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Dem Dienstherrn verbunden

Ein junger Mann bespricht mit einem Kunden den Vertrag.
Studierende der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung erlernen in verschiedenen Praxisphasen etwa die Beratung und Betreuung von Versicherungskunden.
Foto: Isabella Fischer

Studieren im öffentlichen Dienst

Dem Dienstherrn verbunden

Der öffentliche Dienst ist nicht zuletzt wegen der Jobsicherheit für viele ein attraktiver Arbeitgeber. Für Abiturienten bieten sich insbesondere durch ein Studium viele Möglichkeiten, in diesem Berufsfeld Fuß zu fassen.

Roland Weßel wollte mehr: Nach dem Abitur hatte er zunächst bei der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See (KBS) in Bochum eine Ausbildung zum Sozialversicherungsangestellten absolviert. „Damit hätte ich die Laufbahn im mittleren Dienst beginnen können. Ich wollte allerdings die Laufbahn im gehobenen Dienst einschlagen, wofür ich ein Studium brauchte“, erklärt der 25-Jährige.

Daher bewarb er sich bei der KBS für ein duales Studium im Fachbereich Sozialversicherung. Voraussetzung für die Bewerbung war das Abitur. Da die KBS-Studierenden – im Gegensatz zu den Studierenden der Deutschen Rentenversicherung Bund – bereits während ihres Studiums Beamte auf Widerruf sind, müssen sie zudem die Voraussetzungen für die Verbeamtung erfüllen: Sie müssen die deutsche Staatsbürgerschaft oder die Bürgerschaft in einem EU-Mitgliedstaat haben, körperlich und geistig gesund sein und dürfen nicht vorbestraft sein.

Erst Beamter auf Widerruf, dann auf Probe, dann auf Lebenszeit

Ein Porträt-Foto von Roland Weßel

Roland Weßel

Foto: privat

Seine Bewerbung hatte Erfolg und er startete nach seiner Ausbildung ins Studium. „Die ersten sieben Monate lernten wir an der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung in Berlin. Danach ging es abwechselnd in die Praxisphasen bei der KBS und in die Theoriephasen in einer Außenstelle der Hochschule des Bundes in Bochum, wo wir unter anderem spezielle Kenntnisse für die Knappschaft erworben haben, die etwas anders sind als für die Rentenversicherung allgemein.“ Die Knappschaft-Bahn-See geht auf einen Jahrhunderte alten Zusammenschluss von Bergleuten zurück, die dadurch zum einen – ähnlich einer Gewerkschaft – geschlossen ihre Interessen gegenüber ihrer Arbeitgeber vertraten und sich zum anderen, etwa im Fall von Krankheit oder Tod, gegenseitig sozial absicherten. Auch heute bietet die KBS im Gegensatz zur Rentenversicherung noch weitere Dienstleistungen an. In den Praxiseinsätzen lernten Roland Weßel und seine Kommilitonen die unterschiedlichen Bereiche der Behörde kennen: Rentenversicherung, Krankenversicherung, Pflegeversicherung. „Ein Praxiseinsatz am Ende des Studiums führte uns zudem in die Minijob-Zentrale“, berichtet er. (Mehr zum Thema Jobvermittlung erfährst du in der Studienreportage „Vermittler in die Berufswelt“.)

Nach seinem Bachelorabschluss stieg der 25-Jährige als Sachbearbeiter im Bereich Rentenversicherung ein. Er errechnet zum Beispiel die Renten der Mitglieder, bearbeitet Anfragen der Sozialversicherungsträger und ist Ansprechpartner für Fragen der Versicherten. Noch im Studium war er Beamter auf Widerruf, derzeit ist er Beamter auf Probe und nach drei Jahren wird er Beamter auf Lebenszeit. Dann kann er sich auch auf weitere Stellen in der KBS bewerben. „Irgendwann würde ich gerne als Gruppenleiter arbeiten“, sagt Roland Weßel und fügt an: „Aber bis dahin muss ich noch viel lernen.“

Mehr Personal vor allem im sozialen Bereich

Die Rentenversicherung ist nur ein möglicher Arbeitgeber im öffentlichen Dienst. Darüber hinaus gibt es viele weitere Behörden und Institutionen. Dazu zählen etwa Bund, Länder, Landkreise und Kommunen. Hinzu kommen die Bundeswehr, Gerichte, Schulen, Hochschulen sowie staatliche Krankenhäuser. (Mögliche Berufe im nicht-technischen gehobenen Dienst listet die Übersicht „Arbeitgeber von Kommune bis Bund“ auf.)

Laut dem Statistischen Bundesamt waren am 30. Juni 2016 rund 4,7 Millionen Beschäftigte im öffentlichen Dienst tätig, fast ein Prozent mehr als im Vorjahr. Vor allem im sozialen Bereich – hier besonders in der Hilfe für Asylbewerber oder beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) – wuchs der Personalstand stark an.

Rund 36 Prozent der Beschäftigten des öffentlichen Dienstes waren Mitte 2016 im Beamtenverhältnis oder als Richter tätig, 61 Prozent als Arbeitnehmer, der Rest als Berufs- und Zeitsoldaten. (Über weitere Jobmöglichkeiten bei der Bundeswehr liest du in der Reportage „Drohnen und Co. auf dem Prüfstand.") „Angestellte können im Gegensatz zu Beamten gekündigt werden, aber auch einfacher in die Wirtschaft wechseln“, erklärt Kurt Hägerbäumer, Berufsberater bei der Agentur für Arbeit in Bonn. (Mehr zu den Vor- und Nachteilen des Beamtenstatus sowie den Chancen für Absolventen liest du hier „Der Beamtenstatus ist ein Trumpf“.) „Allerdings verdienen sie im öffentlichen Dienst in der Regel weniger als bei einem Unternehmen“, ergänzt der Berufsberater. Das Gehalt eines Beamten ist in Besoldungsgruppen gestaffelt, die sich an Alter und Berufserfahrung orientieren.

Berufswunsch bedingt den Abschluss

Bachelorabsolventen können im öffentlichen Dienst Laufbahnen des gehobenen technischen oder nicht-technischen Dienstes einschlagen und arbeiten zum Beispiel als Sachbearbeiter oder als Sachgebietsleiter. (Ein Beispiel bietet dir die Reportage „Die Diplomatin von morgen“.) Für den höheren Dienst, die höchste Beamtenlaufbahn, ist ein Masterabschluss Voraussetzung. „Dabei muss das Studium nicht unbedingt an einer Verwaltungshochschule erfolgt sein“, erklärt Kurt Hägerbäumer. Auch mit Jura, Public Management, Ingenieurwissenschaften, Verwaltungsinformatik und anderen Studiengängen ist ein Einstieg in den öffentlichen Dienst möglich.

Übrigens: Manche Bundesländer nennen die Laufbahn zum höheren Dienst auch „Zweites Einstiegsamt der zweiten Laufbahngruppe“ oder Qualifikationsebene 4. Ohnehin können sich Regelungen von Bundesland zu Bundesland unterscheiden.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: Öffentlicher Dienst) www.berufenet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

http://www.jobboerse.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.

www.studienwahl.de

durchstaaten.de

Online-Portal der Bundesregierung mit Informationen rund um das Arbeiten im öffentlichen Dienst

www.durchstaaten.de

Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung

www.hsbund.de

Hochschule der Bundesagentur für Arbeit (HdBA)

www.hdba.de

Universität der Bundeswehr München

www.unibw.de

DBB Beamtenbund und Tarifunion

www.dbb.de

DBB jugend

www.dbb.de/der-dbb/jugend.html

 

abi>> 29.01.2018