Wegweiser zum Traumjob Arzt

Arzt bei einer OP
Tagtäglich Menschen helfen und Leben retten – das ist der Traum vieler junger Menschen, die sich für ein Medizinstudium entscheiden.
Foto: Ria Kipfmüller

Humanmedizin studieren

Wegweiser zum Traumjob Arzt

Es ist der Traum vieler Abiturienten: operieren, heilen, beraten und helfen im weißen Kittel. Doch wie wird man überhaupt Arzt? Wo muss man sich für einen Studienplatz bewerben? Und wie stehen die Chancen, wenn die Abi-Note nicht auf Anhieb passt? Hier kommen die Antworten.

Sinnvoll, praktisch und sozial – diese Eigenschaften waren für Jule Herzog zentral bei ihrer Berufswahl. „Zudem wollte ich unbedingt ortsunabhängig und mit Menschen arbeiten. Das führte mich zum Medizinstudium.“ Dem Studium an der Universität zu Lübeck folgte eine mehrjährige Weiterbildung zur Fachärztin für Innere Medizin. „Das Gebiet reizte mich, da man den Menschen von Kopf bis Fuß kennenlernt. Die verschiedenen Patienten und ihre Krankheitsbilder sowie die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen machen meinen Beruf so interessant“, sagt die 35-jährige Internistin, die bis zu Beginn der Elternzeit an der Schön Klinik Hamburg Eilbek tätig war.

Kampf um Studienplätze ist groß

Das Medizinstudium genießt einen hohen Stellenwert unter jungen Leuten: Zum Wintersemester 2015/2016 hatten sich über hochschulstart.de – die zentrale Bewerbungsstelle für Medizinstudiengänge – 43.226 Anwärter auf 9.086 Plätze beworben. Die Vergabe der Studienplätze erfolgt über drei Quoten: die Abiturbesten der Bundesländer, Wartezeit sowie Auswahlverfahren der Hochschulen (Mehr Infos zum Bewerbungsverfahren findest du im Beitrag „Drei Quoten, drei Chancen“).

Warum so viele Abiturienten diesen Beruf ergreifen wollen, erklärt Berufsberater Steffen Witt von der Agentur für Arbeit Greifswald: „Neben guten Karriere- und Verdienstchancen und der Motivation, Menschen helfen zu wollen, spielt auch das positive Image des Arztberufes eine Rolle.“ Dass der Beruf kein Nine-to-Five-Job ist, zugleich aber auch viel Routine und Bürokratie mit sich bringt, tut dem Run auf die Studienplätze keinen Abbruch – ebenso nicht, dass das Studium ohne viel Fleiß und Ausdauer nicht zu meistern ist.

Die maximal 13 Semester des Staatsexamensstudiengangs teilen sich in einen vorklinischen und einen klinischen Teil auf. Das schließt unter anderem ein Praktikum, die sogenannte Famulatur, sowie das Praktische Jahr ein. Die Studierenden müssen eine umfangreiche Ärztliche Prüfung bestehen, die sich aus drei Teilen zusammensetzt. (Unter „Lernen und Prüfungen in drei Etappen“ gibt es Details zum Studienverlauf). Dieser Aufbau kann sich bei den Reform- und Modellstudiengängen unterscheiden, die inzwischen mehrere Hochschulen anbieten, wie etwa die Charité in Berlin. Hier gibt es oft von Beginn an einen größeren Praxisbezug (Mehr darüber erfährst du im Interview „Von Anfang an nah am Patienten“).

Alternative Wege ins Medizinstudium

Ein Porträt-Foto von Steffen Witt

Steffen Witt

Foto: privat

Doch was tun, wenn es mit dem Studienplatz nicht auf Anhieb klappt? Dann gibt es verschiedene Optionen. Dazu gehört zum Beispiel eine Ausbildung im arztnahen Bereich, etwa als Notfallsanitäter. Die Dauer der Ausbildung wird als Wartezeit angerechnet und verbessert die Chance, über diese Quote an einen Studienplatz zu kommen. Dazu Steffen Witt: „Eine solche Ausbildung ist eine sinnvolle Zeitüberbrückung, zumal viele Hochschulen, wie etwa Greifswald, sie beim Auswahlverfahren positiv anrechnen.“

Andere Zulassungsbedingungen gibt es teilweise an privaten Hochschulen. Hier lohnt sich ein Blick auf die jeweilige Website, um sich zum Beispiel auch über anfallende Kosten zu informieren. Eine weitere Möglichkeit ist ein Auslandsstudium; entweder komplett außerhalb Deutschlands oder über eine Kooperation, wie es etwa die deutschen Asklepios-Kliniken mit ihrer Partner-Uni in Polen machen. (Genaueres steht im Beitrag „Die NC-Hürde umgehen“.)

