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Gestalten ohne Grenzen

Eine junge Frau hält das Modell eines Sessels in der Hand.
Ein Möbelstück oder aber ein Werkzeug für eine Glasbläserei entwerfen? Im Studiengang des Produktdesigns werden ganz unterschiedliche gestalterische Aufgaben gestellt.
Foto: Michael Uhmeyer

Produktdesign

Gestalten ohne Grenzen

Holz, Glas, Metall, Kunststoff – mit all diesen Werkstoffen arbeitet Marvin Köth in seinem Studium Produktdesign an der Hochschule der Bildenden Künste Saar. Zusammen mit der Theorie wird der 27-Jährige auf einen Beruf vorbereitet, der nach der Perfektion von Produkten strebt.

Kreativ sein, Produkte neu erfinden und gestalten und das schier ohne gedankliche Grenzen: Marvin Köth hat ein Studienfach gefunden, das ihn begeistert. „Produktdesign ist vielfältig und kaum Einschränkungen unterworfen. Designer müssen am Puls der Zeit sein, den kulturellen Wandel mitverfolgen und verstehen, wie der Mensch Technik nutzt. Nur so können wir Probleme beheben und die Nutzung vereinfachen“, erzählt der 27-Jährige.

Ein Porträtbild von Marvin Köth

Marvin Köth

Foto: privat

Mittlerweile ist er im sechsten Semester seines Diplomstudiums. An der Hochschule Bildende Künste (HBK) in Saarbrücken haben die Studierenden die Wahl zwischen einem Diplom- und einem Bachelor-/Masterstudium. Beide Kombinationen dauern jeweils zehn Semester und sind gleichwertig. Wer nur das Bachelorstudium abschließen möchte, studiert an der HBK acht Semester. „Ich dachte damals, das Diplom wäre vielleicht weniger verschult. Aber man kann sich an der HBK seine Kurse und Semester selbst planen und einteilen“, sagt er. Dabei stehen den Studierenden des Produktdesigns auch Module der Fächer Freie Kunst, Media Art & Design sowie Kommunikationsdesign offen.

Inspiration von Fachleuten

Zudem liegt der Fokus stark auf der Praxis: „Die Theorie, etwa zu Materialkunde, Designtheorie und -geschichte oder technischen Themen, wenden wir direkt in Fachpraxen und Atelierprojekten an“, erklärt er. Hinter dem Begriff Fachpraxis stecken beispielsweise Werkstattkurse, in denen Marvin Köth und seine Kommilitonen die Bearbeitung von Holz, Metall, Kunststoff und Co. lernen, sowie Computerkurse mit Übungen in 3-D-Gestaltung und Bildbearbeitung. „Zu Beginn des Studiums sind es sehr viele Kenntnisse auf einmal, die man für die Umsetzung von Projekten benötigt. Aber man erarbeitet sich diese und je länger das Studium dauert, desto leichter fällt mir die Arbeit“, betont er.

Eines dieser Projekte war das Glaslabor, für das die Studierenden eine Manufaktur in Meisenthal, Frankreich besichtigten. „Wir sollten experimentell Formen und Werkzeuge gestalten, um die manufakturelle Produktion in der Glasbläserei zu verbessern. Erst haben wir den Glasbläsern über die Schulter geschaut und gelernt, wie das Glas bearbeitet wird. Ich habe daraufhin am Computer ein Werkzeug entworfen und es mithilfe von CNC-Fräse, 3-D-Drucker und Laser hergestellt. Mit diesen Werkzeugen kann man die Formen aus Metall oder Holz leichter austauschen und kombinieren“, erzählt Marvin Köth.

Bei einem weiteren Projekt blickte der Kurs hinter die Kulissen von Vitra in Basel, einem Hersteller von Designermöbeln. Bei einem zweitägigen Workshop in der Produktion unterstützten die Vitra-Mitarbeiter die Studierenden dabei, selbst Büromöbel zu entwerfen, die das Konzentrieren am Arbeitsplatz erleichtern sollten.

Praktika bringen wichtige Berufserfahrung

Um für das Studium des Produktdesigns an der HBK aufgenommen zu werden, musste Marvin Köth zunächst eine praktische Arbeitsprobe zum Thema Materialgerechtigkeit einreichen: „Ich habe dafür ein Skateboard recycelt und aus dem Holz ein Brillengestell gebaut“, erzählt er. Daraufhin wurde er zum Prüfungsverfahren an die Hochschule eingeladen, für das er eine Mappe mit Lebenslauf, Zeichnungen und Ideen mitbringen und diese vorstellen sollte – er überzeugte und erhielt die Zusage.

Eine weitere Voraussetzung für den Studiengang ist es, vor dem Studium oder spätestens bis zum Ende des vierten Semesters ein zwölfwöchiges Praktikum zu absolvieren. Der 27-Jährige entschied sich dafür, bei einem Schreiner reinzuschnuppern. Ein weiteres Praktikum während des Studiums ist zwar keine Pflicht, „aber ich finde es sehr wichtig, Berufserfahrung zu sammeln“, sagt der Student. Für sein siebtes Semester würde ihn ein Praktikum beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt oder in einem Atelier für Industriedesign reizen.

Vier Semester stehen ihm noch bevor. Dann, im zehnten Semester, gestaltet Marvin Köth für seine Diplomarbeit ein eigenes Produkt, stellt davon ein Modell oder gar einen Prototypen her und beschreibt die Idee sowie den Entstehungsprozess in einer 50-seitigen Arbeit.

Beruflich offen für viele Wege

Wie es danach für ihn weitergeht? Marvin Köth ist da noch offen: „Ich könnte mir sowohl vorstellen, in einem Unternehmen oder einem Atelier zu arbeiten, als auch, ein Start-up zu gründen. Für Letzteres würde mir das Wissen aus dem Studienfach ‚Professionalisierung‘ rund um juristische Fragen wie Patente, Verträge und mehr zugutekommen. Und ob Möbel, Elektrogeräte oder medizintechnisches Instrument – ich will und muss mich da gar nicht einschränken.“

abi>> 05.04.2017