. „Das heißt: keine typischen Anweisungen wie ‚nach 200 Metern links abbiegen’, sondern ‚vor dem McDonalds links abbiegen’. Das Navi bezieht aus weiteren Quellen Wissen über die Lokalitäten ein, die Wegbeschreibung wird ‚menschlicher’.“

Die Faszination für ihr Fach war von Anfang an groß. „Gerade habe ich im Bereich Paraphrasen gearbeitet“, sagt sie begeistert. „Eine Kostprobe? Es gibt ja bedeutungsähnliche Teilsätze wie ‚er starb’ und ‚er schied dahin’. Wie bringt man dem Computer den Kontext eines Wortes bei, wenn es an die Übersetzung ins Englische geht? Da heißt es ‚he died’ oder auch ‚he passed away’ - ein Übersetzungsprogramm muss die Feinheiten der Verwendung wissen. Das programmieren wir.“

Britta Zeller studiert noch auf Magister, mittlerweile gibt es in Heidelberg aber auch einen Coli-Bachelor und den aufbauenden Masterstudiengang. Demnächst steht ihre Magisterarbeit an – vielleicht zum Thema maschinelles Übersetzen. Anschließend würde sie gern nach Portugal gehen. 2008/2009 war sie für ein Auslandssemester in Porto, studierte und hängte ein Praktikum im linguistischen Institut der Uni dran. Sie würde auf Dauer gern in der Forschung bleiben. „Vielleicht sogar in Portugal.“

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