Studienbewerbung leicht gemacht

Gebäude der Hochschul- und Landesbibliothek auf dem Campus der Hochschule Fulda.
Abitur geschafft und ab an die Hochschule? Ganz so einfach ist es leider nicht immer. Viele Studiengänge sind zulassungsbeschränkt – hier gilt es, die Bewerbungsfristen zu beachten und sich rechtzeitig über die Anforderungen zu informieren.
Foto: Hans-Martin Issler

Wie bekomme ich einen Studienplatz?

Studienbewerbung leicht gemacht

Über 42 Prozent aller Studienplätze in Deutschland sind zulassungsbeschränkt. Damit die eigene Bewerbung reibungslos abläuft, sollten Abiturienten die verschiedenen Zulassungsmodi kennen. abi>> hat die wichtigsten Infos gesammelt.

Im Fachbereich Wirtschaftswissenschaft der Uni Tübingen werden drei Bachelorprogramme angeboten: Economic Business Administration (EcoBA), International Business Administration (IBA) und International Economics (IEco). Im Wintersemester 2017/18 bewarben sich mehr als 2.130 Interessierte um einen der rund 250 Studienplätze des Fachbereichs – ein Rekord. Einer der begehrten Plätze ging an Thomas Hawighorst. Seit Oktober studiert der 25-Jährige International Business Administration. „Ich hatte mich an mehreren Hochschulen beworben, wobei Tübingen weit oben auf meiner Wunschliste stand“, erzählt er.

Bei manchen Hochschulen konnte er sich direkt über ein Onlineportal bewerben, für Tübingen musste er sich bei hochschulstart.de registrieren. Das Portal der Stiftung für Hochschulzulassung unterstützt die Hochschulen bei der Durchführung ihrer örtlichen Auswahlverfahren mit dem Dialogorientierten Serviceverfahren (DoSV). „Ich musste mich bei hochschulstart.de registrieren und bekam eine Bewerber-ID sowie eine Bewerber-Authentifizierungs-Nummer, die ich bei der anschließenden Bewerbung im Onlineportal der Uni Tübingen angeben musste“, erläutert Thomas Hawighorst.

Online abgefragt wurden der Abiturschnitt sowie Einzelnoten. Das Abizeugnis schickte er per Post nach. „Man kann zusätzlich noch Belege über Praktika oder etwa ein Freiwilliges Soziales Jahr einschicken. Dafür gibt es Bonuspunkte.“ Besonders wichtig war es, die Bewerbungsfrist einzuhalten: Bewerbungen, die zu spät bei der Hochschule ankommen, werden nicht berücksichtigt.

Während ihm die Zusagen von zwei Hochschulen bereits vorlagen, wartete Thomas Hawighorst noch auf eine Antwort aus Tübingen. Die kam spät. In der Zwischenzeit war die Rückmeldefrist eines anderen Angebots verstrichen. „Man muss einfach gut abwägen, ob das Warten Sinn macht“, ergänzt der Student.

Zentrale Bewerbung für bis zu zwölf Plätze

In vielen Fällen läuft die Bewerbung für einen Studienplatz wie in Thomas Hawighorsts Fall ab. Die Stiftung für Hochschulzulassung koordiniert mithilfe des Dialogorientierten Serviceverfahrens mittlerweile die Vergabe der Plätze für mehr als 1.000 örtlich zulassungsbeschränkte Studiengänge an rund 130 Standorten im Auftrag der Hochschulen. Von einer örtlichen Zulassungsbeschränkung spricht man, wenn diese nur für den jeweiligen Studiengang an der jeweiligen Hochschule gilt.

Wenn eine Hochschule am DoSV teilnimmt, müssen sich Studieninteressierte zunächst im Bewerbungsportal von hochschulstart.de registrieren. Im Anschluss erfolgt die Bewerbung je nach Vorgabe der Hochschule entweder über hochschulstart.de oder – wie bei Thomas Hawighorst – über die Hochschule. Studieninteressierte können sich für bis zu zwölf Studiengänge bewerben und jederzeit prüfen, ob sie bereits an einer oder mehreren Hochschulen zugelassen wurden.

