Mehr als der Mensch
Psychologie ist in erster Linie eine Wissenschaft. Das erwarten seltsamerweise die wenigsten Studierenden, die sich für dieses Fach entscheiden. Christoph Hausmann (24) war da keine Ausnahme. Er studiert Psychologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.
Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist mit rund 34.600 Studierenden eine der größten Hochschulen Deutschlands.
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Mit allgemeinem Vorwissen und einem etwas idealisierten Bild von seinem Fach schrieb sich Christoph Hausmann für den Diplomstudiengang Psychologie ein. Er ist einer der letzten, die ein Diplom erwerben, denn mittlerweile wurde der Studiengang im Zuge der Bologna-Reform auf Bachelor und Master umgestellt. Informiert hatte er sich bei der Agentur für Arbeit sowie über Gespräche mit Bekannten und Freunden. Der Abi-Schnitt von 1,4 reichte für den Numerus Clausus und so begann er im Wintersemester 2005/06 sein Studium.
Mathe ist ein Muss
„Allerdings hatte das, was ich in den ersten Semestern lernen musste, nicht so viel mit meiner Vorstellung von Psychologie zu tun“. Weder ging es in seinem Grundstudium um Sozialkompetenz und Gesprächstechniken, noch beantwortete ihm jemand die Frage nach dem Wesen des Menschen. „Psychologie an der Uni ist zuallererst eine Wissenschaft“, erkannte er schließlich, „deswegen geht es im Grundstudium vor allem um das Erlernen der wissenschaftlichen Grundlagen und Methoden des Fachs.“ Das heißt für den Psychologen, er lernt Mathematik, genauer gesagt, Statistik. „Wer mit Mathe auf Kriegsfuß steht, der wird Schwierigkeiten haben“, sagt Christoph Hausmann, „in der Psychologie geht es, wie in jeder Wissenschaft darum, Fragestellungen zu spezifizieren, nachprüfbar zu machen und zu dokumentieren.“
Das, was man sich landläufig unter Psychologie vorstellt, wie Störungsbilder und therapeutische Methoden zu deren Behandlung, wird erst im Hauptstudium vertieft. Andere Grundlagen betreffen beispielsweise die Wahrnehmungsorgane des Menschen, ihren Aufbau, ihre Funktion, die chemischen Vorgänge in ihnen und wie sie beeinflusst werden.
Zudem gibt es im Fach Psychologie verschiedene Vertiefungsmöglichkeiten wie klinische Psychologie und Wirtschaftspsychologie. „Mich hat am Anfang die Wirtschaftspsychologie nicht so richtig interessiert“, sagt Christoph Hausmann. Doch im Hauptstudium erkannte er, dass in dem Bereich sehr kreative und spannende Ansätze gelehrt werden. „Gerade Themen wie Arbeitsorganisation, Kommunikation und Leadership werden dort enorm engagiert diskutiert und intensiv bearbeitet. Es ist vielleicht derzeit die kreativste Sparte der Psychologie.“ Die Impulse, die aus dieser Richtung kommen, hält er für extrem wichtig.
Langersehnte Praxis
Das Studium verlangt auch eine Reihe von Praktikumseinsätzen. „Beliebt sind vor allem die psychiatrischen Kliniken“, meint Christoph Hausmann. Er selbst arbeitete vier Monate in einer Klinik in Bad Kissingen und sechs Wochen an einem Ausbildungsinstitut für Psychotherapeuten. In einem Nebenjob hilft er bereits einem Therapeuten in seiner Praxis bei der Büroarbeit.
Im Hauptstudium besuchte er dann endlich die ersehnten Praxisseminare wie „Motivationale Gesprächsführung“, die ihm zeigten, mit welchen Techniken man seine Ziele in verschiedenen Gesprächssituationen erreicht. Bis zu seinem Berufsziel, Psychotherapeut, ist es allerdings noch ein langer Weg. Derzeit überlegt er sich zwar bereits ein Thema für seine Diplomarbeit, aber selbst mit dem Diplom in der Tasche ist er längst noch nicht Therapeut: Wer in diesem Beruf arbeiten möchte, muss in Deutschland nach seinem Psychologiestudium eine weitere mehrjährige Ausbildung durchlaufen, um mit den Krankenkassen abrechnen zu dürfen. Und diese Ausbildung ist teilweise unheimlich teuer. „Viele steigen erst in einen anderen Beruf ein, um sich später die Ausbildung finanzieren zu können“, sagt Christoph Hausmann. Er selbst hat Glück, da ihm seine Eltern unter die Arme greifen.






