Automobilentwickler von morgen
Im Studiengang "Fahrzeugintegration/Karosserietechnik" an der Fachhochschule Aachen wird Thais Otholt (23) praxisnah auf die späteren Anforderungen im Berufsleben vorbereitet.
Die Begeisterung für Autos und Technik haben Thais Otholt zum Studium der Fahrzeugtechnik geführt.
Foto: Privat
Ein Fahrzeug besteht aus verschiedenen Komponenten wie Motor, Getriebe, Bremsanlage oder Karosserie. Diese Bestandteile – oder sogar ganze Fahrzeuge – zu entwickeln, zu konstruieren und herzustellen, zählt zu den Aufgaben von Ingenieuren der Fahrzeugtechnik – also künftig auch zu denen von Thais Otholt. Sein Schwerpunkt liegt im Bereich Karosserie, da der Studiengang „Fahrzeugintegration/Karosserietechnik“ an der Fachhochschule Aachen speziell auf dieses Einsatzgebiet zugeschnitten ist.
Bereits jetzt, gegen Ende des sechsten Semesters, kann der Student mit einigem Recht von sich behaupten, im Rahmen einer Projektarbeit im Modul Karosseriekonstruktion schon einmal an der Entwicklung eines Autos beteiligt gewesen zu sein. Und nicht irgendein Auto: Im Auftrag eines Autovermieters haben er und seine Kommilitonen die Vorplanung eines Elektroautos für den Stadtverkehr übernommen. „Wir waren vier Teams, und ich war in der Gruppe, die nach Designvorgaben am Computer eine spezielle Schiebetür konstruierte, mit der auch sehr enge Parklücken kein Problem mehr sind“, erklärt Thais Otholt. Die anderen drei Teams erarbeiteten Konzepte zum Fahrwerk, wozu etwa Räder, Federung, Stoßdämpfer und Lenkung zählen, zum Fahrgestell sowie zur sogenannten Außenbeplankung des Fahrzeugs, also der „Außenhaut“.
„Bei der Projektarbeit haben wir in neun Wochen im Grunde schon das halbe spätere Berufsleben durchgespielt und das Zusammenspiel bei der Autoentwicklung praxisnah kennengelernt“, sagt der gebürtige Niedersachse. Die Aufgaben gingen jedoch über die reine Konstruktion hinaus. „Mein Team hat beispielsweise untersucht, welche Türen auf dem Markt sind und eine entsprechende Vergleichsmatrix aufgestellt. Dann ging es an das Festlegen der praktikablen Maße und um die Frage, wie genau sich die Tür beim Öffnen bewegen soll. Es war natürlich faszinierend, einmal einen ganzen Entwicklungsprozess vom leeren Blatt Papier bis zur CAD-Darstellung, also zum rechnergestützten Entwurf, mitzugestalten.“
Das Auto als Gesamtkomposition
Der Berufswunsch von Thais Otholt entwickelte sich aus einer Leidenschaft, die viele Jungen teilen: „Schon als Kind saß ich mit Vorliebe auf der Fensterbank und habe mir Autos angeguckt. Und von meinem Vater, einem Landmaschinenschlosser, habe ich wohl die Begeisterung für Technik geerbt.“ Nach dem Abitur informierte er sich über die Möglichkeiten, Fahrzeugtechnik zu studieren. Seinen Schwerpunkt wollte er im Bereich Karosserie setzen, weshalb er sich auch für „Fahrzeugintegration/Karosserietechnik“ entschied. „Hier lernt man, das Auto als Gesamtkomposition zu verstehen“, erklärt er. Um zu dem siebensemestrigen Bachelorstudium an der Fachhochschule Aachen zugelassen zu werden, musste er ein achtwöchiges Praktikum nachweisen, das er nach dem Zivildienst bei einem Hersteller von Montagesystemen absolvierte. Ein weiteres vierwöchiges machte er nach dem zweiten Semester bei einem Ingenieurdienstleister.
„Das Studium ist nicht das leichteste, doch man lernt eben auch ungeheuer viel“ sagt der 23-Jährige. „Man hat etwa sieben verschiedene Module pro Semester und eine 50-Stunden-Woche: 30 Stunden an der Hochschule, 20 Stunden Nach- und Vorbereitung.“ Während in den ersten drei Semestern Mathematik, Physik, Datenverarbeitung sowie ingenieurwissenschaftliche Grundlagenfächer wie technische Mechanik und Werkstoffkunde den Lehrplan bestimmen, liegt der Schwerpunkt im weiteren Studienverlauf auf fachspezifischen Vertiefungen der Karosserietechnik und Fahrzeugintegration. Im Fach Fahrzeugintegration geht es hauptsächlich darum, die Entwicklungsabläufe verstehen zu lernen und das Fahrzeug in seiner Gesamtheit zu betrachten. Der Praxisanteil war dabei von Beginn an sehr hoch. „Das reichte von der Entwicklung eines kleinen Übersetzungsgetriebes für eine Wasserpumpe über Versuche am eigenen Crash-Stand bis hin zur Testfahrt mit einem Sportwagen auf dem Nürburgring mit anschließender Auswertung der Messdaten.“
Mehrmonatiges Praxisprojekt
Was auf Thais Otholt im Studium noch zukommt: ein mehrmonatiges Praxisprojekt bei BMW in der Türentwicklung und natürlich die Bachelor-Arbeit. „Ob ich die bei BMW schreiben kann, wird sich noch entscheiden.“ Nach dem Bachelor of Engineering will er ein Masterstudium im allgemeinen Fahrzeugbau aufnehmen. „Ich würde sehr gern bei einem Automobilhersteller in der Entwicklung oder Karosseriekonstruktion arbeiten, und da verbessert ein Master die schon mit dem Bachelor sehr guten Berufsaussichten noch einmal deutlich“, sagt er.





