Daheim in Sophies Welt
Ein Buch war der Auslöser. "Sophies Welt hat mich total fasziniert", erzählt Julia Kazakevitch. Die 21-Jährige hat Jostein Gaarders Schmöker über die Geschichte der Philosophie in der Oberstufe regelrecht aufgesogen — und sich dann für ein Lehramtsstudium entschieden: Den Bachelor of Education Philosophie/Ethik an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz.
Julia Kazakevitch will Ethiklehrerin am Gymnasium werden.
Foto: Privat
„Das war auch genau das Richtige!“, sagt sie. Das Studieren macht ihr einfach Spaß, sie muss sich nicht zu Hausarbeiten zwingen oder vor Prüfungen tagelang büffeln. Weil sie die Philosophie faszinierend findet, hat sie die zehn Pflichtgebiete am Ende des vierten Semesters „fast fertig“. Angefangen bei den anthropologische Grundlagen, über Angewandte Ethik bis hin zur Religionsphilosophie.
Wie dachte das Mittelalter?
„Besonders die mittelalterliche Philosophie interessiert mich“, sagt Julia Kazakevitch. Denn hier finden sich viele Anknüpfungspunkte zur christlichen Theologie. Die Parallelen findet Julia Kazakevitch hochinteressant – obwohl und gerade weil sie dem jüdischen Glauben angehört. „So unterschiedlich sind die Philosophie und die Theologie gar nicht.“
Außerdem sei der Diskurs allein schon wichtig. Genau dies fordert das Studiengangskonzept des Bachelor of Education Philosophie/Ethik. Dort heißt es: „Auch und gerade angesichts der zunehmenden Komplexität und Pluralität der modernen Welt ist nicht nur die Kenntnis der eigenen kulturellen Traditionen und Besonderheiten von Bedeutung, sondern auch die allgemeine Kompetenz, sich mit pluralen und heterogenen Positionen auseinander setzen zu können.“
Eine Vielfalt, die Julia Kazakevitch in der Schule erlebt. In den Semesterferien leistet sie dort die verpflichtenden Praktika. Diese sind eine Neuerung, die mit der Reform der Studiengänge kam: In Rheinland-Pfalz sollen angehende Lehrer schon während des Studiums ausprobieren, ob ihnen das Unterrichten liegt.
Berufsziel: Lehrerin
Julia Kazakevitch arbeitet zurzeit in der Hauptschule, hat aber früher schon Stunden in einer Realschule gehalten. „Einmal habe ich in einer fünften Klasse den Einstieg über den „Kleinen Prinz“ gemacht und damit das Interesse der Kinder geweckt.“ Die junge Frau ist sich sicher, dass sie nach dem Bachelor mit dem Master-Studiengang weitermachen wird: Ihr Berufswunsch ist Gymnasiallehrerin.
Dazu muss sie sechs Semester Bachelor of Education studieren. Wie im Baukasten fügen sich die verschiedenen Module zum Studienverlaufsplan, das sechste Semester ist für die Abschlussarbeit vorgesehen. Darauf kann bruchlos der Master of Education, den die Johannes-Gutenberg-Universität gerade entwickelt, aufgesetzt werden. „Vielleicht sollte ich noch ein Auslandssemester machen?“, überlegt Julia Kazakevitch.
Sicher ist: Sie will am Gymnasium unterrichten, unter anderem weil die Bezahlung dort besser ist. Vor allem aber, weil die Schüler dort sich freiwillig fürs Wahlfach Ethik oder für die Philosophie entscheiden und größeres Interesse mitbringen.
Ihr zweites Fach – Geschichte – ist ebenfalls kein Hauptfach. Das heißt, sie wird in vielen Klassen immer nur wenige Stunden Unterricht halten. „Mir macht das nichts“, sagt Julia Kazakevitch. Beide Fächer sind ihre Lieblingsfächer und sie weiß: „Wenn es mir keinen Spaß macht, macht es auch den Schülern keinen Spaß. Da kann ich ihnen nichts vormachen.“
Dieser realistische Blick auf den Beruf und seine Anforderungen prägt Julia Kazakevitchs Leben. Er gehört wie ausgeprägtes Problembewusstsein, schriftliche und mündliche Diskursfähigkeiten und Fach- und Methodenwissen zu den Studienzielen. Zu Julia Kazakevitch eigenen Zielen gehört, dass sie in drei Jahren mit dem Studium fertig ist und ihr Referendariat beginnen wird.