„Ziel des DoSV ist es, frei bleibende Studienplätze und Mehrfachzulassungen zu vermeiden“, sagt Studien- und Berufsberaterin Maria Altenbuchinger-Dick von der Agentur für Arbeit Freising. Nach Abschluss aller Nachrückverfahren finden in zulassungsbeschränkten Studiengängen, in denen noch freie Studienplätze vorhanden sind, Losverfahren statt. „Für die Teilnahme am Losverfahren ist eine gesonderte Bewerbung erforderlich. Zwar sind die Chancen in der Regel gering, da es nur um einzelne Studienplätze geht. Allerdings ist es die letzte Chance, in dem laufenden Bewerberturnus noch einen Platz zu bekommen“, erklärt die Beraterin.

Begrenzte Auswahl bei zu vielen Bewerbern

Bundesweit sind laut dem aktuellen Numerus-clausus-Check 2017/18 des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) 42,4 Prozent aller Studiengänge zulassungsbeschränkt. „Übersteigt die Nachfrage das vorhandene Angebot der Hochschule für das jeweilige Studienfach, können nicht alle Bewerber einen Studienplatz erhalten. Es wird nur eine begrenzte Auswahl, eben ein ‚Numerus clausus‘ für den Studiengang zugelassen“, erklärt Diana Ebert, Referentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK).

Hier gibt es große Unterschiede zwischen den Fächern. Die höchste Numerus-clausus-Quote (NC-Quote) im Wintersemester 2017/18 hatte laut CHE die Gruppe der Rechts-, Wirtschafts-, Gesellschafts- und Sozialwissenschaften mit gut 53 Prozent. „Auch bei den klassischen Psychologie-Studiengängen ist der Zugang beschränkt. In den Sprach- und Kulturwissenschaften hingegen gibt es in rund 70 Prozent aller Studiengänge keine Beschränkung“, sagt Maria Altenbuchinger-Dick.
Von Belang ist aber nicht nur was, sondern auch wo man studieren will: Den größten Anteil zulassungsbeschränkter Studiengänge gab es im Wintersemester 2017/18 in Hamburg mit 75,5 Prozent. In Mecklenburg-Vorpommern hingegen sah es mit einer NC-Quote von 20,1 Prozent ganz anders aus.

Drei Quoten für einen Studienplatz

Bei bundesweit zulassungsbeschränkten Studiengängen werden die Bewerbung sowie die Vergabe der Studienplätze im Rahmen eines zentralen Verfahrens von hochschulstart.de durchgeführt. Zu diesen Studiengängen gehören Medizin, Pharmazie, Tiermedizin und Zahnmedizin.

Die Plätze in diesen vier Fächern werden anhand von Quotierungen vergeben: 20 Prozent nach der Abiturnote, 20 Prozent nach Wartezeit. Die restlichen 60 Prozent besetzen die Hochschulen durch eigene Auswahlverfahren, in denen neben der Abiturnote auch Kriterien wie berufspraktische Qualifikationen, Eignungstests oder Auswahlgespräche eine Rolle spielen können. Mehr über die Zulassung zu den bundesweit zulassungsbeschränkten Studiengängen erfährst du im Artikel „Bewerbung in drei Quoten“.

Abiturnote und Wartezeit

Ob bundesweit oder örtlich beschränkt: Die wichtigsten Kriterien bei der Vergabe der Studienplätze sind die Abiturnote und die Wartezeit. Motivationsschreiben, Auswahlgespräch, Testergebnisse oder Vorpraktika bringen häufig Bonuspunkte. „Was oft falsch verstanden wird: Die Wartezeit wird nicht auf den Abi-Schnitt angerechnet. Die Hochschulen müssen einen bestimmten Teil der Plätze in NC-Studiengängen nach Wartezeit vergeben. Mit welcher Wartezeit man einen Platz bekommt, ergibt sich jedes Semester neu“, erklärt Maria Altenbuchinger-Dick. Ein Studium in Deutschland gilt nicht als Wartezeit, eine Ausbildung dagegen schon.