Auch über die Bundeswehr kann man an zivilen Unis Medizin studieren. Dafür muss man ein dreitägiges Auswahlverfahren an der Offiziersbewerbungsprüfzentrale in Köln bestehen. Außerdem verpflichtet man sich, für mindestens 17 Jahre bei der Truppe zu bleiben, inklusive des sechsjährigen Medizinstudiums. Ein Vorteil: Während des Studiums bekommt man ein dem Dienstgrad entsprechendes Gehalt.

Eventuell lohnt es sich auch, als Alternative einen Blick über den Tellerrand auf Bachelor- und Masterstudiengänge mit medizinischen Inhalten zu werfen. Beispiele sind Molekulare Medizin, Gesundheitswissenschaften oder Pflegemanagement.

Ein Beruf mit Zukunft

Der Arbeitsmarkt für Ärzte verheißt Gutes: „Es ist eine steigende Zahl an Erwerbstätigen und ein sehr niedriges Niveau der Arbeitslosigkeit zu verzeichnen“, sagt Susanne Lindner vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit. Daran werde sich auch künftig nicht viel ändern. Die Gründe: Der medizinische Fortschritt und die zunehmende Zahl älterer Menschen bringen immer mehr und aufwändigere Behandlungen mit sich, die Zahl der Teilzeitbeschäftigten steigt an und rund 100.000 Ärzte werden in absehbarer Zeit in Rente gehen. „Der Bedarf an Humanmedizinern wird, vor allem in ländlichen Regionen, also weiter wachsen“, erklärt die Arbeitsmarktexpertin.

>> Im abi>> Blog Medizin studieren berichten angehende Ärzte von ihren Erfahrungen.

 

Weitere Informationen

BERUFNET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: Arzt/Ärztin)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen und die Ergebnisse nach deinen Wünschen filtern.
www.studienwahl.de

BERUFE.TV

Das Filmportal der Bundesagentur für Arbeit mit mehr als 300 Filmen über Ausbildungs- und Studienberufe. (Suchwort: Medizin)
www.berufe.tv

hochschulstart.de

Über das Online-Portal erfolgt die Registrierung und Bewerbung für den Studiengang Humanmedizin.
www.hochschulstart.de

Operation Karriere

Informationen, Kongresse, Stellenmarkt – die Plattform unterstützt Medizinstudierende, Assistenzärzte und junge Klinikärzte bei der Karriereplanung.
www.operation-karriere.de

Bundesärztekammer

Die Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Ärztekammern ist die Spitzenorganisation der ärztlichen Selbstverwaltung und vertritt die berufspolitischen Interessen der Ärzte.
www.bundesaerztekammer.de

Test für Medizinische Studiengänge (TMS)

Hier gibt es Infos zum Test, zu Fristen und Terminen sowie zum Anmelde- und Teilnahmeverfahren.
www.tms-info.org

Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD)

Der DAAD informiert über das Medizinstudium im Ausland und hält praktische Links bereit.
www.daad.de/ausland/studieren/leben/de/6566-medizin/

Medizin studieren bei der Bundeswehr

www.bundeswehrkarriere.de/karriere/-/37598

Medizinischer Fakultätentag (MFT)

Der MFT ist der Zusammenschluss der Medizinischen Ausbildungs- und Forschungsstätten Deutschlands
www.mft-online.de

Modellstudiengang iMED

Infos zum Studium am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
www.uke.de/studium-lehre/modellstudiengang-medizin-imed

MedAT

Infos zum Aufnahmeverfahren für Medizinstudiengänge an den Universitäten Wien, Graz, Innsbruck und Linz.
www.medizinstudieren.at

 

Aufbau des Medizinstudiums

Lernen und Prüfungen in drei Etappen

Von Anatomie über Krankheitsbilder bis hin zum Patientenkontakt – das Medizinstudium bereitet intensiv auf die praktische Tätigkeit als Arzt vor und prüft Studierende auf Herz und Nieren. Eine Übersicht.

