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Legal Tech: Jura trifft auf Technik

Justiziarin schlägt etwas in ihren Fachunterlagen nach.
Unterstützung durch Technik: Gerade bei der Bearbeitung von Hunderten Seiten Gesetzestexten könnten digitale Hilfsmittel Juristen helfen.
Foto: Axel Jusseit

Im Trend: Jura studieren – Interview

Legal Tech: Jura trifft auf Technik

Martin Fries ist Privatdozent an der Ludwig-Maximilians-Universität München und beschäftigt sich in seiner Forschung mit dem Thema Digitalisierung im juristischen Bereich. Für Studierende bietet er Seminare zum Thema Legal Tech an. Im Interview mit abi>> erläutert er, was die technische Entwicklung für den Beruf des Juristen bedeutet.

abi>> Herr Fries, was versteht man unter Legal Tech?

Martin Fries: Das bedeutet, dass Computer und juristische Arbeit zusammenkommen. Das ist im einfachsten Fall eine Software zum Kanzleimanagement. Es geht aber auch komplizierter. Irgendwann könnte es möglich sein, dass man mit bestimmten rechtlichen Fragen nicht mehr einen Anwalt aufsucht, sondern sich an einen Computer wendet.

abi>> Wo werden die digitalen Möglichkeiten schon heute genutzt?

Martin Fries: Bisher dienen sie zum einen der Erleichterung anwaltlicher Arbeit. So kann der Computer Texte erkennen und in Dokumenten vielleicht auch schon manche Begriffe verstehen. Zum anderen gibt es Vertragsgeneratoren im Internet, die schon heute Bausteine für gängige Dokumente, wie Miet- oder Kündigungsverträge, zusammenfügen. Verbraucher müssen sie dann nur noch herunterladen und ausdrucken. Bei allen juristischen Fragen, die nicht individuell sind und in großer Zahl vorkommen, zum Beispiel bei Schadensersatzforderungen von Fluggästen, spielt Legal Tech schon heute eine große Rolle.

abi>> Welche Entwicklungen stehen den Rechtswissenschaften voraussichtlich noch bevor?

Martin Fries: In den nächsten Jahren wird schrittweise der so genannte elektronische Rechtsverkehr eingeführt. Dann können die Teilnehmer an gerichtlichen Verfahren Dokumente auch elektronisch einreichen und bekommen. Der Weg zum Einsatz künstlicher Intelligenz ist dagegen noch weit. Bis etwas anderes als standardisierte Fälle durch Computer bearbeitet werden können, ist noch viel Forschung nötig.

abi>> Besteht dann nicht die Gefahr, dass Juristen wegen Legal Tech weniger zu tun bekommen?

Martin Fries: Bisher ermöglicht die Technik vor allem, dass viele kleine Ansprüche, die sonst nicht zum Anwalt gekommen wären, nun doch erhoben werden. Sie ersetzt somit nicht die anwaltliche Arbeit, sondern ergänzt sie eher. Allerdings wird es in Zukunft für Juristen immer wichtiger werden, mit Programmierern zur technischen Umsetzung zusammenzuarbeiten.

abi>> Wie sollte sich die Entwicklung zukünftig auf die Ausbildung von Juristen auswirken?

Martin Fries: Angehende Juristen sollten in jedem Fall intensiver an die technische Arbeit herangeführt werden, denn sie wird für den Beruf immer wichtiger. Allerdings sehe ich diesen Teil der Ausbildung weniger im Studium, wo es mehr darum geht, zu lernen, wer Recht hat. Das Referendariat scheint mir der geeignetere Zeitpunkt zu sein.

abi>> Welchen Vorteil hat der Verbraucher von der Legal-Tech-Entwicklung?

Martin Fries: Die Technik schafft dem Verbraucher einen neuen Zugang zum Recht. Geringwertige Ansprüche werden eher geltend gemacht und die Angebote kostengünstiger Portale sind für jeden erschwinglich. Eine zusätzliche Sicherheit in der Rechtsberatung erhält der Verbraucher über Software, die anwaltliche Arbeit in der Zukunft vorbereiten und kritisch überprüfen kann. Diese kann den Juristen nicht ersetzen, aber seine Arbeit im Sinne des Verbrauchers ergänzen.

abi>> 14.08.2017

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