Die Eignungsprüfung

In den Studienfächern rund um Sport sowie im Bereich Architektur, Kunst und Design sind Eignungsprüfungen üblich. Die Bewerber müssen etwa Tests absolvieren oder – in künstlerischen Studiengängen – eine Mappe mit Arbeitsproben einreichen.

Aber auch andere Fächergruppen prüfen die Eignung der Studieninteressierten. Ein Beispiel hierfür sind etwa die Bachelorstudiengänge der Fakultät für Informatik der TU München – Informatik, Wirtschaftsinformatik und Games Engineering. „Wir setzen ein zweistufiges Eignungsfeststellungsverfahren ein“, erklärt Dekan Prof. Hans Joachim Bungartz. In Stufe 1 werden die Bewerber direkt zugelassen, die bestimmte Kriterien erfüllen. Bei der Auswahl zählt eine ganze Reihe von Faktoren, etwa die fachliche Qualifikation, die durch die Abiturnote und Noten in Schlüsselfächern wie Mathe, Deutsch, Englisch und Informatik belegt wird. Auch die Motivation sowie die realistischen Vorstellungen von den Anforderungen des Studiums, vom Fach und von den Berufszielen spielen eine Rolle. Nicht zuletzt sind die Fähigkeit zum abstrakten, logischen und systemorientierten Denken sowie fachspezifische Zusatzqualifikationen wichtig.

Wer in Stufe 1 eine bestimmte Punktzahl nicht erreicht, wird in Stufe 2 zu einem Gespräch eingeladen. Man wolle keine negative Entscheidung nur aufgrund der Papierlage treffen, wie der Dekan betont.

Weitere Informationen

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Im „Finder“ kannst du nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

Stiftung für Hochschulzulassung

Portal für die Registrierung zum Dialogorientierten Serviceverfahren oder für die Bewerbung auf bundesweit zulassungsbeschränkte Studiengänge
www.hochschulstart.de

Hochschulkompass

Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studienangebote, Ansprechpartner und internationale Kooperationen
www.hochschulkompass.de

Studienplatzbörse

https://www.hochschulkompass.de/studienplatzboerse.html

Hochschulrektorenkonferenz (HRK)

www.hrk.de

Reststudienplatzbörse

der Stiftung für Hochschulzulassung und der Hochschulrektorenkonferenz
www.freie-studienplaetze.de

 

Wie bekomme ich einen Studienplatz? – Bundesweite Zulassungsbeschränkung

„Wo habe ich die besten Chancen?“

Tobias Raum (24) studiert im sechsten Semester Tiermedizin an der Freien Universität (FU) Berlin. Für ihn kam kein anderer Studiengang in Frage. Einen Plan B hatte er bei der Studienplatzsuche nicht, dafür eine zielgerichtete Strategie. Wie diese im Detail aussah, berichtet er für abi>>.

Ich habe 2012 mein Abitur gemacht und wollte unbedingt Tiermedizin studieren. Mit dem Bewerbungsverfahren hatte ich mich schon früh, also weit vor dem Abitur, auseinandergesetzt und wusste, dass die Vergabe der Studienplätze bundesweit über hochschulstart.de koordiniert wird. Die Registrierung ging schnell und war unkompliziert: Ich füllte ein Formular aus, bekam die Zugangsdaten und hätte dann als Erstbewerber bis zum 15. Juli Zeit gehabt, die Unterlagen wie etwa das Abiturzeugnis einzuschicken. Ich habe mich allerdings für einen anderen Weg entschieden.

