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Ein Medium im digitalen Wandel

Detailaufnahme vom Bearbeiten eines Manuskriptes
Wer im Lektorat arbeiten möchte, steigt häufig über ein sogenanntes Volontariat in die Buchbranche ein.
Foto: Axel Jusseit

Studiengänge rund ums Buch

Ein Medium im digitalen Wandel

Vom Alltag abschalten und in fremde Welten eintauchen: Für Leseratten sind Bücher weit mehr als nur aneinandergereihte Buchstaben. Und auch wenn sich die Branche durch das Internet im Wandel befindet – mit Büchern zu arbeiten ist nach wie vor ein Berufswunsch von vielen. abi» zeigt, welche Studiengänge es gibt, um in Verlagswesen und Buchhandel Fuß zu fassen.

Wie man Bücher gestaltet, produziert und publiziert, das lernt David Böhm im Studiengang Buch- und Medienproduktion, von dem er bereits während seiner Ausbildung zum Mediengestalter Digital und Print erfuhr. „Ich wollte nach meiner Ausbildung ein Studium dranhängen, um noch mehr von der Medienbranche zu erfahren“, erklärt der 24-Jährige, der mittlerweile im vierten Semester ist. Der Studiengang an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) Leipzig schließt nach sieben Semestern mit dem Bachelor of Engineering ab. Da es sich in erster Linie um ein ingenieurwissenschaftliches Studium handelt, befassen sich die Studierenden im ersten Semester mit Fächern wie Informatik, Mathematik und Lichttechnik.

Hoher Praxisanteil

Ein Porträt-Foto von David Böhm

David Böhm

Foto: privat

Ab dem zweiten Semester geht es dann im Bereich Medienproduktion richtig los: Verlagsmanagement, medienwissenschaftliches Arbeiten, Drucktechniken, Kosten- und Leistungsrechnung sowie Mediengestaltung stehen unter anderem auf dem Stundenplan. Das Gelernte setzen die Studierenden direkt im hochschulinternen Medienzentrum um, das mit eigenen Audio- und Video-Studios, Druck- und Buchbindermaschinen sowie Laboren für Druckvorstufe und Verpackungstechnik ausgestattet ist. „Der Studiengang ist sehr praxisnah angelegt. Wir haben zu vierzig Prozent praxisorientierte Fächer“, schwärmt David Böhm. Das ist auch wichtig, schließlich sollen die Studierenden nach dem Studium genau wissen, wie ein Buch oder eine Zeitschrift hergestellt wird.

Nach dem Bachelorabschluss besteht die Möglichkeit, einen Masterstudiengang anzuschließen. Es gibt an der HTWK Leipzig zwei Masterstudiengänge, die auf den Bachelor aufbauen – Medienmanagement und General Management. David Böhm kann sich aber auch gut vorstellen, direkt in die Berufswelt zu starten: „Ich möchte in der Buchherstellung eines Verlages arbeiten. Wenn ich nach dem Bachelorstudium die Chance dazu habe, werde ich sie wahrnehmen.“

Viele Studiengänge führen in den Verlag

Ob ein Master für den Berufsstart in der Buchbranche nötig ist, hängt vom Berufsziel ab. „Für Lektoren wird ein Master in der Regel vorausgesetzt, bei Grafikdesignern reicht oft auch ein Bachelorabschluss“, weiß Dr. Annette Linzbach, Berufsberaterin bei der Agentur für Arbeit Düsseldorf.

Ein Porträt-Foto von Prof. Dr. Svenja Hagenhoff

Prof. Dr. Svenja Hagenhoff

Foto: Glasow Fotografie Erlangen

Es gibt zahlreiche Studienwege, um in der Buchbranche Fuß zu fassen. „Neben Studiengängen wie Buchwissenschaft und Buchkunst führen auch breiter angelegte Studiengänge der Geisteswissenschaften – zum Beispiel Germanistik oder Geschichtswissenschaften – in diesen Bereich“, erklärt Prof. Dr. Svenja Hagenhoff vom Institut für Buchwissenschaften der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) Erlangen-Nürnberg. (Lies die Reportage über eine angehende Buchwissenschaftlerin.) Auf den Bereich Buch- und Mediengestaltung bereiten beispielsweise auch Studiengänge in Grafik-, Medien- und Kommunikationsdesign vor.

Immer stärker an Bedeutung gewinnen betriebswirtschaftlich und technisch ausgerichtete Studiengänge, wie Medienmanagement, Verlagswirtschaft und Medieninformatik. „Durch den digitalen Wandel spielt Online-Affinität in Verlagen und im Buchhandel eine große Rolle. Wer sich beispielsweise mit Online-Marketing oder Social Media auskennt, hat im Moment gute Chancen“, schildert Dr. Annette Linzbach. (Mehr zu den aktuellen Entwicklungen in der Buchbranche erfährst du im abi>> Experteninterview.)

