Gehobene Perspektive
Sie wohnt auf einem Schloss und beschäftigt sich überwiegend mit Zahlen: Marie Niedermeier (21) studiert in Hachenburg an der Fachhochschule des Bundes "Zentralbankwesen/Central Banking". Mit dem Bachelor in der Tasche kann sie nach drei Jahren Studium anspruchsvolle Aufgaben im gehobenen Bankendienst wahrnehmen.
An der Fachhochschule des Bundes kann man "Zentralbankwesen/Central Banking" studieren. Danach ist man Beamter und hat möglicherweise mit viel Geld zu tun.
Foto: Rehm
Bei ihrer Berufswahl wollte Marie Niedermeier auf Nummer sicher gehen, deshalb schien ihr eine Anstellung beim Bund erstrebenswerter als eine Karriere in der freien Wirtschaft. Weil sie außerdem schon immer gerne mit Zahlen jonglierte, lag es für die 21-Jährige schließlich nahe, eine Beamtenlaufbahn bei der Deutschen Bundesbank einzuschlagen. Zunächst bewarb sie sich allerdings beim Bundeskriminalamt, beim Bundesnachrichtendienst und im Finanzministerium. Geklappt hat es schließlich mit dem Bachelor „Zentralbankwesen/Central Banking“
an der Fachhochschule des Bundes im rheinland-pfälzischen Hachenburg. Zunächst musste sie aber einen Einstellungstest und ein Assessment Center meistern. Marie Niedermeier hatte Glück: Sie war unter den ersten 60 Bewerbern – auf diese Zahl waren die Studienplätze begrenzt.
In Kürze startet die Studentin in ihr zweites Semester, das sie zunächst in Lübeck in einer Filiale der Bundesbank verbringen wird. Insgesamt dreimal sechs und einmal vier Monate Theoriestudium wechseln mit vier Praxisphasen ab, die zwischen anderthalb und drei Monaten dauern – hinzu kommt eine achtwöchige Bachelorarbeit. Den ersten Theorieblock hat sie schon hinter sich – Finanzmathematik, Stochastik, Statistik, Betriebswirtschaftslehre, Rechnungswesen… Der Stoff des ersten Semesters war umfassend und Marie Niedermeier hofft, alle Prüfungen bestanden zu haben. „Zwei Ergebnisse stehen noch aus, aber alle anderen Prüfungen habe ich bestanden“, freut sie sich.
Verbeamtet auf Widerruf
Seit dem 1. April wohnt und studiert Marie Niedermeier in Schloss Hachenburg. Weil sie in ihrer Heimatstadt Schwerin noch eine Wohnung hat, werden die Kosten für ihr Wohnheimzimmer – 300 Euro im Monat – übernommen. Seit ihrem ersten Studientag bis zum Abschluss ist sie verbeamtet auf Widerruf. Anschließend bekommt sie garantiert einen Job, bleibt allerdings weitere drei Jahre Beamtin auf Probe. Sollte sie in dieser Zeit „durchfallen“, müsste sie die gesamte Ausbildungsförderung – 958 Euro pro Monat – zurückbezahlen. „Damit das passiert, müsste man schon etwas sehr Dummes anstellen“, weiß die Studentin. Und in welchen Bereich zieht es sie nach dem Studium? „Die Revision wäre spannend. Ich könnte mir vorstellen, dort zu arbeiten.“






