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Praktikum in der Schweiz

Kleine Hürde: Schweizerdeutsch

Um einen ersten Einblick in die Schweizer Arbeitswelt zu bekommen, empfiehlt sich ein Praktikum — so wie es derzeit Johanna Scherzinger (23) bei Scintilla in Solothurn absolviert.

Johanna Scherzinger an einem See.

Johanna Scherzinger hat in der Schweiz bei Scintilla ein Praktikum absolviert.

Foto: Privat

Eines ihrer zwei Praxissemester wollte Johanna Scherzinger auf jeden Fall im Ausland verbringen. Nachdem es mit Finnland nicht geklappt hatte, schaute sich die angehende Diplom-Ingenieurin für Produktionstechnik nach Möglichkeiten in der Schweiz um. Über eine Stellenanzeige stieß sie auf ein Angebot der Firma Scintilla, einer Tochter von Bosch. Da sie Bosch bereits aus einem Grundpraktikum vor ihrem Studium an der Hochschule Ulm kannte, bewarb sie sich direkt in der Schweiz. „Dann ging alles ganz schnell“, erinnert sich die 23-Jährige. „Ich konnte mit meinem Praktikumsbetreuer per E-Mail Kontakt aufnehmen, das Vorstellungsgespräch fand am Telefon statt.“ Nach einem weiteren Telefonat mit ihrem Praktikumsvorgänger nahm sie das Angebot von Scintilla an. Von August 2009 bis März 2010 ist sie nun in Solothurn in der Nordwestschweiz tätig, wo sie in der Fertigungsabteilung für Stahlteile arbeitet, die in Maschinen eingesetzt werden.

Kaum Vorbereitung nötig

Formal brauchte Johanna Scherzinger sich nicht großartig auf ihren Auslandseinsatz vorzubereiten: Ein Anruf bei der Krankenkasse, dass sie nun für ein halbes Jahr im Ausland sein würde, nach ihrem Umzug in die Schweiz ein Gang zum Einwohnermeldeamt und zur Bank – viel mehr gab es für die Deutsche nicht zu tun.

In der Schweiz angekommen, fiel ihr natürlich als Erstes die Sprache auf: „Anfangs hatte ich schon ein paar Probleme, die Schweizer Kollegen zu verstehen. Einige haben Schweizerdeutsch mit mir gesprochen, andere halfen mir, indem sie Hochdeutsch sprachen. Mittlerweile habe ich mich ganz gut reingehört und verstehe meine Kollegen auch, wenn sie sich auf Schweizerdeutsch unterhalten. Manchmal benutze ich selber ein paar schweizerische Ausdrücke.“ Da sie aus dem süddeutschen Raum, genauer: aus Baden-Baden, stammt, fiel es ihr nicht so schwer, sich an die Sprache zu gewöhnen.

In der Fertigungsabteilung, wo die Praktikantin eingesetzt ist, arbeiten ausschließlich Schweizer Kollegen – vom Auszubildenden bis zum Ingenieur. Johanna Scherzinger ist für die unterschiedlichsten Aufgaben zuständig: Sie hilft zum Beispiel, die Maschinen- und die Mitarbeiterauslastung zu berechnen, sie entwirft in Excel Tools für die Auswertung dieser Berechnungen oder erstellt Instandhaltungspläne für die Maschinen. Unterschiede im Umgang mit den Kollegen gibt es ihrer Ansicht nach kaum. „Das Miteinander ist vielleicht etwas lockerer als bei uns in Deutschland“, so ihr Eindruck. Dafür seien die Schweizer etwas reservierter, wenn es um Privatthemen gehe. „Man braucht etwas länger, um miteinander warm zu werden. Eine private Einladung von meinen Kollegen habe ich zum Beispiel während meiner ganzen Zeit hier nicht erhalten. Auch mit meinen Vermietern, die im gleichen Haus wohnen, habe ich kaum Kontakt.“

Aus ihrer Sicht hat sich der Aufenthalt in der Schweiz auf jeden Fall gelohnt: „Auch wenn Deutschland und die Schweiz auf den ersten Blick sehr ähnlich erscheinen, so ist man halt doch im Ausland.“ Vor allem für Studierende, die sich scheuen, auf der Arbeit in einer Fremdsprache zu kommunizieren, sei die Schweiz eine gute Alternative, findet Johanna Scherzinger. Sie selber könne sich vorstellen, auch nach ihrem Studium längerfristig in der Schweiz zu arbeiten. „Wenn ich einen guten Job fände, würde ich nicht Nein sagen.“

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