"Ich möchte in einem Bereich arbeiten, der gesellschaftlich relevant ist"
Er ist zwar kein Weltverbesserer, aber ein paar grundsätzliche Fragen sind Julian Langer (23) schon wichtig. Deshalb studiert er im siebten Semester Philosophy & Economics an der Uni Bayreuth und macht zurzeit ein Praktikum bei einer Politikberatung in Hamburg.
"Politische Stabilität" wäre ein tolles Thema für die Bachelorarbeit, findet Ethikstudent Julian Langer.
Foto: Trabandt
Das zehnwöchige verpflichtende Praktikum hat er bei einem dänischen Unternehmen in der Hansestadt absolviert, das weltweit wissenschaftliche Politikberatung anbietet. Bildung und internationale Zusammenarbeit fallen hier in eins, perfekt für Julian Langer. Die Zeit im Unternehmen nutzt er auch, um sich Gedanken über seine Bachelorarbeit zu machen. Unsichere Lebensmittelversorgung und politische Stabilität, findet er, wäre ein tolles Thema.
Begeisterung gespürt
Doch alles der Reihe nach: Die Entscheidung für den Bachelor of Philosophy & Economics hat Julian Langer sehr bewusst getroffen. Im ersten Anlauf hatte er sich für Lehramt Germanistik und Philosophie in Göttingen eingeschrieben, war aber nicht zufrieden. Im ZEIT-Studienführer stieß er dann auf Bayreuth und fuhr zum Schnuppern hin. „Ich habe mich in Seminare reingesetzt, mit den Dozenten geredet und die Begeisterung der anderen Studis gespürt“, erzählt Julian Langer. Das gab den Ausschlag.
Die Universität in Oberfranken war die erste in Deutschland, die Philosophie und Ökonomie verbunden hat. Mit starkem Fokus auf die „harten Seiten“ der Fächer. In den ersten beiden Semestern stehen Grundlagen im Mittelpunkt. Rechts- und Sozialphilosophie zum Beispiel und angewandte Ethik, in der Volkswirtschaftslehre auch Mathe und Statistik. „Was man auch mögen muss“, sagt Julian Langer. In jedem Fall schult es das analytische Denken und die Fähigkeit, Probleme zu strukturieren.
Dazu kommt – aus der Philosophie – die normative Ebene. Diese grundsätzliche Reflexion über menschliches Handeln und Wirtschaften liegt Julian Langer. Ab dem dritten Semester hat er sich vor allem auf die ethischen und ökonomischen Perspektiven der Entwicklungshilfe konzentriert, sich mit politischer Ökonomik beschäftigt und auch statistische Methoden vertieft. „Schön ist, dass man durch die Auswahl sehr viel selbst gestalten kann“, fasst er zusammen.
Praktikum in Südafrika
Das sechste Semester hat er im Ausland verbracht, wie die meisten seiner Kommilitonen. „Niemand wird gezwungen, aber wir sind dazu aufgerufen“, sagt der heute 23-Jährige. Er wählte Südafrika, genauer die Universität von Stellenbosch – und half im Anschluss zwei Wochen lang bei einem Freiwilligenprojekt in einem Dorf in Mozambik. Das Schlimmste: Die Insekten. Das Schönste? „Ich glaube, es hat geholfen – wir haben ein neues Schuldach gebaut und es hält!“
Grundsätzliche Fragen aber lassen ihn nicht los: Haben „entwickelte“ Länder eine Verpflichtung, ärmeren zu helfen? Oder macht die Hilfe des „reichen, weißen Mannes“ die Armen in den Entwicklungsländern abhängig? Und ganz praktisch: Wie sollen Hilfsorganisationen reagieren, wenn Moskito-Netze, die eigentlich vor Mücken und damit vor Malaria schützen sollen, von den Menschen zu Fischernetzen umfunktioniert werden?
Master in London
Vielleicht gibt es nicht „die“ Lösung. Julian Langer meint, dass nichts unsinniger ist, als komplexen Fragen mit einer einfachen Antwort zu begegnen. Gerade in der Entwicklungsökonomik. Ist er denn ein Weltverbesserer? „Glaub nicht“, sagt Julian nachdenklich, „aber persönlich möchte ich in einem Bereich arbeiten, der gesellschaftlich relevant ist. Dazu wünsche ich mir interessante Aufgaben und ein Arbeitsklima, das mich zufriedenstellt.“
Und seine beruflichen Pläne? Julian Langer sitzt schon über seiner Master-Bewerbung. Ökonomik in England, findet der 23-Jährige, das wär’s. Weil es dort einen „kurzen“ Master gibt, die Expressroute zur angestrebten Promotion. Zudem ist London „sehr attraktiv“: Etliche seiner Kommilitonen an der Universität Bayreuth studieren in der britischen Hauptstadt, sogar eine Wohngemeinschaft gibt’s.