Wartezeit sinnvoll überbrücken

Ein Porträt-Foto von Tobias Raum

Tobias Raum

Foto: privat

Um direkt über die Abiturnote einen Studienplatz zu bekommen, hätte ich damals je nach Universität mindestens einen Schnitt von 1,3 bis 1,5 haben müssen. Da das nicht der Fall war, hätte ich über die Abiturbestenquote also keinen Erfolg gehabt. Daher habe ich auf eine Ausbildung gesetzt, um die Wartezeit sinnvoll zu überbrücken. Zudem kann die Ausbildung im Auswahlverfahren der Hochschulen Bonuspunkte bringen.

An der Tierklinik am Nordring in Nürnberg habe ich einen Ausbildungsplatz als Tiermedizinischer Fachangestellter bekommen. Als Abiturient konnte ich die Dauer von drei auf zwei Jahre verkürzen. Voraussetzung waren ein gutes Abschneiden bei der Zwischenprüfung, eine Bewertung vom Vorgesetzten oder alternativ sehr gute Leistungen im ersten Ausbildungsjahr.

Bewerbung über Wartezeit und Auswahlverfahren

Tiermedizin wird in Deutschland nur an fünf Universitäten angeboten. Ich habe mich jedes Jahr aufs Neue über hochschulstart.de beworben – zum einen über die Wartezeit, zum anderen über das Auswahlverfahren der Hochschulen. Dabei habe ich überlegt, bei welcher Universität ich die größten Chancen hatte. Berlin war für mich die beste Option. An den anderen Universitäten kann man Bonuspunkte für Einzelnoten in Chemie, Biologie und Physik bekommen. Ich hatte in der Oberstufe nur Biologie als Prüfungsfach durchgehend bis zum Abitur belegt, Chemie lediglich ein Jahr.

In Berlin gibt es zudem einen studieninternen Test, bestehend aus einem Online-Fragebogen mit 180 Fragen, den man an einem PC des Fachbereichs vor Ort bearbeiten muss. Das ist kein Wissenstest: Abgefragt werden Persönlichkeitsmerkmale, Interessen und Neigungen. Es geht zum Beispiel darum, in welche Sparte man arbeiten möchte, etwa als Kleintierpraktiker oder in der Forschung, oder ob man sich vorstellen kann, eine Praxis zu gründen. Für jede Bewerbungsrunde macht man den Test neu. Ich habe ihn insgesamt dreimal absolviert.

Vom Ausbildungsbetrieb an die Hochschule

Nach zwei Jahren habe ich meine Ausbildung erfolgreich beendet. Als Altbewerber musste ich bis zum 31. Mai bei hochschulstart.de meine Unterlagen aktualisieren. Da mein Ausbildungsende erst im Juli war, habe ich die Universitäten angeschrieben und gefragt, ob ich das Zeugnis nachreichen kann, damit es in die laufende Bewerbungsrunde miteinfließt. In Berlin war das möglich.
Anschließend habe ich noch zwei Monate in der Klinik gearbeitet, bevor im September die Zusage von hochschulstart.de per E-Mail und wenig später der Bescheid aus Berlin kamen.
Die Berufsausbildung hat mich in vielerlei Hinsicht nach vorne gebracht – nicht nur im Bewerbungsverfahren. Der Lernstoff ist eben nicht mehr nur Theorie. Das hilft beim Verstehen. Viele meiner Kommilitonen haben vor dem Studium ebenfalls eine Ausbildung absolviert.

 

Wie bekomme ich einen Studienplatz? – Checkliste

Schritt für Schritt zum Studienplatz

Das Abitur in der Tasche – und nun? abi>> zeigt dir, wo du dich über Studienmöglichkeiten und Zulassungsbeschränkungen informieren kannst und was du bei der Bewerbung beachten solltest.

