„Nur eine Handvoll Unis bieten einen Studienstart in Wirtschaftsinformatik zum Sommersemester an“, erzählt Britta Schönborn achselzuckend, wenn man sie fragt, warum sie sich für Bamberg als Studienort entschieden hat. Die 26-Jährige Kielerin kam 2008 nach Bamberg und studiert mittlerweile im Masterstudiengang Wirtschaftsinformatik. Sie hat ihre Entscheidung nie bereut. „Die Stadt ist superschön, nur die Touristen nerven manchmal“, erzählt sie. „Aber es gibt auch ruhige Ecken. Ich kann Spaziergänge am Kanal empfehlen, oder einen Besuch im Hainbad. Das ist ein Flussbad, in dem man eigentlich immer einen Platz bekommt. Und man muss sich beim Schwimmen nicht anstrengen, weil man sich mit der Strömung treiben lassen kann.“
Britta Schönborn ist eine von knapp 12.400 Studierenden an der Otto-Friedrich-Universität. Die staatliche Hochschule bietet an ihren vier Fakultäten ein ausgewähltes Studienangebot, das vor allem von Geistes- und Kulturwissenschaften geprägt ist. Daneben gibt es noch die private Hochschule für angewandte Wissenschaften, an der die beiden Bachelorstudiengänge Logopädie und Physiotherapie angeboten werden.
Auf sieben Hügeln erbaut
Gegründet von Heinrich II. dem Zänker, wurde die Stadt im Jahr 902 erstmals urkundlich erwähnt und war sogar kurzzeitig Hauptstadt des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Im 1012 eingeweihten Dom gibt es das einzige Papstgrab nördlich der Alpen. Zudem beherbergt er die berühmte mittelalterliche Reiterstatue, den „Bamberger Reiter“. Der Volksmund beschreibt Bamberg folgendermaßen: Wie Rom auf sieben Hügeln erbaut, wie Venedig von Wasseradern durchzogen und mindestens so schön wie die Altstadt von Prag.
Die Bamberger Altstadt gilt als größter, unversehrt erhaltener, historischer Stadtkern Deutschlands und bietet Platz für 2.400 denkmalgeschützte Gebäude. Gotik und bürgerlicher Barock bestimmen das Stadtbild. Auch die beiden früheren Fürstbischofssitze, die sogenannte Alte Hofhaltung mit einer Renaissance-Fassade aus dem 16. Jahrhundert und die Neue Residenz aus dem 17. Jahrhundert haben wohl dazu geführt, dass Bamberg seit 1993 zum UNESCO-Welterbe gehört.
Historisch und bunt
„Bamberg ist von der historischen Anlage weitläufiger als andere historische Städte“, weiß auch Michael Hümmer, Berater im Team akademische Berufe der Arbeitsagentur Bamberg. „Wenn man auf den historischen Bierkellern über der Stadt sitzt, ist das im Sommer am besten zu erspüren. Außerdem ist Bamberg auch bunt. Dadurch, dass viele Absolventen der Uni aus geistes- und kulturwissenschaftlichen Studiengängen dageblieben sind, hat sich auch eine bunte kulturelle Szene entwickelt“, schwärmt er. In dieser Kulisse beeindruckt besonders das Alte Rathaus, das inmitten der Regnitz steht und nur über zwei steinerne Brücken zugänglich ist. Eine Seite des Bauwerks ist ein mittelalterlicher Fachwerkbau, die andere ist prachtvoll bemalte Barockfassade. Von der Brücke aus hat man einen herrlichen Blick auf „Klein-Venedig“, die pittoresken Fischerhäuschen entlang der Regnitz.
Das Leben in der malerischen Stadt hat aber seinen Preis. Private Wohnungen sind vor dem Hintergrund stetig steigender Studierendenzahlen mittlerweile ziemlich teuer geworden. Billiger ist es im Wohnheim. „Es werden in Bamberg elf geförderte Wohnheime mit 1.336 Plätzen betrieben, die meist zu 100 Prozent belegt sind. Die Mieten liegen etwa zwischen 160 und 270 Euro“, erklärt Michael Ullrich, Geschäftsführer des Studentenwerks Würzburg, das auch für Bamberg zuständig ist. Günstig sind auch die Bamberger Mensen. „Ein Hauptgericht mit zwei Beilagen kostet im Schnitt 3,55 Euro.“ Dort essen die Studierenden der Otto-Friedrich-Universität und der privaten Hochschule für Gesundheit.
Arbeiten im Welterbe
Bamberg bietet Arbeitsplätze für rund 50.000 Menschen. In der Stadt sind vor allem Firmen aus der Elektronik- und Automobilzulieferindustrie angesiedelt. Auch der Tourismus befindet sich seit Jahren im Aufschwung und wird 2012 wohl ungeahnte Ausmaße annehmen: Immerhin ist Bamberg von April bis Oktober Veranstalter der Landesgartenschau. Zudem wird die tausendjährige Domweihe groß gefeiert.
Jobmöglichkeiten für Studierende sieht Michael Hümmer „zum einen in der Uni selbst, etwa mit Angeboten für Hilfskräfte an den Lehrstühlen. Zudem finden wir immer wieder anspruchsvollere Jobs im Bereich Beratungsunternehmen und Customer-Relationship-Management. Einige Firmen bieten auch Werkstudententätigkeiten, beispielsweise im Personalbereich. Einen Großteil machen aber auch ‚typische‘ Studentenjobs im Gastro- und Tourismusbereich aus, wie Kellnern, Stadtführungen machen und Nachtdienst an der Hotelrezeption. Für die Semesterferien kann man auch mal über einen Vollzeitjob in der Produktion, etwa in der Automobilbranche nachdenken.“
Der Hochschulstandort Bamberg
Einwohner: circa 71.000
Studierende: etwa 12.400 Studierende an der Otto-Friedrich-Universität, ca. 130 an der privaten Hochschule für Gesundheit
Hochschule: Otto-Friedrich-Universität Bamberg, Hochschule für angewandte Wissenschaften – Private Hochschule für Gesundheit
Studiengebühren: an der staatlichen Otto-Friedrich-Universität: 450 Euro pro Semester, dazu kommen 42 Euro Studentenwerksbeitrag und 31 Euro Semesterticket.
Miete: Im Wohnheim zwischen 164 und 274 Euro warm, privat zahlt man meist knapp über 7 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter.