Auf der anderen Seite müssen auch studierte Buchwissenschaftler nicht zwangsläufig in der Buchbranche arbeiten. „Es kommt immer darauf an, welche Schwerpunkte man im Studium gesetzt oder wo man Praktika absolviert hat“, meint die Berufsberaterin. 

Zwischen Praxiserfahrung und Networking

Gerade Praxiserfahrung spielt für den Berufseinstieg eine zentrale Rolle. „Ohne dürfte es ziemlich schwer werden, nach dem Studium einen Job in der Branche zu finden“, ist sich Dr. Annette Linzbach sicher, die damit aber nicht nur auf Praktika anspielt. Auch ein Nebenjob im Buchhandel kann ihrer Meinung nach die Einstiegschancen erhöhen – schließlich weiß man dadurch, wie die Kunden ticken und knüpft bereits erste Kontakte.

Ebenso wichtig ist ein gutes Netzwerk, das bereits während des Studiums aufgebaut werden sollte. Da die Buchbranche eine vergleichsweise kleine Branche ist – im Jahr 2015 erwirtschaftete sie einen Umsatz von knapp 10 Milliarden Euro, die Siemens AG erzielte im selben Jahr einen Umsatz von etwa 75 Milliarden Euro –, lebt sie von persönlichen Kontakten. „Man kennt sich dort einfach. Studierende, die in dem Bereich arbeiten möchten, sollten daher unbedingt auf die großen Buchmessen in Frankfurt und Leipzig fahren, um Kontakte zu knüpfen“, rät die Berufsberaterin.

Volontariat als Einstieg ins Lektorat

Gerade wenn man als Buch- oder Geisteswissenschaftler im Lektorat arbeiten möchte, steigt man nach dem Studium häufig über ein sogenanntes Volontariat ein – eine Art journalistische Zusatzausbildung, die zwischen einem und zwei Jahren dauert. „Faire Unternehmen bezahlen das Volontariat angemessen“, berichtet Prof. Dr. Svenja Hagenhoff. Daher sollten sich Berufseinsteiger auf jeden Fall gut informieren und abwägen.

„Die Arbeitsmarktchancen hängen stark vom konkreten Berufsfeld und vom Unternehmen ab. Große Verlage und Buchhändler suchen kontinuierlich Nachwuchskräfte, die aufgebaut und entwickelt werden können“, erklärt die Expertin der FAU Erlangen-Nürnberg. (Siehe hierzu auch die Personalerstatements.)

Branche im Umbruch

Laut Statistik der Bundesagentur für Arbeit waren im Jahr 2014 insgesamt 56.000 Akademiker in der Buchbranche tätig – ein Großteil davon freiberuflich. Bei Buchverlagen direkt arbeiteten im Jahr 2015 etwa 10.800 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mit einem akademischen Abschluss. „Im Zusammenhang mit der zunehmenden Digitalisierung sind die klassischen Buchverlage sicher nicht zu den Wachstumsunternehmen zu rechnen. Viel wird davon abhängen, wie sie in Zukunft die Chancen, wie E-Books, Bücherforen oder Blogs, nutzen“, weiß Ilona Mirtschin vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit.

In diese Richtung deuten auch die Zahlen des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels: Die Gesamtzahl der in Deutschland erschienenen Bücher ist demnach im Jahr 2014 deutlich gesunken. Erschienen im Jahr 2013 noch 93.600 Titel, waren es im Folgejahr nur noch um die 87.000. Jedoch sind E-Books und Print-on-Demand-Titel hier nicht vollständig erfasst.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchworte: Verlag, Buchhandel, etc.)

www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen und die Ergebnisse nach deinen Wünschen filtern.

www.studienwahl.de

Hochschulkompass

Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studien- und Promotionsmöglichkeiten sowie internationale Kooperationen

www.hochschulkompass.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

http://jobboerse.arbeitsagentur.de

Börsenverein des Deutschen Buchhandels

Der Börsenverein ist der Berufsverband der Buchhandelsbranche und für Verlage, Buchhandlungen, den Zwischenbuchhandel, Antiquariate und Verlagsvertreter zuständig.

www.boersenverein.de

www.boersenblatt.net

Mediacampus Frankfurt

Der Mediacampus Frankfurt ist die zentrale Aus- und Weiterbildungseinrichtung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

www.mediacampus-frankfurt.de

 

abi>> 29.08.2016

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