Über Studienmöglichkeiten informieren

Es gibt hierzulande mehr als 400 Hochschulen. Im Portal studienwahl.de waren im Oktober 2017 über 17.700 Studiengänge gelistet, davon allein knapp 8.480 Bachelorprogramme. Um das für dich richtige Angebot zu finden, kannst du dich auf studienwahl.de gezielt über Studienfelder und Fächergruppen informieren, etwa „Naturwissenschaften, Mathematik, Informatik“ oder „Ökonomie, Wirtschaftswissenschaften“. Anschließend kannst du dir alle Studiengänge anzeigen lassen, die zu einem Studienbereich gehören, und erfährst so, wo diese angeboten werden. Auch bei hochschulkompass.de kannst du nicht nur nach Studiengängen, sondern auch nach Fachgebieten suchen.

Auf den Seiten der jeweiligen Hochschulen findest du Details wie Studienpläne, Voraussetzungen und Zulassungsbedingungen. Durch das systematische Vorgehen werden auch interessante Alternativen angezeigt. Im abi>> Portal gibt es zudem zahlreiche Reportagen und Erfahrungsberichte, die Einblicke in den Studienalltag und den Studieninhalten verschiedenster Fachrichtungen geben.

Über Zulassungsbeschränkungen informieren

Sowohl das Portal hochschulkompass.de als auch studienwahl.de zeigen an, welche Studiengänge zulassungsbeschränkt sind und welches Verfahren zum Einsatz kommt. In der Suchfunktion kannst du Studiengänge nach unterschiedlichen Zulassungsverfahren filtern.

Wenn du einen interessanten Studiengang entdeckt hast, solltest du darüber hinaus unbedingt auch die Website der jeweiligen Hochschule besuchen, um weitere Informationen über die Bewerbung und Zulassung zu bekommen.

Für einen örtlich zulassungsbeschränkten Studiengang bewerben

Ob der gewünschte Studiengang am DoSV teilnimmt, erfährst du auf der Website der jeweiligen Hochschule. Ist dies der Fall, musst du dich zuerst bei hochschulstart.de registrieren, wo du eine Bewerber-ID sowie eine Bewerber-Authentifizierungs-Nummer (BAN) erhältst.

Die Hochschule legt fest, ob du dich im nächsten Schritt direkt über das Portal der Hochschule oder bei hochschulstart.de bewerben musst. Wichtig ist in jedem Fall, dass die Unterlagen fristgerecht bei der Hochschule eingehen.

Auf hochschulstart.de kannst du den Bearbeitungsstand deiner Bewerbungen verfolgen. Wenn du Zulassungsangebote bekommst und eines gleich annimmst, scheidest du aus dem weiteren Bewerbungsverfahren aus. Du kannst aber auch auf weitere Angebote warten und die dir unterbreiteten nach Prioritäten sortieren. Nach Abschluss der zweiten Koordinierungsphase werden die noch verfügbaren Studienplätze per Los vergeben.

Wie das Bewerbungsverfahren in bundesweit zulassungsbeschränkten Studiengängen ablauft, erfährst du in den FAQ.

Auswahlkriterien erfüllen, Auswahlverfahren meistern

Neben der Abi-Durchschnittsnote zählen oft die Einzelnoten der für den Studiengang relevanten Fächer. Häufig werden auch Motivationsschreiben oder das Verfassen eines Essays verlangt. Eine abgeschlossene Berufsausbildung, fachspezifisches oder ehrenamtliches Engagement, Praktika sowie die Teilnahme an Wettbewerben wie „Jugend forscht“ und Sprachtests können ebenfalls relevant sein. Manchmal werden auch fachspezifische Studierfähigkeitstests verlangt, etwa für das Lehramtsstudium. Nicht zuletzt können vor der Zulassung Auswahlgespräche an der Hochschule stattfinden.

Sich für eine Hochschule entscheiden

Wenn du mehrere Zusagen bekommst, hast du die Qual der Wahl. Nach deiner Entscheidung solltest du die anderen Plätze fairerweise bei den Hochschulen absagen, damit sie im Rahmen des Nachrückverfahrens automatisch an andere vergeben werden können.

