Eine moderne Zeitreisende
Pia Feyh (23) erforscht in ihrem Studiengang Kulturanthropologie/Volkskunde an der Uni Bonn Lebensstile und Kulturformen der Vergangenheit und der Gegenwart. Mittlerweile hat sie auch eine Vorstellung, wo ihre berufliche Reise hingehen soll.
Alltagskultur in aller Welt: Ethnologen wie Pia Feyh beschäftigen sich beispielsweise mit Kleidung - und stoßen dabei auf so schmucke Fundstücke wie diesen Schuh eines Sioux-Indianers.
Foto: WillmyCC Studio
„Fressen, Hungern, Komasaufen?“ lautete der Titel eines Seminars, in dem Bonner Studierende der Kulturanthropologie/Volkskunde die kulturelle Bedeutung der Ernährung in Vergangenheit und Gegenwart unter die Lupe nahmen. Themen wie diese, die die Veränderung der Lebensstile im Wandel der Zeit analysieren, motivierten Pia Feyh, sich für diesen Studiengang zu entscheiden. Zu den Bonner Forschungsschwerpunkten gehören unter anderen die Alltagskultur Europas, religiöse Volkskunde, Nahrungsethnologie, Ethnokartographie, jüdische Volkskunde sowie Brauch- und Erzählforschung.
Vor einem Semester nahm die 23-Jährige ihr Masterstudium „Kulturanthropologie/Volkskunde“ an der Universität Bonn auf. Wenn sie auf ihren gleichnamigen Bachelorstudiengang zurückblickt, den sie am selben Institut absolvierte, kommt ihr diese Zeit wie eine Art Selbstfindungsprozess vor: „Kulturanthropologie und Volkskunde sind sehr interdisziplinär ausgerichtet. Diese Studienrichtungen berühren unter anderem Geschichte, Literaturwissenschaft, Sozialwissenschaften und Psychologie“, beschreibt sie. Von der Themenvielfalt sei sie von Anfang an begeistert gewesen, aber mit Blick auf die berufliche Zukunft zunächst auch recht orientierungslos, gesteht sie. Wie viele Geisteswissenschaftler hatte sie kein konkretes Berufsbild vor Augen: „Das macht das ganze Studium irgendwie schwammig.“
Bei der Wahl ihres Hochschulortes entschied sich Pia Feyh für eine Hochschule mit einem kleinen Germanistik-Institut – dort ist der Studiengang Kulturanthropologie/Volkskunde angesiedelt – in der Hoffnung, nicht in einer Studentenmasse unterzugehen. Das Institut in Bonn ist überschaubar und nach wie vor empfindet sie den engen Kontakt zu den Dozenten als große Hilfe: „Man ist keine Nummer im System. Die Dozenten wissen, wer ich bin und welche Themen ich in einer Hausarbeit bearbeitet habe“, sagt sie. Natürlich müsse man sein Studium selbst organisieren: „Aber durch den engen Austausch wird man auch stark geführt“, betont sie.
Auslandssemester in Vietnam
So wurde ihr zum Beispiel frühzeitig geraten, sich Gedanken über eine berufliche Perspektive zu machen und das Studium dazu zu nutzen, sich ein Profil zuzulegen. Das fängt bei der Wahl der Studienschwerpunkte an, betrifft das Thema der Bachelorarbeit und reicht bis zu freiwilligen Praktika. Zwar war ein Praktikum während ihres Bachelorstudiums noch nicht verpflichtend, aber um sich das Studium zu finanzieren, hat Pia Feyh beim Fernsehsender VOX in der Onlineredaktion gearbeitet sowie für ein lokales Printmagazin Beiträge auf Zeilenhonorar verfasst. Obwohl sie damit erste Schritte in Richtung Journalismus legte, ist sie sich ihrer Berufspläne noch unsicher und hat keine konkreten Ideen: „Ich interessiere mich für Interkulturalität. Zum einen reise ich selber gerne, zum anderen sind Reisen ein wichtiger Bestandteil, um Kulturen kennenzulernen und sich auszutauschen. In diesem Bereich möchte ich gerne beruflich aktiv werden – vielleicht auch im Ausland.“
Um ihr berufliches Profil in die Auslands-Richtung zu lenken, untersuchte Pia Feyh in ihrer Bachelorarbeit, wie Menschen im 18. Jahrhundert reisten. Noch während sie ihre Arbeit schrieb, bewarb sie sich beim Freiwilligendienst des Auswärtigen Amtes „kulturweit“, über den sich junge Menschen im Bereich Kultur und Bildung im Ausland engagieren können. Ihre Bewerbung wurde angenommen, ihr Urlaubssemester ist bereits genehmigt. In Kürze fliegt sie nach Vietnam, um sechs Monate am Goethe-Institut in Hanoi zu arbeiten: „Sicher werde ich einen Kulturschock bekommen, aber es wird auch ein wertvoller Baustein für mein Masterstudium und für meine beruflichen Möglichkeiten werden!“ so ihre Erwartung.