Das Studium in Humanmedizin unterscheidet sich in zwei wesentlichen Punkten von vielen anderen Studiengängen: Bachelor- und Masterabschlüsse gibt es nicht, da es sich um ein Staatsexamensstudiengang handelt. Und mit zwölf bis 13 Semestern Regelstudienzeit gehört die Ausbildung zum Arzt zu einer der längsten in Deutschland. An ihr führt jedoch kein Weg vorbei: Nur wer erfolgreich ein Medizinstudium abgeschlossen hat, kann eine Zulassung als praktizierender Arzt, die Approbation, bei der zuständigen Behörde seines Bundeslandes erhalten.

Von der Vorklinik bis zum Staatsexamen

Der Zugang zu Studium und Beruf ist bundeseinheitlich durch die Approbationsordnung für Ärzte (ÄApprO) geregelt. Die Ausbildung startet bei Regelstudiengängen mit dem zweijährigen vorklinischen Teil, der mit dem ersten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung in schriftlicher und mündlicher Form abschließt. Dann folgt im fünften bis zehnten Semester der klinische Teil mit dem zweiten schriftlichen Abschnitt der Ärztlichen Prüfung.

In der vorlesungsfreien Zeit absolvieren die Studierenden einen Krankenpflegedienst von drei Monaten und eine Ausbildung in Erster Hilfe. Hinzu kommt ein viermonatiges Praktikum, die sogenannte Famulatur: davon mindestens zwei Monate in einem Krankenhaus und ein Monat in einer Arztpraxis.

Wer nach dem zehnten Semester den zweiten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung bestanden hat, für den geht es in das Praktische Jahr (PJ) in einer Klink in den Fächern Chirurgie, Innere Medizin und einem Wahlfach. Es erstreckt sich über insgesamt 48 Wochen. Dann steht noch einmal Lampenfieber an, verursacht durch den dritten mündlich-praktischen Abschnitt der Ärztlichen Prüfung. Wer sich für Reform- oder Modellstudiengänge in Humanmedizin interessiert, sollte wissen, dass das Studium dort anders aufgebaut sein kann (Im Interview „Von Anfang an nah am Patienten“ gibt es dazu weitere Infos).

Promotion und Facharztausbildung

Absolventen haben übrigens nicht automatisch einen Doktortitel vor ihrem Namen stehen. Hierfür ist eine Promotion notwendig, also das Verfassen einer Doktorarbeit. Möglich ist auch eine Spezialisierung durch eine mehrjährige medizinische Weiterbildung zum Facharzt, etwa für Gynäkologie oder Orthopädie. Insgesamt kann aus über 30 Fachgebieten gewählt werden. Eine Liste mit entsprechenden Weiterbildungsstätten halten die Landesärztekammern auf ihren Websites bereit.

 

Interview

„Von Anfang an nah am Patienten“

Derzeit bieten acht staatliche Universitäten und zwei private Hochschulen Modellstudiengänge in Humanmedizin an. Was dahinter steckt und welche Vor- und Nachteile sich für Studierende ergeben, erläutert Dr. Frank Wissing, Generalsekretär des Medizinischen Fakultätentags der Bundesrepublik Deutschland e.V.

abi>> Herr Wissing, warum wurde die Möglichkeit geschaffen, mit neuen Lehr- und Lernansätzen zu experimentieren?

Frank Wissing: Das Medizinstudium ist stark durch den Staat reguliert und gilt daher als sehr verschult. Insbesondere die Trennung zwischen der eher theoretisch ausgerichteten Vorklinik in den ersten vier Semestern und den klinisch ausgerichteten höheren Semestern führte immer wieder zu dem Vorwurf, dass den Studierenden kein ausreichender Praxisbezug vermittelt würde.

abi>> Worin unterscheiden sich die neuen Modell- von den etablierten Regelstudiengängen?

Ein Porträt-Foto von Frank Wissing

Frank Wissing

Foto: privat

Frank Wissing: Im Wesentlichen in der Aufhebung der Trennung zwischen vorklinischem und klinischem Studienteil, sodass es unter anderem früh zu ersten Patientenkontakten kommt. In der Regel wird die sonst nach vier Semestern gemäß Approbationsordnung übliche M1-Prüfung* durch alternative Zwischenprüfungen ersetzt. Einige Standorte verknüpfen Theorie und Praxis eher über praktische Fragestellungen, Stichwort „Problemorientiertes Lernen“. Andere Inhalte werden eher thematisch zusammengefasst: Die Studierenden lernen hier zum Beispiel mehr organ- oder funktionsbezogen. Das machen mittlerweile auch viele Regelstudiengänge so.

abi>> Gibt es neben dem Vorteil „früher Praxisbezug“ auch Nachteile?