Werden die Zulassungsbescheide zu unterschiedlichen Zeiten verschickt, musst du dich unter Umständen für einen Platz entscheiden, ohne das Ergebnis aller Bewerbungen zu kennen. Du kannst einen sicheren Platz annehmen oder warten, bis alle Bewerbungen bearbeitet sind. Dabei können aber Fristen verstreichen, sodass manche Studienplätze nicht mehr verfügbar sind.

Alternativen finden

Du hast keine Zusage für einen Studienplatz bekommen? Dann kannst du einerseits das Nachrück- und Losverfahren abwarten oder dich für einen anderen, zulassungsfreien Studiengang entscheiden.

Es lohnt sich auch, zwischen dem 1. August und dem 31. Oktober einen Blick auf die Seite www.freie-studienplaetze.de zu werfen. Die Plattform der Stiftung für Hochschulzulassung und der Hochschulrektorenkonferenz listet Studienplätze in zulassungsbeschränkten Studiengängen auf, die nach dem Nachrückverfahren immer noch frei sind.

An der Hochschule einschreiben

Neben dem Nachweis der Hochschulzugangsberechtigung (zum Beispiel Abiturzeugnis) brauchst du für die Einschreibung (Immatrikulation) an der Hochschule einen Krankenversicherungsnachweis, den Zulassungsbescheid und – falls gefordert – Belege über Praktika, Fremdsprachenkenntnisse oder das Bestehen eines Eignungstests. Achtung: Fristen nicht versäumen!

Manche Hochschulen verlangen auch bei zulassungsfreien Studiengängen eine Vorabanmeldung vor der eigentlichen Immatrikulation. Informiere dich unbedingt rechtzeitig auf der Homepage der Hochschule!

 

Wie bekomme ich einen Studienplatz? – FAQ

Bewerbung in drei Quoten

Medizin, Tiermedizin, Zahnmedizin, Pharmazie: Die Studienplätze in den bundesweit zulassungsbeschränkten Studienfächern sind begehrt. Doch wie läuft die Bewerbung ab und was hat es mit den drei Quoten auf sich? abi>> beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wie läuft die Auswahl in der Abiturbestenquote ab?

20 Prozent der Studienplätze in den vier Fächern werden über die Abiturdurchschnittsnote vergeben. Innerhalb einer Notengruppe – etwa alle Bewerber mit 1,0 – wird dann eine Rangliste nach der Wartezeit erstellt. Besteht immer noch Ranggleichheit, rutschen Bewerber, die einen Freiwilligendienst geleistet haben, nach vorne. Zuletzt entscheidet das Los über die endgültige Position.

Bei der Verteilung der Bewerber auf die Universitäten kommt die Ortspräferenz ins Spiel. Die Bewerber können bis zu sechs Wunschorte nennen. Wer nur die beliebtesten Studienorte angibt, kann trotz eines hervorragenden Abiturs Pech haben, weil sich zu viele mit gleich guten Noten an denselben Hochschulen bewerben. Auf welche Städte sich die Bewerbungen in der Vergangenheit verteilt haben, steht auf den Seiten von hochschulstart.de in der Rubrik „Studienangebot“.

Was versteht man unter „Wartezeit“?

Die Wartezeit entspricht den Halbjahren, die seit dem Abitur in vollem Umfang verstrichen sind. Wer etwa nach dem Abi einen Freiwilligendienst oder eine Berufsausbildung absolviert und sich erst nach dem Abschluss um einen Studienplatz bewirbt, bekommt also die Anzahl von Semestern als Wartezeit angerechnet, die seit dem Abitur vergangen sind. Nicht anerkannt werden Zeiten, in denen man an einer Hochschule in Deutschland eingeschrieben war.

