Studium mit vielen Freiräumen
Eine Kampagne pro Organspendeausweis, zu Umweltschutzthemen oder ein Musikvideo: Lisa Roffmann schätzt vor allem die Vielfältigkeit, die ihr das Kommunikationsdesignstudium bietet. Die 24-Jährige hat ihren Studienwunsch über ein Praktikum entdeckt. Inzwischen studiert sie an der FH Aachen im fünften Semester.
Eine der Arbeiten aus ihrer gestalterischen Hausaufgabe, mit der Lisa Roffmann bei der Eignungsprüfung an der FH Aachen überzeugt hat.
Foto: Lisa Roffmann
Nach dem Abi konnte sich Lisa Roffmann für viele Aufgabenfelder begeistern: „Ich hätte mir Pädagogik vorstellen können, aber auch etwas Gestalterisches oder Wirtschaft.“ Infolge eines Praktikums bei einem Mobilfunkunternehmen im Bereich Personal-Recruiting hat sich die 24-Jährige aus Erkelenz, das zwischen Düsseldorf und Aachen liegt, zunächst für ein BWL-Studium in Köln eingeschrieben. „Mir wurde aber spätestens nach zwei Semestern klar, dass mir das Kreative fehlt.“ Auf ihr Wunschstudium ist sie anschließend relativ schnell gestoßen: „Als ich nach dem BWL-Studium ein neunmonatiges Praktikum bei einer Düsseldorfer Werbeagentur begonnen habe, wusste ich, dass es Kommunikationsdesign sein muss.“ Jeden Tag zu erleben, wie Werbekampagnen, Zeitschriften, Webseiten oder Smartphone-Anwendungen entstehen, hat ihr gezeigt, wie vielseitig der Beruf ist. „Da wurde ich sozusagen infiziert“, lacht sie.
Parallel zu ihrem Praktikum hat Lisa Roffmann ihre Mappe erstellt. Mit dabei waren etwa ein gestaltetes Wörterbuch mit Chatbegriffen oder eine interaktive Fotoserie, angelehnt an die Bilderrätsel in der Zeitschrift Neon. Die Eignungsprüfung hat sie an den Fachhochschulen Düsseldorf und Aachen durchlaufen. „In Düsseldorf kam meine Mappe nicht so gut an“, erinnert sie sich, „für den Termin in Aachen habe ich die Mappe noch einmal überarbeitet. Dort haben die Professoren nicht nur meine zehn Arbeiten gut bewertet, sondern auch die gestalterische Hausaufgabe.“ Zum Thema „Ein Quadratmeter Widerstand“ hat die 24-Jährige Alltagsszenen in verlassenen Dörfern fotografiert, deren Bewohner aufgrund des Braunkohleabbaus umgesiedelt werden mussten. „Freunde von mir haben für die Fotos posiert, zum Beispiel als Briefträgerin, die die Post in einen zerstörten Briefkasten steckt.“ Diese Fotos hat sie auf insgesamt ein Quadratmeter breite Holzplatten aufgezogen. Mit der guten Note aus der Eignungsprüfung und ihrer Abiturnote hat sie sich dann erfolgreich um einen Studienplatz in Kommunikationsdesign beworben. Das geforderte zwölfwöchige Vorpraktikum brachte sie auch schon mit.
Herz schlägt für Printmedien
„Am Studium gefällt mir der gestalterische Freiraum, den ich habe“, erzählt Lisa Roffmann. „Klar gibt es Vorgaben, zum Beispiel: Erstelle eine Kampagne. Aber das Thema kann ich nach meinen Interessen auswählen.“ So hat sie beispielsweise mit Kommilitonen eine Kampagne pro Organspendeausweis entwickelt – inklusive Plakaten, Broschüren, Facebook-Auftritt und Film. Derzeit arbeitet sie an einer Kampagne mit, deren Gegenstand ausgetretene Zigaretten auf Straßen sind. „Damit möchte ich darüber aufklären, dass Zigarettenstummel den häufigsten und giftigsten Abfall in unserer Gesellschaft darstellen.“ Die Ergebnisse werden voraussichtlich kommenden März bei „plan12“ ausgestellt, einem internationalen Architekturforum in Köln-Ehrenfeld, das sich 2012 mit dem Thema „Szenario lebenswerte Stadt – intelligente Konzepte für Mobilität, Klimaschutz und Gestaltung“ auseinandersetzt. Da das Studium an der FH Aachen sehr praxisorientiert ist, kommen häufiger Projekte mit Partnern aus Kultur und Wirtschaft zustande.
Bevor Lisa Roffmann allerdings richtig loslegen konnte, musste sie zwei Semester lang die Grundlagen lernen: Farben- und Formenlehre, Komposition, Typografie, Illustration, Druckverfahren, Fotografie, Film. Wichtig ist zudem der Umgang mit Layoutprogrammen wie InDesign und Fotoprogrammen wie Photoshop, um Printmedien wie Plakate oder Zeitschriften überhaupt gestalten zu können. Für die Entwicklung von Webseiten oder Smartphone-Apps muss sie sich auch mit HTML (Hyptertext Markup Language) oder Web-Design-Software, wie Dreamweaver, auskennen. „Programmierkenntnisse sind ebenfalls von Vorteil“, sagt die Studentin.
Ihr eigenes Herz schlägt allerdings eher für Editorial-Design, also das Gestalten von Zeitschriften, Zeitungen, Magazinen, Broschüren und Büchern. Später könnte sie sich etwa vorstellen, in einer kleineren Agentur, die Magazine gestaltet, zu arbeiten. „Ich überlege momentan, das optionale Praxissemester bei einer Printagentur zu machen und zu schauen, ob das etwas für mich wäre.“ Inklusive Praxissemester würde sich die Regelstudienzeit auf acht Semester verlängern. Erste Praxiserfahrungen im Berufsleben kann die 24-Jährige bereits vorweisen: Als selbstständige Grafikerin entwirft sie auf Anfrage etwa Visitenkarten oder Webseiten. „Bei dieser Gelegenheit verdiene ich auch gleich ein bisschen Geld“, sagt sie. Eine spätere Selbstständigkeit schließt sie nicht aus, aber „zuerst sollte ich als angestellte Kommunikationsdesignerin arbeiten, damit ich Erfahrung sammeln und Kontakte aufbauen kann.“







