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Alles so schön grün hier!

Junge Frau vermisst einen Fluß (die Losse in Helsa) mit einem Messflügel an drei Stellen.
Naturwissenschaftliche Vorgänge in der Umwelt erfassen, die der Mensch beeinflusst: Das Studienfach Landschaftsökologie bietet viel Arbeit in der freien Natur.
Foto: Karsten Socher / KS-Fotografie

Landschaftsarchitektur und -ökologie

Alles so schön grün hier!

Die Natur verstehen und so gestalten, dass sich Mensch, Tier und Pflanze problemlos einen Lebensraum teilen – das ist für viele ein schöner Gedanke. Es kann ein Beruf daraus werden: Studiengänge wie Landschaftsökologie, Freiraumplanung und Landschaftsarchitektur bereiten darauf vor.

Johanna Serfling (23) hat sich ihr Studium bewusst ausgesucht. Sie wollte viel Zeit draußen in der Natur verbringen und möglichst alles über die Zusammenhänge lernen, die unsere Umwelt prägen. Der Bachelor Landschaftsökologie an der Universität Münster ist für sie ein Volltreffer. Die geowissenschaftliche Disziplin befasst sich mit biologischen, chemischen und physikalischen Vorgängen in Landschaften, die der Mensch beeinflusst.

Nach dem Abitur hatte die 23-Jährige, die aus der Nähe von Hamburg kommt, zunächst ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FJÖ) in einem Weltladen gemacht und dies zur Orientierung genutzt. Für Münster entschied sie sich auch wegen der Stadt, vor allem aber aufgrund der Studienbeschreibung. Nach den Grundlagen im ersten Semester mit Physik, Chemie und Mathe wurde es dann schnell fachlich: Tiere und Pflanzen bestimmen, Boden- und Gesteinskunde, Vegetationsökologie, Geoinformatik, Raumplanung und vieles andere. Häufig ergänzten Geländeübungen die Theorie.

Auf spannender Exkursion

Ein Porträt-Foto von Johanna Serfling

Johanna Serfling

Foto: privat

Vor kurzem war Johanna Serfling auf Exkursion im Kleinwalsertal und hat dort kartiert: Was wächst auf einer Fläche von vier mal vier Metern? Jede Pflanze, jedes Gras wird bestimmt und die Häufigkeit – Fachleute sagen Artmächtigkeit – geschätzt. So können Rückschlüsse beispielsweise auf die Feuchtigkeit und die Eigenschaften des Bodens gezogen werden.

Der Bachelorstudentin fällt das alles leicht, „weil ich mich dafür interessiere“, sagt sie. Sie ist inzwischen im sechsten Semester und hat ihre Bachelorarbeit über Windkraftanlagen in der Nähe von Naturschutzgebieten und deren Auswirkungen auf Vögel abgegeben. Nun muss sie noch einen Bericht dazu schreiben. Wie es weitergeht, weiß sie schon: Sie will zunächst ihren Master machen. Danach möchte Johanna Serfling in die Planung gehen. „Raumplanung oder ökologische Planung für Bauvorhaben, Umweltberichte schreiben“, kann sie sich gut vorstellen.

Wie die Arbeit in einem Planungsbüro läuft, hat sie im verpflichtenden landschaftsökologischen Praktikum im Büro für Fledermauskunde „Echolot“ erfahren. Wochenlang war sie Fledermaus-Vorkommen in Nordrhein-Westfalen auf der Spur, hat den fliegenden Säugern mit dem Detektor nachgespürt, aber sie auch mit Netzen gefangen und kurz untersucht, bevor die Tiere wieder freigelassen wurden.

Stadtplanung oder Naturschutz als Schwerpunkt

Erholungsorte für Menschen und gleichzeitig Lebensräume für Tiere und Pflanzen schaffen oder erhalten, das liegt bei der heutigen Stadtplanung und beim Naturschutz im Trend. „Wer sich für solche ‚grünen‘ Themen interessiert, ist in der Landschaftsökologie genau richtig. Aber auch Geo- oder Umweltwissenschaften wären passend“, sagt Ronny Lamprecht, Berater für akademische Berufe bei der Agentur für Arbeit Würzburg. „Wer sich der Natur kreativ nähern will, findet möglicherweise in der Landschaftsarchitektur – also dem Entwerfen, der Planung und Umgestaltung von nicht bebautem Raum – sein Glück“, ergänzt er. Teilbereiche und Spezialisierungen, die auch als eigenständige Studiengänge angeboten werden, sind die Freiraumplanung, die ästhetisch-gestalterische Aspekte in den Mittelpunkt rückt, die Landschaftsentwicklung, die den Naturschutz fokussiert, sowie der Landschaftsbau, der ein ingenieurwissenschaftliches Studium ist.

Bei der Wahl des Studiengangs genau hinschauen

Und wenn man vor der Qual der Wahl steht? „Man muss sich die Studiengänge sehr genau anschauen und sie mit den eigenen Zielen und Interessen abgleichen“, rät Bianca Schulz von der Zentralen Studienberatung der Hochschule und der Universität Osnabrück. „Häufig sind unter verschiedenen Bezeichnungen ähnliche Inhalte zu finden. Andererseits können hinter gleichem Namen ganz unterschiedliche Profile und Forschungsschwerpunkte stecken“, ergänzt sie. So finden sich in Suchverzeichnissen auch Studiengänge mit dem Titel Geoökologie oder Ökologie und Umweltplanung. Beide vermitteln ebenfalls Inhalte, die sich mit dem Zusammenspiel von Mensch und Natur befassen.