Die Wartezeit wird automatisch in dem Semester berechnet, in dem man sich für ein Studium bewirbt. Die Bewerber müssen sich dazu nicht extra in eine Liste eintragen.

Achtung: Hier kann es in den kommenden Jahren gesetzliche Änderungen geben. Daher ist es wichtig, sich jedes Semester zu erkundigen.

Wie läuft die Auswahl in der Wartezeitquote ab?

Auch für diese Quote sind 20 Prozent der verfügbaren Studienplätze vorgesehen. Jedes Semester wird eine bundeseinheitliche Liste der Bewerber erstellt. Erstes Kriterium ist dabei die Wartezeit. Bei gleicher Wartezeit zählt die Abiturnote, nachrangig ein Freiwilligendienst und dann das Los.

Bei der Verteilung kommt auch hier die Ortspräferenz ins Spiel. Wenn sich mehr Bewerber für eine Uni entschieden haben, als es dort Studienplätze gibt, entscheiden die Abiturnote und die soziale Bindung an den Studienort. Bei Letzterem wird etwa berücksichtigt, ob der Bewerber aus familiären Gründen an einer bestimmten Hochschule zugelassen werden sollte.

Kann an dem Wunschort kein Studienplatz gefunden werden, prüft hochschulstart.de die weiteren Wunschorte und bietet gegebenenfalls auch Plätze an Orten an, die nicht auf der Liste stehen.

Welche Kriterien werden in den Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH) berücksichtigt?

60 Prozent der Studienplätze werden nach dem Ergebnis eines hochschuleigenen Auswahlverfahrens vergeben. Die Auswahlkriterien sind unterschiedlich. Dazu können etwa Einzelnoten gehören oder Medizinertests wie der Test für Medizinische Studiengänge (TMS) oder das Hamburger Auswahlverfahren für medizinische Studiengänge (HAM-Nat). Auch eine abgeschlossene Berufsausbildung, ein Auswahlgespräch oder Motivationsschreiben sowie das Abschneiden im Wettbewerb „Jugend forscht“ können sich auf das Ergebnis auswirken. Bei hochschulstart.de sind die Kriterien übersichtlich aufgelistet.

Wie nimmt man an den Auswahlverfahren der Hochschulen teil?

Am AdH nehmen diejenigen Bewerber teil, die in der Abiturbesten- oder Wartezeitquote nicht zugelassen wurden. Es gilt also, die Wunsch-Unis klug auszuwählen: Bis zu sechs Hochschulen können Bewerber angeben. Mehr als die Hälfte aller Unis berücksichtigt nur Bewerber, bei denen sie auf den Plätzen eins bis drei der Wunschliste stehen. Manche verlangen ausschließlich den ersten Rang.

Einige Unis verlangen zusätzlich eine gesonderte Übersendung von Unterlagen. Hier heißt es: Fristen beachten!

Braucht man für Medizin, Pharmazie, Tiermedizin oder Zahnmedizin das Latinum?

Nein. Lateinkenntnisse sind im Studium zwar von Vorteil, allerdings wird das nötige Fachvokabular im Studium vermittelt.

Kann man sich für mehrere Fächer gleichzeitig bewerben?

Nein. Studieninteressierte müssen sich für ein Fach entscheiden. Es ist beispielsweise nicht möglich, sich für Humanmedizin zu bewerben und Pharmazie als „Plan B“ zu wählen.

Weitere Infos rund um das Thema Bewerbung findest du in der abi>> bewerbungsbox >>

 

Eignungsprüfung

Die Kunst, eine Bewerbungsmappe zu erstellen

Tanisha Meis (23) studierte zunächst Umwelttechnik, allerdings fehlte ihr die Leidenschaft für dieses Fach. Kunst und Malerei hingegen waren schon immer ihre Passion. Wie es dazu kam, dass sie ein Studium in diesem Bereich begonnen hat, erzählt sie abi>>.

