Falsche Vorstellungen, schlechte Noten oder finanzielle Gründe?
Eine gute Nachricht vorab: Die Zahl der Studienabbrecher geht zurück. Dennoch geben nach aktuellen Berechnungen der Hochschulinformations System GmbH (HIS) immer noch 21 von 100 Studierenden, die zwischen 1999 bis 2001 ihr Studium begonnen haben, ihr Erststudium ohne Examen auf.
Nicht für jeden ist ein Studium so entspannend.
Foto: Jardner
Falsches Fach, schlechte Noten, überfüllte Hörsäle, überlastete Professoren, Prüfungsangst: Die Gründe für einen Fachwechsel oder gar einen Studienabbruch sind vielseitig. Mit der Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge ist allerdings eine Veränderung der Abbruchraten in verschiedenen Fächern zu beobachten. Deutliche Verbesserungen werden in den Sozialwissenschaften verzeichnet. In den Ingenieur- und Naturwissenschaften fällt dagegen auf, dass im Vergleich mehr Eingeschriebene ihr Studium abbrechen. Auch in den Wirtschaftswissenschaften und in den Sprach- und Kulturwissenschaften ist trotz positiver Veränderungen noch ein überdurchschnittlich hoher Studienabbruchwert festzustellen (siehe Interview mit Dr. Ulrich Heublein von der HIS GmbH).
Falsche Vorstellungen
Laura Schmidt (21) hat die schwere Entscheidung gefällt: „Ich habe mehrere Monate gebraucht, bis ich mir sicher war." Sie studiert an der Technischen Universität in Dresden. Nach vier Semestern im Ingenieurstudiengang Wasserwirtschaft hat sie sich für „Law in Context" entschieden. „Die Arbeitsweise in Jura liegt mir. Lesen und raus schreiben fällt mir leichter als seitenweise Skripte durchzurechnen." Für Wasserwirtschaft hatte sich die Dresdnerin gleich nach dem Abi eingeschrieben. „Ich wollte den Menschen in den Entwicklungsländern helfen, die Wasserprobleme zu lösen." Über den Studiengang informierte sie sich zuvor auf den Webseiten der Uni und las Informationsbroschüren. Im Nachhinein gibt sie zu: „Ich hatte einfach die falschen Vorstellungen von meinem Studienfach."
„Das ist ein häufiges genanntes Motiv", bestätigt Sabine Stiehler von der Studienberatung der TU Dresden. „Sehr viele Ratsuchende haben aber auch Probleme, den Anforderungen im Studium gerecht zu werden." Es kommt auch vor, dass junge Menschen aus familiären, finanziellen oder gesundheitlichen Gründen ein Studium abbrechen oder einen Fachwechsel anstreben. Aber egal warum: Wer merkt, dass er mit dem Fach nicht zufrieden ist, sollte sich sofort beraten lassen. Als Ansprechpartner dienen hier neben der allgemeinen Studienberatung auch die Studienfachberatung oder der Fachschaftsrat.
Eines ist klar: „Ein Studienabbruch muss sorgfältig überlegt sein", sagt Sabine Stiehler. Und nicht immer ist er wirklich der einzige Ausweg. Wer beispielsweise schlechte Noten hat, kann sich direkt an seinen Professor wenden und Lerngruppen auf die Beine stellen. Wer Probleme hat, sein Studium zu strukturieren, der kann sich an die Studienberatung wenden. Wem das Studium an einer Universität etwa zu theoretisch ist, der sollte über den Wechsel an eine Fachhochschule nachdenken. Und wer mit seinem Fach zwar eigentlich zufrieden ist, aber mit den Inhalten nicht zurechtkommt, kann eine Hochschule suchen, die inhaltlich andere Schwerpunkte setzt.