Viele dieser Bachelorstudiengänge vermitteln ein breites Basiswissen. Im Master können sich Bachelorabsolventen dann spezialisieren und sich zum Beispiel zum Experten für Boden, Gewässer oder Altlasten ausbilden lassen. Aber auch im landschaftsarchitektonischen Bereich gibt es vertiefende und spezialisierende Masterprogramme. Die Liste ist lang.

Naturwissenschaftliches Kommunikations-Talent

Das Interesse an solchen Studiengängen ist groß: In Osnabrück beispielsweise ist die Zahl der Bewerber für die beiden Studiengänge Freiraumplanung und Landschaftsentwicklung drei- bis viermal so hoch wie die Anzahl der Studienplätze. Zugangsvoraussetzung für ein „grünes“ Studium sind häufig Vorpraktika oder berufliche Praxis, im gestalterischen Bereich Eignungsmappen. Berufsberater Ronny Lamprecht hält naturwissenschaftliches Interesse unbedingt für notwendig, auch technisches Verständnis und räumliches Vorstellungsvermögen gehören seiner Meinung nach dazu.

„Nicht zuletzt müssen auch Landschaftsökologen und Landschaftsarchitekten mit dem Computer arbeiten. Die einen erfassen ihre Ergebnisse und werten sie mit statistischen Programmen aus, die anderen planen mit 3D-Simulationen“, schildert er. Bianca Schulz von der Studienberatung fügt hinzu: „Allen späteren Berufen ist eines gemeinsam: Wer im ‚grünen‘ Bereich arbeitet, ob im Planungsbüro, in einer Stadtverwaltung oder bei einer Umweltschutzorganisation, muss erklären, moderieren und beraten können. Denn häufig kollidieren Interessen beispielsweise von Planern und Anwohnern mit denen von Autofahrern und Naturschutz.“

Gute Aussichten für „grüne“ Abschlüsse

Die beruflichen Aussichten nach dem Bachelor sind prinzipiell gut, ein weiterführendes Masterstudium trotzdem empfehlenswert. „Das Bewusstsein für und das Interesse an der Landschaftsplanung – gerade für den urbanen Bereich – hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Von dieser Entwicklung profitiert auch der Arbeitsmarkt für Landschaftsarchitekten, Freiraumplaner und Landschaftsökologen“, sagt Susanne Lindner vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit. Die Beschäftigung sei um etwa zwei Prozent auf rund 8.300 im Jahr 2015 gestiegen, die Arbeitslosigkeit zurückgegangen. „Aber: Das Berufsfeld ist eher klein und die Zahl der gemeldeten Stellen eher überschaubar: Knapp 600 wurden 2015 in Deutschland neu gemeldet“, merkt sie an.

„Wer örtlich flexibel ist, findet auch etwas“, ordnet Ronny Lamprecht ein. Wichtig sei, in den oft verpflichtenden Praktika verschiedene Bereiche kennenzulernen und Kontakte aufzubauen. „Die ersten Stellen sind häufig in Anstellung, spätere Selbstständigkeit zum Beispiel als Gutachter oder als Landschaftsarchitekt mit eigenem Büro nicht ausgeschlossen“, erklärt er.

Weitere Informationen

BERUFNET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwörter: Lanschaftsarchitektur, Naturschutz)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen und die Ergebnisse nach deinen Wünschen filtern.
www.studienwahl.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du nach Studiengängen und schulischen Ausbildungen suchen (Suchwort z.B.: Landschaftsarchitektur).
www.kursnet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

Bund Deutscher Landschaftsarchitekten (BDLA)

Auf der Website des BDLA kannst du dich über aktuelle Themen der Landschaftsarchitektur informieren. Unter „Aktuell“ hast du außerdem Zugriff auf eine umfangreiche Job- und Praktikabörse.
www.bdla.de

Berufsvertretung Deutscher Biologen (BDBiol)

Der BDBiol vertritt als berufsständischer Verband auch die Interessen selbständiger Biologen, auch Landschaftsökologen in Deutschland. Viele erbringen Leistungen in den Arbeitsbereichen Landschafts- und Naturschutzplanung.
www.biologenverband.de

Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e.V. (BGL)

Der BGL vertritt die Interessen der Unternehmen, die im deutschen Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau tätig sind. Auf der Verbandswebsite findest du Informationen zu Beruf und Karriere im Fachbereich, inklusive Stellen- und Ausbildungsbörse.
www.galabau.de

Bundesverband Beruflicher Naturschutz (BBN)

Der BBN informiert auf seiner Website über Ausbildungswege und aktuelle Stellenausschreibungen im Bereich Naturschutz.
www.bbn-online.de

Umweltschutzverbände

Die Umweltschutzverbände bieten Informationen über die Natur, den Umweltschutz und freiwilliges Engagement an. Auf den Seiten finden sich zum Teil auch Job- und Stellenangebote unter anderem für ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ).
www.bund.net
www.nabu.de
www.bund-naturschutz.de

 

abi>> 24.10.2016

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