Frank Wissing: Ja, denn die patientenbezogene Lehre ist sehr aufwändig zu organisieren, längst nicht jeder Patient macht dies gern mit. Für die Studierenden kommt hinzu, dass die große Vielfalt – wann man welche Studieninhalte lernt – es erheblich erschwert, während des Studiums den Standort zu wechseln und die bisherige Studienleistung anerkannt zu bekommen.

abi>> Wie wird sich das Studium in den nächsten Jahren entwickeln?

Frank Wissing: Aktuell läuft die Diskussion, die Inhalte des Studiums noch stärker entlang der Kompetenzen eines praktizierenden Arztes zu bündeln. In einem nationalen Lernzielkatalog haben wir die erforderlichen Kompetenzen und das dazugehörige Wissen neu zusammengefasst. Mit der Übertragung auf die Lehrpläne an den deutschen Medizinfakultäten werden Theorie und Praxis noch stärker zusammengeführt. Diese Entwicklung greift auch die Politik im Masterplan „Medizinstudium 2020" auf. Wir hoffen, dass er darüber hinaus auch die starke Verschulung des Studiums zurücknimmt und Studierende wieder mehr Freiräume und Wahlmöglichkeiten haben, wie es für ein wissenschaftliches Studium erforderlich ist.

* Erster Abschnitt der Ärztlichen Prüfung

 

Humanmedizin

In den Klinikalltag eintauchen

David Cetaj (23) wusste schon früh, dass er Arzt werden will. Obwohl er seine Chancen auf einen Studienplatz nach dem Abi eher schlecht einschätzte, studiert er heute Humanmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. „iMED“ nennt sich der praxisnahe Studiengang.

„Bestimmt kommst du aus einer Arztfamilie“ – diesen Satz bekommen Studierende der Medizin oft zu hören. Was bei vielen zutreffen mag, gilt nicht für David Cetaj. Bei ihm war es ein Schlüsselerlebnis im Alter von sechs Jahren. Damals erlitt sein Vater einen schweren Autounfall. „Ich habe das Krankenhaus gehasst, schließlich war der Ort für mich sehr negativ behaftet. Doch die Ärzte, die ganz klar in ihren Aussagen waren, haben mich irgendwie fasziniert“, erinnert sich der 23-Jährige. Hinzu kam das große Interesse an den Fächern Biologie, Chemie und Physik. Am Entschluss Medizin zu studieren kamen nie Zweifel, obwohl das Studium „phasenweise echt anstrengend ist und einem kaum Freizeit lässt“.

Studienplatz nicht allein durch Abi-Note

Für den bundesweit zulassungsbeschränkten Studiengang musste David Cetaj sich über hochschulstart.de bewerben. „Ich war eher pessimistisch, was eine Zulassung anbelangt, da ich eine Abi-Note von 1,9 hatte. Die Chancen, über die Abiturbestenquote reinzukommen, waren gleich null, die für das Auswahlverfahren der Unis schätzte ich auch nicht gut ein.“ Umso überraschter war David Cetaj, als er die Einladung nach Hamburg zu einem Test erhielt: Beim „Hamburger Auswahlverfahren für medizinische Studiengänge – Naturwissenschaftsteil“ (HAM-Nat) müssen vier Stunden lang Multiple-Choice-Fragen zu medizinisch relevanten Aspekten der Fächer Mathematik, Physik, Chemie und Biologie beantwortet werden.

Neben Hamburg nutzen auch die Uni Magdeburg und die Charité in Berlin dieses Auswahlverfahren. Gut zu wissen: Es werden nur Kandidaten eingeladen, die den jeweiligen Studienort als erste Ortspräferenz angegeben haben – so wie David Cetaj Hamburg. Er beschreibt die weiteren Schritte: „Ich hatte so gut abgeschnitten, dass ich nicht mehr ins Auswahlgespräch musste, sondern direkt eine Zulassung bekommen habe.“ Seit der erfreulichen Nachricht ist er nun Student im integrierten Modellstudiengang „iMED“ am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), mittlerweile im neunten Semester.