Achtung BAföG
Wer BAföG bezieht, sollte bei einer Änderung des Fachs aufpassen. „Innerhalb der ersten beiden Semester ist ein Wechsel noch ohne große Formalitäten möglich", sagt Edelbert Schmucker, stellvertretender Leiter des BAföG-Amts des Studentenwerks Würzburg. Der Studierende muss dem zuständigen Studentenwerk die Neuerung nur mitteilen. Wer sich aber vor Beginn des vierten Semesters für ein anderes Fach einschreibt, muss diese Entscheidung schriftlich begründen. Die Förderung wird nicht gestrichen, wenn der Grund für den Wechsel ist, dass der Antragsteller wichtige Prüfungen nicht geschafft hat oder wenn anhand der schlechten Noten abzusehen ist, dass er das Studium nicht schaffen würde. Das Geld fließt auch weiter, wenn der Eingeschriebene innerhalb der ersten drei Semester merkt, dass er sich falsche Vorstellungen vom Studium gemacht hat.
Bei einem Wechsel nach Beginn des vierten Semesters muss der Antragsteller einen so genannten unabweisbaren Grund angeben, damit die Förderung weiter ausgezahlt wird. Edelbert Schmucker nennt ein Beispiel: „Wird bei einem Chemiestudierenden eine Allergie festgestellt, die es unmöglich macht, das Studium fortzusetzen oder später den Beruf auszuüben, wird der Studierende weiter gefördert." In diesem Fall erhalten die Betroffenen für das neue Studium die komplette Förderung.
Wird das Fach in den ersten drei Semestern ohne unabweisbaren Grund gewechselt, werden die studierten Semester im alten Fach bei der neuen Förderungshöchstdauer berücksichtigt. Das bedeutet, dass diese Semester nicht mehr als Halbdarlehen unterstützt werden, sondern als vollverzinsliches Bankdarlehen, das also komplett und vor allem mit Zinsen zurückgezahlt werden muss. Ein Beispiel: Wer drei Semester Jura studiert hat und dann auf den Bachelorstudiengang Germanistik wechselt, erhält wieder die Förderungshöchstdauer von beispielsweise sechs Semestern. Allerdings wird ab dem vierten Semester die monatliche Förderung nur noch als vollverzinsliches Darlehen gewährt.
Professionelle Hilfe
Doch nicht immer löst ein Wechsel alle Probleme. „Wer an Prüfungsängsten leidet oder mit Motivationsproblemen zu kämpfen hat, dem wird ein Fachwechsel oder gar ein Studienabbruch wahrscheinlich nichts bringen", warnt Daniel Eckmann von der Psychologisch-Therapeutischen Beratung für Studierende der Leibniz Universität Hannover. Bei Prüfungsängsten können oft schon ein paar Beratungsgespräche hilfreich sein, Ratsuchenden mit gravierenden psychischen Problemen empfiehlt er, eine Therapie zu beginnen. Da könne es manchmal auch sinnvoll sein, ein Krankheitssemester einzuschieben, bis die Gespräche Wirkung zeigen. Viele Hochschulen verlangen jedoch ein ärztliches Attest.
Aber was tun, wenn alles nichts nützt? „Die meisten jungen Menschen, die sich mit dem Gedanken tragen, das Studium ohne Abschluss zu beenden und bei mir einen Termin vereinbaren, sind bereits zwangsexmatrikuliert oder es ist klar, dass sie die für das Studium geforderten Leistungen nicht mehr erbringen können", sagt Jörg Bauer, Abiberater bei der Agentur für Arbeit Würzburg.
Alternativen finden
Dann beginnt die Suche nach Alternativen. In der Regel checkt der Berufsberater den Lebenslauf nach Anknüpfungspunkten. Hat der Ratsuchende schon einen Berufsabschluss? Wo hat er während des Studiums Praktika absolviert? „In meinem Beratungsgespräch kann ich den jungen Menschen keinen Königsweg aufzeigen." Aber in der Regel gibt Jörg Bauer den Tipps, über Praktika einen Fuß in die Tür zu bekommen. „Wer sich schon in den ersten Semestern gegen die akademische Ausbildung entscheidet, dem rate ich in der Regel, eine Berufsausbildung zu beginnen." Hier sehen die Berufsaussichten seiner Erfahrung nach gut aus. „Viele Unternehmer stört es nicht, wenn die künftigen Azubis Campusluft geschnuppert haben."
Info
Viele Teams für akademische Berufe und Berufsberatung bieten auch Workshops zur Frage „Weiterstudieren?" an. Informationen hierzu erhältst du bei deiner örtlichen Agentur für Arbeit.

