Zukunft an Werder und Weser
Die Stadtmusikanten, die Weser und ein Fußball-Erstligist: Gängigen Assoziationen zufolge ist Bremen erst nachrangig ein Studienort - dabei hat die Stadt als solche viel in petto und das nicht nur für Kapitäne in spe.
Der Marktplatz von Bremen.
Foto: Ingrid Krause, Bremer Touristik-Zentrale (BTZ)
„Ich wollte nach dem Abi unbedingt weg aus Schwerin“, sagt Stefanie Bauer* (26). „Dass daraus Bremen wurde, ist Zufall – meine Tante zog her, ich wurde neugierig.“ Stefanie Bauer studiert Kulturwissenschaft und Philosophie an der Universität Bremen, beendet demnächst ihr Studium. Bis sie Leute auf ihrer Wellenlänge fand, verging gerade mal ein knappes Semester. Der Grund? „Bremen ist ein Dorf, das sich als Stadt verkleidet hat.“
Lebendiges Stadtleben
Bremens Tradition als maritimes Zentrum an der Weser, heute Hafenstadt Nummer zwei in Deutschland, lockt Besucher und künftige Einwohner ebenso wie
ein lebendiges Stadtleben und eine Vielzahl an Attraktionen. Nicht nur verwinkelte Gassen im Schnoor, Bremens Altstadtquartier, zeugen von einer vielfältigen Vergangenheit. Auch der St. Petri-Dom, die Roland-Statue von 1404 oder der Schütting, eine Handelskammer von 1537, schaffen Atmosphäre. Backsteinbauten, Windmühlen, darunter eine am Wall, Bremens alter Stadtbefestigung, und Patrizierhäuser aus der Zeit der Weser-Renaissance machen die Historie Bremens auf Schritt und Tritt lebendig.
Modern und jung ist es aber auch: Zu den begehrtesten Wohngegenden der Freien Hansestadt mit ihren fünf Bezirken gehört das so genannte „Viertel“ in Bremens Mitte. Der Stadtteil rund um das Ostertor gilt als quirlig und außerordentlich beliebt. „Man kann extrem gut leben und weggehen hier“, sagt Stefanie Bauer, selbst Viertel-Bewohnerin. Böttcherstraße und Marktplatz liegen um die Ecke, ebenso das Weserstadion. „Bayern-Fans sind hier eher falsch“ sagt Detlef Stüwe, Berater im Hochschulteam der Bundesagentur für Arbeit Bremen, und lacht. Fein wohnen geht auch: etwa im Villenviertel Schwachhausen, das den unter Denkmalschutz stehenden Bürgerpark beherbergt.
Attraktiver Doppelstandort
Bremen ist ein Zwei-Städte-Staat: Die rund 113.000 Einwohner-Stadt Bremerhaven, immerhin die größte an der deutschen Nordseeküste, ist 60 Kilometer entfernt. Sie bietet weit mehr als das renommierte Alfred Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung: Hier gibt es den größten Fischereihafen Deutschlands, Europas größten Container- und Autoumschlagplatz – und viel Kultur.
Die Region gilt als ausgeprägte Wissenschaftsszene: „Mit der Kombination aus Hochschule Bremen, Hochschule Bremerhaven, Hochschule für Künste, Universität Bremen und Jacobs University Bremen sind wir nicht nur vielseitig, sondern auch qualitativ gut aufgestellt“, sagt Bremens Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen, Martin Günther.
Dabei „gebar“ Bremen praktisch Bremerhaven: 787 erhob Karl der Große Bremen zum Bischofssitz, 1358 trat die Stadt der Hanse bei. 1827 gründete der Bürgermeister die Stadt Bremerhaven – auf sandigem Grund: Im 18. Jahrhundert versandete die Weser mehr und mehr, nur ein Vorhafen (Vegesack) genügte bald nicht mehr. Der Bremer Senat kaufte dem Königreich Hannover ein Gebiet an der Wesermündung ab, das bald darauf einen Hafen erhielt. 1851 erhielt Bremerhaven Stadtrechte.
Idealer Güterknotenpunkt
Als einer der größten Seehäfen und Handelsplätze Deutschlands prägen die Region die Geschäfte mit Kaffee, Schokolade, Bier, aber auch mit Baumwolle, Getreide und Tabak. „Mit führenden Firmen der Luft- und Raumfahrtindustrie, starken Logistikunternehmen und guten Bedingungen für Existenzgründer existieren für angehende Bremer Absolventen interessante Perspektiven schon während des Studiums“, sagt Senator Günther. Detlef Stüwe vom Hochschulteam kann das nur bekräftigen: „Bremen ist der ideale Güterknotenpunkt: Es gibt die Anbindung ans Wasser, an die Luft und an Straße und Schiene. In der Raumfahrtbranche gibt es neben dem Fallturm am Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation hier ansässige Unternehmen wie Astrium oder OHB, die Satelliten bauen und auch selbst ins All schießen.“
Jobben könne man in Bremen gut: „Studenten können sich direkt am Career Center der Uni Jobs vermitteln lassen“, sagt Detlef Stüwe vom Hochschulteam. „Neben Jobs in Pflege und Gastronomie gibt es Angebote direkt an den Fachbereichen der Hochschulen.“
Das Wohnen sei mittelteuer bis günstig in Bremen, weiß Stefanie Bauer: „Wer nicht ins Wohnheim zieht, kann Kosten sparen, indem er in Stadtteile wie Walle oder das uninahe Findorff zieht.“
Der Hochschulstandort Bremen
Einwohner: rund 546.000 (Bremen), rund 113.000 (Bremerhaven)
Studierende: rund 30.800
Hochschulen: 3 staatliche (Universität Bremen, Hochschule Bremen, Hochschule für Künste Bremen), diverse private (u.a. Jacobs University), 1 in Bremerhaven (Hochschule Bremerhaven)
Studiengebühren: nein
Miete: ca. 190 bis 245 Euro im Wohnheim (ca. 1.700 Plätze in vom Studentenwerk betriebenen Wohnheimen, 136 in Bremerhaven – beide via Studentenwerk Bremen), privat muss man mit rund 400 Euro für eine rund 40 Quadratmeter große Wohnung in der Altstadt rechnen.
* Name von der Redaktion geändert