Von der Pike auf: Theorie & Praxis

Ein Porträt-Foto von David Cetaj

David Cetaj

Foto: privat

Das iMED gliedert sind in drei Abschnitte. In den ersten drei Semestern geht es um das Verständnis für grundlegende Körperfunktionen, die Erstversorgung medizinscher Notfälle und den Erwerb psychosozialer Kompetenzen. Auch Pflicht: eine Erste-Hilfe-Ausbildung und mindestens zwei Monate Krankenpflegedienst. Nur dann wird man zur mündlichen Prüfung am Ende des ersten Studienabschnitts zugelassen. Im vierten bis sechsten Semester stehen die häufigsten Krankheitsbilder, Untersuchungstechniken, Diagnostik sowie Anamnese – die medizinische Befragung des Patienten – auf dem Lehrplan. Das siebte bis zwölfte Semester steht unter dem Motto „Krankheit: Differentialdiagnostik und -therapie, Prävention, Rehabilitation und Versorgungssysteme“. Darüber hinaus gibt es verschiedene Module im Wahlpflichtbereich, etwa Transplantationsmedizin oder Genetik in der Pränatal-, Kinder- und Jugendmedizin.

„Ab dem vierten Semester wird es spannend, denn ab da beginnt der Unterricht am Krankenbett und im Rahmen von Famulaturen lernt man den klinischen Alltag kennen“, erzählt David Cetaj. Dass im iMED von Anfang an die theoretischen Grundlagenfächer mit der klinischen Praxis vernetzt sind, empfindet er als großen Vorteil. Dies sei nicht nur im Sinne eines wissenschaftlich fundierten ärztlichen Handelns wichtig, sondern auch für die Ausbildung praktischer und psychosozialer Kompetenzen, die man für den Beruf des Arztes braucht. Er selbst möchte später – nach dem zweiten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung, dem Praktischem Jahr und dem dritten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung – als Unfallchirurg oder Rechtsmediziner in Hamburg arbeiten.

 

abi» Quiz

Fit fürs Medizinstudium?

Das Studienfach Humanmedizin ist eines der beliebtesten in Deutschland und gilt als besonders anspruchsvoll. Wäre dieser Bereich auch für dich das Richtige? Teste dein Wissen im abi>> Quiz und finde die jeweils richtige Antwort.

 Foto: Verena Westernacher

 

Bewerbung um ein Medizinstudium

Drei Quoten, drei Chancen

Jedes Jahr bewerben sich bei hochschulstart.de über 43.000 Interessierte auf rund 9.000 Studienplätze in Humanmedizin. Mit einem Spitzenabitur hat man sehr gute Chancen. Doch nicht immer zählt nur die Note. abi>> erklärt, wie die Bewerbung fürs Medizinstudium abläuft.

Louisa Bolm hat sich 2011 bei hochschulstart.de an der Universität zu Lübeck für Humanmedizin beworben. „Das war nach langer Recherche und Besuchen vor Ort meine Wunsch-Uni. Allerdings war ich auch etwas nervös, denn selbst mit einem sehr guten Abiturschnitt ist ein Studienplatz nicht selbstverständlich“, erzählt die 23-Jährige. Die Sorge war umsonst, denn über die Abiturbestenquote ergatterte die Studentin, die gerade das zehnte Semester abgeschlossen hat, einen von jährlich circa 190 Studienplätzen an der Lübecker Uni.

Humanmedizin gehört neben Tier- und Zahnmedizin sowie Pharmazie zu den bundesweit zulassungsbeschränkten Studiengängen. Das bedeutet: Jeder muss zentral über das Bewerbungsportal „AntOn“ –das steht für Antragstellung online – auf www.hochschulstart.de einen Zulassungsantrag stellen. Für das Wintersemester läuft die Bewerbungsfrist von Mitte April bis 31. Mai beziehungsweise 15. Juli; je nachdem, ob man sein Abi gerade erst gemacht hat oder schon im Vorjahr. Ab Mitte November bis spätestens 15. Januar kann man sich für das Sommersemester bewerben. Jedoch bieten nur wenige der 35 staatlichen Hochschulen mit Medizinischen Fakultäten einen Studienstart im Sommer an.

Note, Wartezeit und Auswahlverfahren

Die Vergabe der Studienplätze erfolgt über drei Quoten: Abiturnote, Wartezeit und Auswahlverfahren der Hochschulen. Jedes Mal können bis zu sechs Studienorte als Ortspräferenzen angeben werden.