Ich habe mich damals vor allem aus Gründen der Vernunft für Umwelttechnik eingeschrieben. Aber es hat mich nicht glücklich gemacht. Ich wollte aus privaten Gründen nach Wuppertal ziehen und mit dem Umzug fiel auch die Entscheidung, mein Studienfach zu wechseln. Kunst hat mich sowohl in der Theorie als auch in der praktischen Umsetzung schon immer interessiert, aber es war nicht einfach, diesen Schritt zu wagen. Ich hatte immer dieses „mach etwas Vernünftiges“ im Hinterkopf.

Im Nachhinein war es die richtige Entscheidung. Ich freue mich jeden Tag auf die Uni, es macht einfach Spaß. In Wuppertal kann man an der Universität einen Zwei-Fach-Bachelor studieren. Ich habe mich für Kunst und Philosophie entschieden, wobei ich für Kunst eine Eignungsprüfung bestehen musste.

Einen eigenen Stil aufzeigen

Ein Porträt-Foto von Tanisha Meis

Tanisha Meis

Foto: privat

Es ist ein zweistufiges Verfahren: Zuerst erstellt man eine Mappe mit Arbeiten. Falls die gefällt, wird man zu einem Eignungstest vor Ort eingeladen. Die Universität bietet im November, Dezember und Januar drei Beratungstermine für die Bewerbungsmappe an. Dort bekommt man wertvolle Unterstützung: Welche Arbeiten sind stark, an welchen Themen sollte man weiterarbeiten, was ist nicht so gelungen. Die Termine hatte ich damals leider verpasst: Als mein Entschluss endlich feststand, waren sie schon verstrichen.

Mir blieb nur noch wenig Zeit und ich habe meine Mappe letztlich unter großem Zeitdruck erstellt. Es ist sicherlich besser, rechtzeitig anzufangen und die Beratung wahrzunehmen. Ich habe aber die Hinweise auf der Webseite der Uni sehr genau gelesen. Es geht nicht darum, fotorealistisch zu malen oder möglichst viele Themen zu behandeln. Besser ist es, sich ein Oberthema zu suchen und in den Arbeiten eine Entwicklung und einen eigenen Stil aufzuzeigen. Es geht darum, sich ganz individuell einem Thema zu nähern und sich künstlerisch damit auseinandersetzen. Nicht alles muss ausgearbeitet sein – es kann auch eine Skizze sein.

Alle Arbeiten erstellte ich eigens für die Mappe. Mein Thema waren Porträts. Da ich mich am besten kenne, porträtierte ich mich selbst und hielt ganz unterschiedliche Emotionen fest, auch Grimassen. Dabei arbeitete ich mit Kohle, Acryl, Fine Liner und Öl.

Am Ende waren es 20 Arbeiten, die ich zusammen mit dem ausgefüllten Bewerbungsbogen im Mai im Sekretariat abgegeben habe. Neben der Mappe mit den Originalen musste ich die Arbeiten abfotografieren und auf einer CD beilegen.

Ganz in meinem Element

Nach ein paar Wochen kam der Brief mit der Einladung zum Eignungstest im Juni. Wir hatten fünf Stunden Zeit für eine architektonische Zeichnung, einen Außenblick von einem Innenraum und ein Stillleben. Die Zeit konnten wir uns selbst einteilen. Zeichnen ist nicht so meins, aber beim Malen war ich ganz in meinem Element. Nach ein paar Wochen hatte ich dann die Zusage für den Studienplatz, konnte meine Mappe abholen und mich einschreiben.

Was ich beruflich einmal mit dem Studium anfangen werde, weiß ich noch nicht. Es ist vielfältig, wir lernen ja auch Kunstgeschichte und Theorie. Ich habe viele Ideen und bin überzeugt: Wenn man etwas wirklich gerne macht, dann wird man auch gut darin und kann mit den Fähigkeiten etwas anfangen.


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Stand: 21.09.2018