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„Crossmediales Denken ist gefragt“

Regale in einer Buchhandlung
Es gibt mittlerweile vielfältige Möglichkeiten, um nach dem Studium in die Buchbranche einzusteigen.
Foto: Julien Fertl

Studiengänge rund ums Buch: Interview

„Crossmediales Denken ist gefragt“

abi>> sprach mit Monika Kolb-Klausch, Geschäftsführerin des Mediacampus Frankfurt, über die Auswirkungen des digitalen Wandels auf die Buchbranche und welche Kompetenzen bei Bewerbern nun besonders gefragt sind.

abi>> Frau Kolb-Klausch, worauf sollte man sich einstellen, wenn man in der Buchbranche arbeiten möchte?

Ein Porträt-Foto von Monika Kolb-Klausch

Monika Kolb-Klausch

Foto: mediacampus frankfurt

Monika Kolb-Klausch: Ich erlebe oft, dass Bewerber eine ziemlich klare, vielleicht auch „verklärte“ Vorstellung von einer möglichen Arbeit in der Buchbranche haben. Viele schätzen den Buchmarkt nach wie vor sehr konservativ ein, doch eigentlich ist genau das Gegenteil der Fall.
Durch den digitalen Wandel haben sich nahezu alle Arbeitsprozesse verändert – von E-Books über Apps bis hin zu Vertriebsaufgaben – um Beispiele zu nennen. Deshalb ist es besonders wichtig, mit einer großen Offenheit in unsere Branche zu kommen und mutig zu sein, neue Dinge auszuprobieren.

abi>> Wie genau hat sich der digitale Wandel ausgewirkt?

Monika Kolb-Klausch: Früher war es so: Ein Manuskript wurde entdeckt, lektoriert, dann produziert und kam schließlich in den Handel. All diese Prozesse und Wertschöpfungsstufen haben sich durch den digitalen Wandel verändert: Es gibt nicht nur viele verschiedene Produktformate und Verbreitungswege, sondern auch neue Einkaufs- und Herstellprozesse. Die Verlage müssen nicht nur Lektorieren und Produzieren, sie müssen auch crossmedial denken und sich mit Themen wie E-Books und Hörbuch-Downloads auseinandersetzen.

abi>> Welchen Anforderungen musste sich die Buchbranche dadurch besonders stellen?

Monika Kolb-Klausch: Vor allem mussten sich die Verlage plötzlich gegen andere Buchvertreiber durchsetzen. Früher wurden Bücher nur über Verlage veröffentlicht, heute kann jeder das eigene Buch selbst produzieren und vertreiben. Das Stichwort Self-Publishing ist hier relevant. Doch entgegen der anfänglichen Befürchtungen hat die Buchbranche den Wandel gut überstanden.
Das zeigt sich zum Beispiel bei den E-Book-Readern. War gerade in den Anfangszeiten der Amazon Kindle noch absoluter Spitzenreiter, haben sich mittlerweile auch andere E-Reader wie Tolino, die direkt aus der Buchbranche stammen, durchgesetzt.

abi>> Über welchen Studiengang lässt sich der Einstieg in die Buchbranche am besten realisieren? Wie sehen die Arbeitsmarktchancen aktuell aus?

Monika Kolb-Klausch: Da gibt es mittlerweile ganz unterschiedliche Möglichkeiten. Der klassische Weg ist nach wie vor über ein Studium der Buchwissenschaften. Doch durch den digitalen Wandel werden auch verstärkt Quereinsteiger gesucht. Wer beispielsweise über Informatik- oder betriebswirtschaftliche Kompetenzen verfügt und darüber hinaus die Literatur liebt, hat aktuell gute Chancen, einen Fuß in die Tür zu bekommen.
Tatsächlich gibt es viele offene Stellen in der Buchbranche. Das Problem ist eher, dafür auch die geeigneten Personen zu finden. Unternehmen suchen oft zusätzliche Kompetenzen jenseits des klassischen Buchmarktes, wie beispielsweise Grundkenntnisse in der App-Entwicklung oder im Online-Marketing. Gerade Bewerber aus dem geisteswissenschaftlichen Bereich sollten daher neben dem Studium weitere Kompetenzen mitbringen. Prinzipiell gilt: Je lebendiger der Lebenslauf, umso größer sind am Ende die Jobchancen.

abi>> 29.08.2016

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