Zunächst gehen 20 Prozent der Studienplätze an die Bewerber mit den besten Abiturnoten, in nach Bundesland getrennten Ranglisten. „In dieser Quote herrscht seit Jahren eine sehr starke Konkurrenzsituation“, weiß Kerstin Lütge-Varney von hochschulstart.de. Im Wintersemester 2015/2016 war für Bewerber aus 14 der 16 Bundesländer eine Durchschnittsnote von 1,0 erforderlich. Da aber nur 20 Prozent über diese Quote vergeben werden, haben an vielen Unis nicht einmal alle Einser-Abiturienten einen Studienplatz erhalten.

Wer hier nicht zum Zug kommt, hat vielleicht über die Wartezeitquote eine Chance, mit der weitere 20 Prozent der Studienplätze verteilt werden. Wartezeit umfasst die Anzahl der Halbjahre, die seit dem Erwerb des Abiturs verstrichen sind und in denen man nicht an einer deutschen Hochschule eingeschrieben war. Im vergangenen Wintersemester brauchte man mindestens 14 Halbjahre, um in der Quote berücksichtigt zu werden. Innerhalb einer Gruppe mit gleicher Wartezeit werden die Bewerber anhand weiterer Kriterien wie etwa ihrer Abiturnote sortiert.

Die meisten Studienplätze, nämlich 60 Prozent, werden über die Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH) verteilt. Nur wer in der Abiturbesten- und Wartezeitquote leer ausgegangen ist, kann am weiteren Verfahren teilnehmen und hat Chancen über die AdH.

Hochschulen legen eigene Kriterien fest

Laut Kerstin Lütge-Varney sei das AdH nicht nur durch sein Volumen an zu vergebenden Plätzen interessant, sondern auch durch seinen Charakter. Denn hier zählen nicht nur die Abiturnote, sondern weitere Auswahlkriterien. Dazu gehört zum Beispiel das Ergebnis eines fachspezifischen Studierfähigkeitstests, wie etwa der Test für medizinische Studiengänge (TMS). Eine abgeschlossene einschlägige Berufsausbildung, ein Motivationsschreiben oder ein persönliches Auswahlgespräch können ebenfalls eine Rolle spielen. Art und Umfang der relevanten Kriterien variieren von Hochschule zu Hochschule. Die Uni Lübeck etwa legt vor allem Wert auf das Auswahlgespräch. Das trägt der Tatsache Rechnung, dass eine gute Abi-Note noch lange keinen guten Studierenden beziehungsweise Arzt macht.

Für Bewerber ist es also ratsam, sich bei den gewünschten Hochschulen oder auf hochschulstart.de vorab zu erkundigen, welche Kriterien konkret zählen. „Erfüllt man mehrere Auswahlkriterien einer Universität, sammelt man Bonuspunkte. An einigen Unis wie in Tübingen und Freiburg ist es dadurch möglich, sich um bis zu eine Note zu verbessern. So stehen selbst mit einer Durchschnittsnote von 2,0 die Chancen auf einen Studienplatz gut“, weiß die Expertin von hochschulstart.de.

Bei der Bundeswehr oder an privaten Unis

Anders sieht es mit dem Bewerbungsverfahren, den Fristen und der Anzahl der Studienplätze aus, wenn man an einer privaten Hochschule oder bei der Bundeswehr Medizin studieren möchte. Jedes Jahr werden maximal 220 Studienplätze in Humanmedizin für Sanitätsoffizier-Anwärter der Bundeswehr vorgehalten. Bewerbungen dafür sind an das Personalstammamt der Bundeswehr in Köln zu richten. Die Anzahl der Plätze an privaten Einrichtungen ist eher überschaubar. So hat etwa die Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane – neben der Uni Witten/Herdecke aktuell die einzige private Hochschule, die ein Medizinstudium anbietet – jährlich nur 48 Studienplätze zu vergeben. Für die Zulassung bewirbt man sich direkt bei den Hochschulen.

 

Medizinstudium im Ausland

Die NC-Hürde umgehen

Der Studiengang Humanmedizin ist sehr beliebt, entsprechend groß ist der Kampf um einen Studienplatz. Eine Alternative ist ein Medizinstudium im Ausland, denn hier zählen oft andere Auswahlkriterien.

