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Lehramt Gymnasium in Ulm

Keine Zeit für Partys

Cornelius Miller (21) studiert im ersten Semester Lehramt an Gymnasien an der Universität Ulm. Seine Fächerkombination Mathe und Chemie - in der Schule seine beiden Lieblingsfächer - ist unerwartet lernintensiv.

Cornelius Miller steht vor einer bunten gestreiften Tapete. Er hat hellbraunes Haar, einen Bart und helle Augen und trägt einen grauen Kapuzenpulli.

Cornelius Miller will später Mathe und Chemie am Gymnasium unterrichten.

Foto: Privat

Was für ein Typ Lehrer er mal sein will, weiß Cornelius Miller genau: Einer, der trockenen Stoff mit ganz viel Spaß rüberbringt. „Zum Beispiel könnte ich mit meinen Schülern berechnen, ob und wie viele Luftteilchen aus Goethes letztem Atemzug man wahrscheinlich einatmen könnte“, schmunzelt der gebürtige Biberacher.

Bewusstsein schärfen

Er gehört zur ersten Generation von Lehramtsstudierenden in Baden-Württemberg, die als Zulassungsvoraussetzung die Teilnahme an einem Selbsttest nachweisen mussten. „Eine Entscheidung für ein Lehramtsstudium erfolgt häufig auf Grund des Interesses an einer Fachwissenschaft, die spätere pädagogische Tätigkeit kann leicht aus den Augen verloren werden“, erklärt Dr. Marc Lamche, Geschäftsführer des Zentrums für Lehrerbildung der Universität Ulm. „Ziel des Selbsttests ist es, sich mit Situationen im Lehrerberuf auseinanderzusetzen und dabei das Bewusstsein für die späteren Aufgaben zu schärfen.“

Die Testfragen, die Cornelius Miller beantwortet hat, lauteten zum Beispiel: Interessiert es Sie, sich permanent fachlich weiterzubilden? Könnte es Ihnen Spaß machen, sich mit den Eltern der Schüler auseinanderzusetzen? „Man muss das schon ehrlich beantworten, sonst bringt einem der Test keinen Erkenntnisgewinn“, sagt der 21-Jährige. Er hat gut abgeschnitten und weiß ohnehin, worauf er sich einlässt, denn sein Berufswunsch kommt nicht von ungefähr: Millers Mutter ist Lehrerin, und er selbst leitet seit sechs Jahren einen Spielmannszug mit 60 sechs- bis dreizehnjährigen Jungs.

Montags sechs, mittwochs zwei, donnerstags und freitags vier Stunden Uni – so sieht der Stundenplan von Cornelius Miller aus. Dazu kommt das Chemiepraktikum immer dienstags von 13 bis 18 Uhr. „Das hört sich vielleicht gar nicht so viel an, aber die Vor- und Nachbereitung ist unheimlich zeitintensiv“, seufzt der Studienanfänger. „Von wegen Studenten hängen nur auf Partys rum!“ Allein für das Kolloquium des Chemiepraktikums lernt Miller dreieinhalb Stunden in der Woche Reaktionsgleichungen auswendig.

Die ersten Laborerfahrungen gleichen einem Sprung ins kalte Wasser, denn mit den Experimenten im Chemieleistungskurs haben sie wenig zu tun: „Wir hatten schon mehr als einmal eine Laborräumung, weil jemand aus Versehen ein giftiges Gas hergestellt hat!“ Hört sich lustig an, nur: Wenn die Versuche nicht gelingen, gibt’s auch keine Leistungspunkte.

„Die in einem Universitätssemester vermittelten fachwissenschaftlichen Inhalte sind riesig im Vergleich zu den Inhalten in einem Kurshalbjahr in der gymnasialen Oberstufe. Daher ist es für viele Erstsemester überraschend, wie arbeitsintensiv ein Studium ist“, weiß Dr. Lamche vom Zentrum für Lehrerbildung. „Trotz vieler zur Verfügung stehender Beratungsmöglichkeiten lässt sich ein gewisser Praxisschock nicht vermeiden. Nach dem ersten oder zweiten Semester haben sich die Studierenden aber an die Arbeitsbelastung gewöhnt.“

Die Praxis kommt später

Den lehramtsorientierten Anteil seines Stundenplans findet Cornelius Miller eher klein. Module aus Bereichen wie Schulpraxis, Bildungswissenschaften und Didaktik machen nur 72 von insgesamt 300 Leistungspunkten bis zum Ersten Staatsexamen aus. Das ist jedoch bewusst so gegliedert, erklärt Dr. Lamche: „Die Idee ist, dass im Studium eine solide fachwissenschaftliche Grundlage in zwei Fächern gelegt wird. Daher nehmen die Fachwissenschaften rund 70 Prozent des Studiums ein. Im Vorbereitungsdienst wendet sich dann das Blatt. Nun werden die Fachwissenschaften vorausgesetzt und die Bildungswissenschaften sowie die Didaktik der Fächer nehmen den meisten Raum ein.“

Für Cornelius Miller steht in den kommenden Semesterferien zumindest erstmal sein erstes Schulpraktikum an einem allgemeinbildenden Gymnasium in Laupheim an, auf das er sich sehr freut. Und was die Universität angeht, ist er zuversichtlich: „Ich werde mich da durchbeißen, denn ich weiß ja, warum ich das mache: Weil ich unbedingt Lehrer werden will!“

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