Student, still gestanden — von wegen
David Zeidler ist 21 Jahre alt, Politikwissenschaftstudent und geht gerne mal auf Fachschaftspartys. So weit — so normal. Aber David Zeidler ist gleichzeitig Leutnant und studiert an der Bundeswehruniversität in Hamburg.
In "zivil" zur Uni: Politikwissenschaftsstudent David Zeitler ist Leutnant.
Foto: Privat
Nein, Uniform trage kaum einer, lacht David Zeidler: „Die meisten von uns tragen ganz bequeme Kleidung, wie Jeans und T-Shirt." Schon während der Schulzeit hat sich der heute 21-Jährige dafür entschieden, zur Bundeswehr zu gehen und die Offizierlaufbahn mit Studium einzuschlagen. „Ich fand diesen Beruf sehr attraktiv. Menschen zu führen, aber auch die Schlagwörter Teamfähigkeit und Kameradschaft - das fand ich gut." Nach mehreren Gesprächen mit einem Jugendoffizier und Wehrdienstberatern verpflichtete er sich nach dem Abitur zu zwölf Jahren Dienst bei der Bundeswehr. Wer heute eine Offizierlaufbahn einschlagen möchte, muss sich zu 13 Jahren verpflichten.
Doch bevor David Zeidler seine Karriere starten konnte, musste er sich bei der Offizierbewerberprüfzentrale auf Herz, Nieren und Verstand testen lassen. „Es gab einen Sporttest, einen Computertest, ein Gespräch mit einem Psychologen, eine ärztliche Untersuchung und einen Studiereignungstest." Er hat alles bestanden - und begann im Oktober 2007 sein Studium.
Ein bisschen anders
„Ich habe mich aus persönlichem Interesse für die Politikwissenschaft entschieden. Sozialkunde und Geschichte waren meine Lieblingsfächer, und ich war auch im kommunalpolitischen Jugendbereich aktiv." Deswegen ist er auch hoch zufrieden mit seiner Studienwahl.
Ein bisschen anders ist das Studium an der bundeswehreigenen Universität aber schon. „Es ist in Trimester unterteilt, die jeweils drei Monate dauern. Dazu kommen dann auch noch drei Monate vorlesungsfreie Zeit im Jahr, in der wir Praktika absolvieren oder unseren Urlaub nehmen", erklärt der 21-Jährige. 26 Tage Urlaub stehen ihm im Jahr zu. Außerdem finden donnerstags militärische Übungen statt: Schusstraining, Märsche oder Fitnesstraining.
Der zeitliche Aufwand sei vergleichsweise höher als bei einem „zivilen" Studium, meint David Zeidler, immerhin dauere das Studium aber auch ein Jahr weniger. Er schätzt seine Wochenstundenzeit auf etwa 40 bis 45 Stunden - je nachdem, ob Prüfungszeit sei oder nicht. „Auch wenn ich weniger Pflichtveranstaltungen habe, als beispielsweise Studierende der Elektrotechnik, habe ich mehr Leseaufwand." Ein Problem ist das für ihn nicht: „Wenn man ein gut organisierter Mensch ist, geht es. Und das lernt man bei der Bundeswehr."
Auch wenn es um die Studierendenanzahl im Seminar oder in der Vorlesung geht, ist der Unterschied zum „zivilen" Studium erkennbar. „In Seminaren sind wir etwa zehn bis maximal 20 Leute. Die Betreuungsdichte ist sehr hoch." Ansonsten sei es ein ganz normales Studium.
Wohnen in der Kaserne
Nur muss sich David Zeidler keine Gedanken über die Finanzierung seines Studiums machen - als Leutnant (automatisch nach 36 Monaten) bekommt er rund 1.600 Euro netto im Monat. Außerdem wohnt er in der nahegelegenen Kaserne. „In meiner Wohnebene wohnen vor allem Kommilitonen, die das gleiche studieren wie ich. Es ist wie eine riesige WG. Das ist praktisch, weil man so einfach zusammen lernen oder Fragen stellen kann." Partys werden dort auch gefeiert - am besten seien die von den Pädagogen, verrät der 21-Jährige.
Nach dem Studium wird der Politikstudent Dienst in der Truppe leisten, als Zugführer und später eventuell Kompaniechef. Dass er vielleicht Auslandseinsätze mitmachen muss, damit hat er sich schon vor Beginn der Offizierslaufbahn auseinandergesetzt. „Ich bin davon überzeugt, dass ich einen guten Dienst leisten werde. Klar habe ich ein paar Bedenken, wenn ich so die Nachrichten verfolge. Aber Angst habe ich keine."
Möglicherweise wird er auch Jugendoffizier und berät andere Abiturienten, die sich für die Offizierslaufbahn interessieren. Das könne er sich gut vorstellen. Auch wenn er vielleicht irgendwann ins zivile Leben wechseln wird, Bedenken, einen Job zu finden, hat er keine: „Offiziere sind wegen ihrer Führungseigenschaften gefragt in der Wirtschaft, und der akademische Abschluss der Bundeswehruniversität ist auch anerkannt. Außerdem unterstützt die Bundeswehr einen Berufseinstieg mit Weiterbildungen, aber auch finanziell."