Wie Hildegard Nagl geht es vielen Abiturienten in Deutschland: Die Abiturnote reicht nicht aus, um einen der begehrten Studienplätze in Medizin zu bekommen. „Meinen Traum, Ärztin zu werden, wollte ich deswegen nicht aufgeben. Daher bewarb ich mich an der Medizinischen Universität Innsbruck“, erzählt die 23-Jährige. Der Vorteil: In Österreich entscheidet allein das Ergebnis eines gemeinsamen Aufnahmeverfahrens aller Unis, die ein Medizinstudium anbieten, das sogenannte MedAT. Auch hier ist aufgrund der Menge an Bewerbern die Konkurrenz groß, zumal aktuell nur 20 Prozent der Studienplätze an EU-Bürger vergeben werden. Diese Quotenregelung läuft zwar Ende 2016 aus, wie es weitergeht, ist aber noch nicht sicher.

Hildegard Nagls Diplomstudium, das in drei Abschnitte aufgeteilt ist, unterscheidet sich inhaltlich kaum von dem in Deutschland. Im elften und zwölften Semester steht wie hierzulande das Praktische Jahr an. Einen wesentlichen Unterschied gibt es jedoch: „Wir schreiben keine Staatsexamen, sondern haben nach jedem Semester eine große Prüfung zu absolvieren“, sagt die Studentin im neunten Semester. Mit ihrem Abschluss und dem Titel „Dr. med. univ.“ könnte Hildegard Nagl problemlos in Deutschland als Ärztin arbeiten. Wohin und in welche Fachrichtung es sie verschlagen wird, ist noch offen.

Abi-Note? Im Ausland weniger relevant

Ein Porträt-Foto von Steffen Witt

Steffen Witt

Foto: privat

Wie in Österreich kann auch in anderen Ländern die Abiturnote eine untergeordnete Rolle spielen. „Das Medizinstudium ist aber auch anderswo beliebt und die Anzahl der Studienplätze an ausländischen Hochschulen ebenso begrenzt“, wendet Steffen Witt, Berufsberater bei der Agentur für Arbeit Greifswald, ein. So müssen Bewerber Tests absolvieren oder mit praktischen Erfahrungen oder Motivationsschreiben punkten. Zudem ist ein Nachweis von Kenntnissen der Landessprache erforderlich. Nicht ohne Grund stehen daher Hochschulen in deutschsprachigen Ländern wie Österreich und die Schweiz hoch im Kurs. Allerdings hat man in der Schweiz keine Chancen auf einen Studienplatz, sofern man nicht seit mindestens zwei Jahren in der Alpenrepublik wohnt.

Bei wem es mit Fremdsprachen hapert, für den hat der Berufsberater einen Tipp: „Die Semmelweis Universität in Budapest und die Pommersche Medizinische Universität Stettin in Polen bieten deutschsprachige Medizinstudiengänge an.“ An anderen ausländischen Hochschulen, etwa im bulgarischen Varna, wird in Englisch gelehrt.

Teils hohe Studiengebühren

Nicht nur in Sachen Sprachkenntnisse ist rechtzeitige Recherche das A und O: Welche Fristen gibt es? Welche Bewerbungsunterlagen sind nötig? Wird der Abschluss in Deutschland anerkannt?

Die letzte Frage ist einfach zu beantworten: „Bei einem Studium in einem EU-Land oder in der Schweiz steht der Approbation, der staatlichen Zulassung zum Beruf, in Deutschland nichts im Wege“, so Steffen Witt. Bei Abschlüssen, die außerhalb der EU erreicht wurden, kann gegebenenfalls eine Prüfung vonnöten sein. Deutlich schwieriger wird es, wenn man während des Auslandsstudiums zurück nach Deutschland möchte. Dafür braucht es einen vergleichbaren Studienaufbau und einen freien Platz an einer deutschen Hochschule. Letzteres ist bei einer Abbruchquote im einstelligen Prozentbereich eher unwahrscheinlich.

Wenn man diesen Weg wählt, sollte man sich also darauf einstellen, das gesamte Studium im Ausland zu absolvieren – und zu finanzieren. „Während in Österreich oder Frankreich keine Studiengebühren anfallen, können es andernorts mehrere Tausend Euro pro Semester sein. In den Niederlanden sind es rund 2.000 Euro, an polnischen Unis wie Stettin hingegen sind es über 10.000 Euro pro Jahr“, merkt Berufsberater Steffen Witt an.


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Stand: 21.09.2018