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Erst Bundeswehr, dann Kita

Ein Kind turnt auf dem Spielplatz.
Im Studiengang "Pädagogik der Kindheit" lernt Göran Schmidt, Kinder bestmöglich in ihrer Entwicklung zu unterstützen.
Foto: Julien Fertl

Pädagogik der Kindheit

Erst Bundeswehr, dann Kita

Göran Schmidt hatte nach dem Abi zunächst eine Offizierslaufbahn bei der Bundeswehr eingeschlagen und sich für zwölf Jahre verpflichtet. Der Herzenswunsch, beruflich mit Kindern zu arbeiten, kristallisierte sich erst später heraus. Heute studiert der 33-Jährige Pädagogik der Kindheit an der Fachhochschule (FH) Erfurt – inklusive Praxissemester im Kindergarten der Deutschen Schule in Barcelona.

Bereits das siebenwöchige Orientierungspraktikum hatte Göran Schmidt im Ausland absolviert: an der Deutschen Schule in Rom. „Ich liebe es zu reisen und wollte für die Praktika meine Komfortzone verlassen“, erklärt er. Da die FH Erfurt ihre Studierenden zu Auslandserfahrungen ermutigt, nutzte er die Chance, sich die Arbeitsweise von Kindheitspädagogen und Erziehern in anderen Ländern anzusehen. Finanzieren konnte er die Aufenthalte über das Förderprogramm Erasmus+ und eigene Ersparnisse.

Im Kindergarten der Deutschen Schule in Barcelona betreute Göran Schmidt während des Praxissemesters beispielsweise die sprachliche Förderung der Vorschulkinder, legte mit den Kindern einen Garten an, kochte und backte mit ihnen und betätigte sich künstlerisch im hauseigenen Atelier. „Mit den Kindern habe ich viel erlebt, das mich in meinem Berufswunsch bestärkt hat“, erzählt er. Auch schaute er sich einiges von seinen Kolleginnen und Kollegen ab: „Ich habe mir neue Spiele und Lieder angeeignet und aus deren Umgang mit den Kindern neue Ideen für mich abgeleitet.“

Darüber hinaus blickte er der Kindergartenleiterin über die Schulter und gewann Einblicke in organisatorische und konzeptionelle Themen. „Die Leitung einer Kindertagesstätte ist eine der beruflichen Möglichkeiten von Kindheitspädagogen. Daher ist ein Einblick in die Praxis in diesem Bereich enorm wichtig“, schildert er.

1.000 Stunden berufliche Praxis

Porträtbild von Göran Schmidt

Göran Schmidt

Foto: privat

„Überhaupt ist der Studiengang sehr praxisorientiert“, sagt Göran Schmidt, der darüber hinaus zwei semesterbegleitende Praktika in einer Montessori-Schule und einer Montessori-Kindertagesstätte in Erfurt absolvierte. Auf insgesamt 1.000 Stunden berufliche Praxis kommen die Studierenden – am Ende erhalten sie neben dem Bachelor of Arts die staatliche Anerkennung als Kindheitspädagogen und -pädagoginnen.

„Das Besondere ist, dass es sich um angeleitete Praktika handelt, das heißt, es gibt immer Ansprechpartner“, erläutert der Student. „Mit ihnen tauscht man sich aus, diskutiert Fälle und reflektiert das Erlebte. Die Reflexionskompetenz zu stärken, also die Fähigkeit, die eigenen praktischen Erfahrungen mit wissenschaftlichen Erkenntnissen zu verknüpfen und daraus Handlungsoptionen abzuleiten, ist eines der zentralen Anliegen des Studiengangs.“

Sechs Modulbereiche in sieben Semestern

Ebenso spielt Praxisnähe in vielen Lehrveranstaltungen eine Rolle. In „Theorie und Praxis des Spiels“ versetzte sich Göran Schmidt beispielsweise in Spielsituationen von Kindern, um zu erfahren, wie kindliches Spiel abläuft und wie Spielen und Lernen zusammenhängen. „Viel mitgenommen habe ich auch aus ‚Kultur, Ästhetik und Medien‘, wo wir mit unterschiedlichen Materialen gebastelt und gebaut haben, aber auch Theaterstücke eingeübt und vor Kindern gespielt.“

Mit der motorischen und sprachlichen Entwicklung von Kindern befassen sich die Studierenden in „Sprache und Bewegung“, in „Kinder- und Jugendhilfe“ geht es um rechtliche Grundlagen wie das Sorgerecht. Wie man Konzepte für Kitas ausarbeitet, erfahren sie in „Organisation und Management“.

Kinderbetreuung bei der Bundeswehr

Weiß Göran Schmidt heute im sechsten Semester, dass er mit Pädagogik der Kindheit den richtigen Studiengang für sich gefunden hat, war er nach dem Abitur im Jahr 2004 nicht so sicher, was er beruflich machen möchte. „Meine beiden Brüder sind zur Bundeswehr gegangen – und ich dann auch“, berichtet der 33-Jährige. Zwölf Jahre verpflichtete er sich, studierte parallel zur Offiziersausbildung Wirtschafts- und Organisationswissenschaften an der Universität der Bundeswehr in München. „Das lief gut, aber ich war nicht mit dem Herzen dabei.“

Als Kind wollte er Lehrer werden. Der Wunsch, Kinder zu betreuen, zu unterstützen und anzuleiten, war auch bei der Bundeswehr präsent. Bei der Organisation von Tagen der offenen Tür legte Göran Schmidt auch Wert auf ein gutes Kinderprogramm oder führte Schulklassen durch die Kaserne. Bereits zwei Jahre vor Ablauf seiner Verpflichtung suchte er nach einem ehrenamtlichen Engagement. Fündig wurde er im Albert-Schweitzer-Kinderdorf in Erfurt, wo sich Paare mit pädagogischer Fachkenntnis um eigene und Pflegekinder kümmern. „Ich habe die Familien unterstützt und merkte, ich komme mit den Ein- bis Siebenjährigen super zurecht“, erinnert er sich.

„Männer werden mit offenen Armen empfangen“

Das Ehrenamt konnte er sich bei der Bewerbung an der FH Erfurt zum Teil als Vorpraktikum anrechnen lassen. Acht Wochen in einer kindheitspädagogischen Einrichtung sind Voraussetzung. Im erweiterten Auswahlverfahren des Studiengangs kommen die Abinote, berufliche Vorerfahrung und ein Motivationsschreiben zum Tragen.

Der Studiengang ist klein: Circa 35 Kommilitonen haben mit ihm angefangen, der Männeranteil liegt bei rund 10 Prozent. „Das kann auch ein Vorteil sein: Bei der Praktikumssuche merkte ich, dass Männer mit offenen Armen empfangen werden. Ich persönlich finde gemischte Teams in Kitas wichtig“, sagt Göran Schmidt. Nach seinem Studienabschluss möchte er am liebsten in einer reformpädagogischen Kindertagesstätte arbeiten. Ob in Deutschland oder im Ausland, ist noch offen.

Aus dem Motivationsschreiben von Göran Schmidt:

„Ich möchte Kindern eine glückliche und wunderbare Zukunft ermöglichen, indem ich all meine Talente, Kraft und Stärken dafür einsetze.“

abi>> 05.03.2019